Pflegeheim Sankt Sebastian in Grafenwöhr nach Insolvenzverfahren gerettet
Zwei schlimme Jahre überstanden

Seniorenheim statt Ruhestand: Horst Seifert arbeitet mit Brigitte Adam gerade die Altlasten im Grafenwöhrer Pflegeheim Sankt Sebastian auf. Nach der überstandenen Insolvenz sind beide zuversichtlich. Bild: wüw
Wirtschaft
Grafenwöhr
14.10.2015
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Das Pflegeheim Sankt Sebastian in Grafenwöhr war pleite. Jetzt ist es gerettet - nach einem Insolvenzverfahren, das sogar für den Insolvenzverwalter ungewöhnlich war.

(wüw) "Die schlimmste Zeit meines Lebens". Brigitte Adam denkt nicht lange nach, wenn sie von den letzten beiden Jahren spricht. In denen leitete sie das Pflegeheim Sankt Sebastian. Das tat sich auch in den Jahren davor, allerdings wechselte 2013 der Betreiber. Mit der Übernahme durch einen evangelischen Verein aus Hessen habe das Elend begonnen, das Mitte Juli am Insolvenzgericht Weiden endete. Seither leiste sie doppelte Arbeit: Als Geschäftsführerin der Pleite-GmbH muss sie die Insolvenz mit aufarbeiten und gleichzeitig das Pflegeheim leiten. "Aber jetzt weiß ich wieder, wofür ich es tue", sagt Adam.

Fälle fürs Strafrecht

Zuversicht gibt Horst Seifert. Der Weidener ist Geschäftsführer der neuen GmbH, die seit 1. Oktober das Heim betreibt. Dahinter steht Erich Bielefeldt. Dem Weidener Unternehmer gehören die Immobilien an der Sebastianstraße, er betrieb das Heim auch bis ins Jahr 2013. Als sich das Chaos abzeichnete, bat er Seifert um Hilfe. Der war gerade aus Baden-Württemberg zurückgekehrt, um sich in der Heimat zur Ruhe zu setzen. Jahre zuvor hatte er in Weiden die Seifert-Internate gegründet, dann im Stuttgarter Raum über 20 Jahre mehrere Seniorenheime geführt. "Immer mit Bestnoten", wie er sagt.

Desolater Zustand

Von Bestnoten war das Grafenwöhrer Heim weit entfernt, als er es sich Ende 2014 vornahm. Am desolaten Zustand sei aber weder Brigitte Adam noch das Personal schuld. Die Stammkräfte hätten den Laden am Laufen gehalten, Probleme machten die Stadthalter aus Hessen. Details möchte Seifert nicht nennen, auch weil es zum Teil um Straftaten geht, zu denen die Justiz ermittelt. Anfang 2015 erhielt der Co-Geschäftsführer aus Hessen bereits Hausverbot, da hatte der bereits genug Schaden angerichtet, sagt Seifert. Entnervtes Personal hatte das Haus verlassen, wirtschaftlich war der Betrieb in Schieflage.

Insolvenz war keine Überraschung

Die Insolvenz kam dann auch nicht überraschend. Schon seit März gibt es deshalb die GmbH, die das Pflegeheim nun zum 1. Oktober übernahm. "Von Anfang an war klar, wie es weitergeht", sagt Seifert heute. Er muss lachen, wenn er an den vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Adolf denkte. "Der sagte immer wieder, dass er eine so entspannte Insolvenz noch nie erlebt hat", sagt Seifert über den Nürnberger Rechtsanwalt. Nach drei Monaten vorläufiger Insolvenz sei es deshalb am 1. Oktober schnell gegangen. "Um 8 Uhr wurde das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet, um 11 Uhr hat unsere GmbH das Heim übernommen." Der neue Betreiber habe mit dem alten nichts zu tun, sei schuldenfrei und ohne Altlasten, das ist Seifert wichtig. Die geordnete Übernahme mache es leichter, Personal wie Bewohner seien dem Heim in den letzten Monaten treu geblieben.

Fachkräfte fehlen

Dennoch fehlen Mitarbeiter. Die zuvor vergraulten Fachkräfte lassen sich kaum ersetzen. Es gibt zu wenig Fachpersonal. Mit derzeit 60 Mitarbeitern kann das Heim nicht mehr als die aktuell 90 Bewohner versorgen. Plätze wären 115 vorhanden. Etwa zehn Altenpfleger würde er sofort einstellen, sagt Seifert. Ansonsten ist er gelassen, wenn es um die Zukunft geht. "Ich habe viele Heime gesehen, wenige waren so großzügig ausgestattet." Das Personal um Heimleiterin Brigitte Adam sei hervorragend, genau wie Freizeitangebot und Küche. Und auch bei der Bewältigung der Altlasten gehe es voran, sagt Seifert. Bei den jüngsten Prüfung des Medizinischen Dienstes erhielt das Heim die Note 1,5, - deutlich besser als bei der Prüfung davor.
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