Neue Tarifrunde für zivile Beschäftigte auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr
Verdi muss liefern

Die Tarifrunde für die zivilen Beschäftigten auf den Übungsplätzen der Oberpfalz ist angelaufen. Betriebsrat Klaus Lehl setzt darauf, dass die Beschäftigten bei den Aktionen wieder mitziehen, auch wenn der Abschluss im Vorjahr nicht allen geschmeckt hat. Archivbild: nt/az
Wirtschaft
Grafenwöhr
22.09.2016
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Klaus Lehl. Archivbild: rgr

Verdi macht nicht nur in der Tarifrunde für die Stationierungsstreitkräfte Druck. Grafenwöhrs Betriebsratsvorsitzender findet, die Gewerkschaft hat etwas gut zu machen.

Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Stationierungsstreitkräfte lief für die Gewerkschaft Verdi enttäuschend. Für einen erfahrenen Arbeitnehmervertreter wie Klaus Lehl war das aber auch erwartbar. "Dass die Arbeitgeber in der ersten Runde kein Angebot vorlegen und versuchen, die Erwartungen zu bremsen, ist immer so", sagt der Betriebsratsvorsitzende am Standort Grafenwöhr. 4,8 Prozent mehr Lohn ab 1. September fordert die Gewerkschaft, wie nahe der Abschluss dem kommt, möchte Lehl nicht prognostizieren. Am 1. März 2017 geht der Eschenbacher in Ruhestand. Aus den Tarif- und Gewerkschaftsgremien hat er sich bereits weitgehend zurückgezogen.

Fest steht für Lehl aber, die Verhandlungen müssen besser laufen als im Vorjahr. Damals habe die Gewerkschaft lange die Hoffnung auf eine pauschale Erhöhung von 120 Euro geschürt. "Gerade für die Arbeiter wäre das sehr lukrativ gewesen." Als kurz darauf die Erhöhung um 2,4 Prozent beschlossen wurde, war bei vielen die Enttäuschung groß. "Dabei war der Abschluss gar nicht so schlecht", sagt Lehl und verweist auf die mageren Vorjahre. Allerdings hatten sich die Beschäftigten aufgrund der Verdi Ankündigungen eben mehr erwartet. "Dabei war es absehbar, dass die Amerikaner einer pauschalen Erhöhung nicht zustimmen werden." Bei der laufenden Verhandlung sei es nun wichtig, dass die Beschäftigten mitziehen und nicht wegen der Enttäuschung den Aktionen fern bleiben, sagt Lehl.

Insgesamt zeichnet Lehl ein durchwachsenes Bild von der Lage am Übungsplatz. Wie von Verdi kritisiert sei es richtig, dass die Garnison die Verträge von 33 Mitarbeitern nicht verlängert. "Aber arbeitsrechtlich ist das absolut in Ordnung." Konkret gehe es um Mechaniker, die auf ein Jahr befristet für die Wartung von schwerem Gerät eingestellt wurden. Diese Verträge laufen aus und werden nicht verlängert. Dahinter stehen politische Gründe, die US-Armee hat die Truppen dauerhaft in östliche Nato-Staaten verlegt. Deshalb sei auch das schwere Gerät nicht in Grafenwöhr verblieben.

Auch in diesem Fall führt Lehl den Ärger auf falsche Erwartungen zurück. "Ich weiß nicht, was General Cavoli geritten hat, als er im Grafenwöhrer Stadtrat davon gesprochen hat, dass die Dienststelle sogar ausgebaut wird." Intern sei klar gewesen, dass dies alles andere als sicher ist. Betriebsrat und Arbeitgeber arbeiten derzeit aber gut zusammen, um die Betroffenen auf andere Posten unterzubringen. "Bei sieben Mitarbeitern ist das gelungen. Ich hoffe, dass wir bis Ende des Vertraglaufzeit am 30. September noch für eine Handvoll weitere Kollegen Stellen finden."

Licht am TunnelendeNach wie vor befinde sich die US-Armee in einem Prozess der Umstrukturierung, sagt Klaus Lehl zu den Zukunftsaussichten. Dies wirke sich auf die Beschäftigten aus, derzeit noch negativ. Für das Fiskaljahr 2019 sei ein weiterer Stellenabbau geplant, sagt Lehl. Es gebe aber Zeichen, dass der Rückbau dann abgeschlossen ist. Bis Ende 2016 sollen bereits der Stellenplan für das Fiskaljahr 2019 vorliegen. "Das gibt uns Zeit, zu planen und den Abbau möglichst ohne Kündigungen zu organisieren." Und es lasse hoffen, dass im Anschluss die Zahl der Beschäftigten konstant bleibt oder wieder steigt. Wegen des hohen Durchschnittalters müsse dann auch die amerikanische Seite ein Interesse daran haben, die Ausbildung zu stärken. (wüw)
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