Raiffeisenbanken fusionieren
Ohne wirtschaftlichen Druck

Handschlag auf die Fusion (von rechts): Johannes Reger, Robert Haubner, Joachim Geyer, Herbert Meier, Thomas Keck und Hans Kammerer sind überzeugt, dass beide Banken profitieren. Bild: stg
Wirtschaft
Grafenwöhr
21.10.2016
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Einhelliges Einverständnis: Die Bürgermeister der Hauptstandorte Grafenwöhr, Erbendorf und Kirchenthumbach zeigen viel Verständnis für die geplante Fusion - und betonen zudem das große Vertrauen in die Fähigkeiten der Führungskräfte der Raiffeisenbanken Kemnather Land-Steinwald sowie Grafenwöhr-Kirchenthumbach.

Bankfusionen sind in aller Munde - auch in der Region steht eine "Hochzeit" an: Die Raiffeisenbank Kemnather Land - Steinwald fusioniert mit der Raiffeisenbank Grafenwöhr-Kirchenthumbach. Das haben die Vorstände am Freitagvormittag verkündet.

Kemnath/Grafenwöhr. Im Vorfeld war von einer "strategischen Neuausrichtung" die Rede, was bereits eine Fusion erahnen ließ. Wer sich aneinanderbindet, war dann doch eine Überraschung. Die Vorstände Robert Haubner und Joachim Geyer (Kemnather Land - Steinwald) sowie Herbert Meier und Thomas Keck (Grafenwöhr-Kirchenthumbach) erläuterten die Gründe. Unterstützt wurden sie von den Aufsichtsräten Hans Kammerer (Grafenwöhr-Kirchenthumbach) und Johannes Reger (Kemnather Land - Steinwald).

Haubner und Meier betonten, dass beide Banken aus starker Position handeln. "Es gibt keinen Druck zur Fusion, aber wir müssen in die Zukunft schauen", so Meier. Die Rahmenbedingungen würden sich weiter ändern, nun sei man vorbereitet. Haubner unterstrich, dass sich die Partner gut kennen, schon in der Vergangenheit kooperierten. Die Banker versicherten, dass Filialschließungen und Entlassungen kein Thema seien.

Gespräche führen beide Banken schon seit 15 Monaten: zunächst als loser Austausch. Im Frühjahr begannen Sondierungsgespräche, Verhandlungen laufen seit Ende September. "Ich hege keinen Zweifel, dass wir uns finden", so Meier. Auch die Aufsichtsräte haben grünes Licht gegeben. "Die Chemie passt, das neue Gebilde wird ein Erfolg", so Kammerer und Reger. Das letzte Wort haben im April 2017 die Vertreterversammlungen beider Banken. Dazu ist jeweils eine Dreiviertel-Mehrheit nötig, die Fusion soll dann rückwirkend zum 1. Januar 2017 erfolgen.

Ein Name steht noch nicht fest. "Dazu soll es einen Mitarbeiterwettbewerb geben", sagte Geyer. Hauptsitz bleibt Kemnath, angedacht sind vorerst vier Vorstände. Anderweitige Fusions-Optionen kämen für beide Banken nicht in Frage, wie Gespräche gezeigt hatten, sagte Geyer. Ähnlich sah es Meier: "Hier können wir uns einbringen, woanders geben wir wahrscheinlich den Schlüssel ab!"

"Wir leben in turbulenten Zeiten", erklärte Geyer zum Grund der Fusion: "Überbordende Regulierungswut" der Europäischen Zentralbank, niedrige Zinsen lasse die Hauptertragsquelle wegbrechen. Dazu komme der digitale Wandel. "Diese Entwicklungen lassen Banken überlegen, näher zusammenzurücken, um Herausforderungen gemeinsam zu begegnen", sagte Geyer.

Alle Mitarbeiter und Filialen bleibenThomas Keck informierte über Zahlen und Fakten: Dabei orientierte er sich an den Bilanzen zum 31. Dezember 2015. Demnach wird die Bilanzsumme der neuen Bank etwa 420 Millionen Euro betragen. Kundengelder liegen bei 350 Millionen, Kundenkredite bei knapp 190 Millionen Euro. Die Zahl der Mitglieder liegt bei über 10 000, die der Kunden bei gut 27 000. Da alle übernommen werden, hat die neue Bank 111 Mitarbeiter. Die vier "Waren"-Mitarbeiter der Raiffeisenbank Grafenwöhr-Kirchenthumbach wechseln in die "Waren-GmbH", genauso das Lagerhaus sowie die beiden Tankstellen. Nicht ändern wird sich die Anzahl der Geschäftsstellen: Zehn und zwei Selbstbedienungs-Standorte wird die neuen Bank-Genossenschaft betreiben. (stg)

Einhelliges Einverständnis: Die Bürgermeister der Hauptstandorte Grafenwöhr, Erbendorf und Kirchenthumbach zeigen viel Verständnis für die geplante Fusion - und betonen zudem das große Vertrauen in die Fähigkeiten der Führungskräfte der Raiffeisenbanken Kemnather Land-Steinwald sowie Grafenwöhr-Kirchenthumbach.

Bemerkenswert ist an den Statements der Bürgermeister dann auch vor allem ein Fakt: Mit dem amtierenden Kemnather Bürgermeister wusste ausgerechnet das derzeitige Stadtoberhaupt des Hauptstandorts nichts von den Fusionsplänen.
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