Heizwerk am Grafenwöhrer Geismannskeller durch "Bioerdgas-Heizanlage" optimieren
Bayernwerk rüstet auf

Eine zusätzliche Heizanlage mit einer Leistung von zwei Megawatt soll das bestehende Heizwerk des Bayernwerks am Geismannskeller (Bild) - Kesselleistung 30 Megawatt - optimieren. Der Energieversorger plant das Projekt in Containerbauweise und garantiert eine umfassende umweltverträgliche Ausführung. Bild: do
Wirtschaft
Grafenwöhr
25.04.2016
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Nicht praktikabel ist für den Stadtrat die Errichtung von Lärmschutzwällen oder -wänden im einladenden Umfeld der Bahnhofstraße (Bild) und in der Neuen Amberger Straße. Eine EU-Richtlinie fordert zwar die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes, allerdings ist die Umsetzung der sogenannten Umgebungslärmrichtlinie nicht zwingend vorgeschrieben. Bild: do

"Habt acht": Die Einhaltung der im TÜV-Gutachten vorgegebenen Immissions-Grenzwerte betonte der Stadtrat am Donnerstag beim Beschluss zum Bauantrag der "Bayernwerk-Natur" in Regensburg. Der Stromversorger will die Kesselleistung des Gas-Heizwerks am Geismannskeller optimieren. Die 30-Megawatt-Anlage dient der Wärmeversorgung des Truppenübungsplatzes.

Der Energiegigant plant den Bau einer ergänzenden "Bioerdgas-Heizanlage" mit einer Feuerungswärmeleistung von zwei Megawatt. Der erzeugte Strom soll einerseits ins öffentliche Mittelspannungsnetz eingespeist werden. Andererseits dient er der Erzeugung von Warmwasser zur zusätzlichen Wärmeversorgung des bestehenden Heizwerks. Gedacht ist die Energienutzung vor allem zur Grundlast-Versorgung.

Geplant ist das Projekt in Container-Bauweise mit einer Größe von 12 mal 3 Metern. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Mischgebiet mit Einrichtungen zur Ver- und Entsorgung ausgewiesen.

In das Verständnis zur Notwendigkeit einer optimalen Energieversorgung der US-Garnison mischte sich in der Sitzung des Stadtrats die Sorge über Lärmimmissionen aus dem Kraftwerksbetrieb. "Ein Gasmotor erzeugt Lärm", warnte Thomas Weiß vor der Überschreitung der Grenzwerte.

Diesen Bedenken trug der Bauherr im Vorfeld Rechnung. Im Bauantrag wird auf ein TÜV-Gutachten verwiesen, das dem Vorhaben keine nachteiligen Umweltauswirkungen bestätigt. "Die Immissionswerte werden eingehalten", zitierte Bürgermeister Edgar Knobloch aus der Studie. Als Maßnahmen zur Lärmminderung plant das Bayernwerk geteilte Fundamente, einen Schalldämpfer im Kamin sowie eine Anlagen- und Gebäudeschalldämmung.

Zwei Gegenstimmen


Hannes Färber zweifelte an der "Wahrhaftigkeit" der Planung. "Bei den Verwaltungen wird nicht unbedingt mit der Wahrheit gearbeitet", behauptete der Stadtrat der Linken.

Einig war sich das Gremium, die Anwohner der Geismannssiedlung vor Lärmbelästigungen aus der Anlage zu schützen. Zum gemeindlichen Einvernehmen gehörte deshalb ein deutlicher Hinweis auf Einhaltung der im TÜV-Gutachten vorgegebenen Immissions-Grenzwerte. Gegen den Bauantrag stimmten die Stadträte Hannes Färber und Klaus Schmitsdorf.

Vier weitere Bauanträge lagen dem Gremium vor. Wegen des schmalen Zuschnitts einer Parzelle planen Marion Schreiner und Mathias Wunsch aus Eschenbach in der Ochsenhut die Bebauung von zwei Parzellen mit einem Einfamilienhaus einschließlich Carport.

Ebenfalls ein Einfamilienhaus wollen John und Daniela Macaras am Hertwigshof 1 im Baugebiet Ochsenhut errichten. Lidia und Alexander Vinitsky möchten in der Thumbachstraße 18 ihr Nebengebäude erweitern. Allen drei Vorhaben erteilte der Stadtrat einstimmig das gemeindliche Einvernehmen, teilweise mit der Befreiung von Vorgaben der Bebauungspläne.

Bau für Prüfungsmunition


Gegen die Stimmen der Linken war das Gremium mit einem Bauantrag der Firma Diehl aus Überlingen einverstanden. Diese plant die Errichtung eines "Bereitstellungsgebäudes" auf dem Lager-Gelände an der Range 127 in der Nähe von Tor 4. In dem Neubau soll Prüfungsmunition gelagert werden.

Lärmaktionsplan für die beiden Hauptverkehrsachsen: Stadtrat sieht keinen HandlungsbedarfIn vielen deutschen Städten wie auch entlang vieler Hauptverkehrsstraßen und Schienenwege sowie in der Nähe großer Flughäfen ist es zu laut. Das Umweltproblem Lärm kann zu erheblichen gesundheitlichen Belastungen führen. Mit Lärmkartierungen und -aktionsplänen sollen die Kommunen gegensteuern, um den Umgebungslärm für die Menschen erträglich zu gestalten, wie es in einer Richtlinie des Europäischen Parlaments und des EU-Rates heißt. Ein heißes Thema für die Soldatenstadt?

Auf der kommunalen Agenda steht die Lärmbelastung schon seit der Eröffnung des Truppenübungsplatzes ganz oben. Doch es ist nicht der Schießlärm, der die europäischen Gremien umtreibt, sondern der Verkehrslärm. Als Instrument zur Lärmbekämpfung sieht die Richtlinie zunächst einen Aktionsplan vor.

Die Pflicht dazu bezog sich bisher nur auf Ballungsräume, Anrainer von Großflughäfen und Anlieger von Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von mehr als drei Millionen Kraftfahrzeugen jährlich. In der zweiten Phase sind nun jedoch auch kleinere Gebietskörperschaften gefordert. In Grafenwöhr sind die Hauptverkehrsachsen betroffen: die B 299 (Neue Amberger Straße) und die Staatsstraße 2168 (Bahnhofstraße). Ein Lärmaktionsplan sei allerdings keine gesetzliche Verpflichtung, betonte Bürgermeister Edgar Knobloch. Er erinnerte ferner an einen ablehnenden Beschluss des Bauausschusses vom 4. Februar 2013. Bereits damals sei kein Handlungsbedarf für eine Lärmkartierung gesehen worden.

Die Realisierung von baulichen Maßnahmen zur Lärmminderung - zum Beispiel durch Eingrünungen, Schutzwände und -wälle - sei wegen des geringen Platzangebots entlang der beiden Ortsdurchfahrten eh nicht möglich, hieß es in der Diskussion. Es sei in der Praxis sehr schwierig, die Anlieger vor Verkehrslärm zu schützen. Deshalb nütze auch ein Aktionsplan, der nur Geld koste, nichts, merkte der Bürgermeister an. Zudem gebe es keine Beschwerden von Anliegern. Dagegen mutmaßte Klaus Schmitsdorf: "Vielleicht haben die Anwohner längst resigniert."

Helmuth Wächter empfahl, bei künftigen Fahrbahnsanierungen auf den Einbau von Flüsterasphalt hinzuwirken. Gegen die Stimmen von Klaus Schmitsdorf und Hannes Färber lehnte das Gremium erneut die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes ab. (do)
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