Kiefer auf dem Rückzug

Vor Landwirten, Jagdpächtern, Jagdgenossen und Jägern referierte Ramona Pohl-Übel (stehend) im Gasthaus Vetterl in Guteneck zum Thema "Forstliches Gutachten zur Situation der Waldverjüngung". Bild: ohr
Lokales
Guteneck
11.02.2015
32
0

"Das Rehwild ist nur ein Faktor." Mit dieser Feststellung betonte Ramona Pohl-Übel, dass Wildtiere nicht alleine daran schuld sind, wenn es um das Gelingen oder Misslingen der Waldverjüngung geht. Eine große, nicht zu unterschätzende Rolle spielen im Forst die Nager, so die Referentin.

Die gemeinsame Veranstaltung der Bayerischen Jagdverband-Kreisgruppen Oberviechtach und Nabburg (BJV) eröffnete als Hausherr BJV-Vorsitzender Alois Seegerer im Gasthaus Vetterl in Guteneck. Vor Landwirten, Jagdgenossen, Pächtern und Jägern beleuchtete Forstbedienstete Pohl-Übel das "Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung". Primär gehe es um den Einfluss des Wildes, aber auch andere Faktoren sind zu berücksichtigen.

Das Licht im Forst, die Konkurrenz der Pflanzen untereinander, Standort, Wetter, Nagetiere, Schalenwild, Insekten - und nicht zuletzt der Mensch mit seinen Eingriffen - können die Entwicklung beeinflussen. Wirtschaftlicher Erfolg erfordere eine regelmäßige, seinen Beständen und den örtlichen Begebenheiten angepasste Pflege und Durchforstung.

Aktuelle Untersuchungen anhand von DNA-Analysen belegen eine häufigere Beteiligung von Nagern am Verbiss als durch das Rehwild. Mit menschlichem Auge sind Verbissbilder nicht zu 100 Prozent einem Schädiger zuzuordnen. Wenigstens ist das genaue Betrachten der Verbissstelle notwendig und das Fehlen eines Triebes darf nicht automatisch dem Rehwild zugeschrieben werden.

Umbau zu befürworten

Der Umbau von anfälligen Monokulturen zu dem jeweiligen Standort angepassten Mischwäldern sei grundsätzlich zu befürworten, aber mit Maß und Ziel, so die Referentin. "Vielerorts ist bereits die konkurrenzstarke, flächig aufgehende Buchenverjüngung zum Problem geworden." So habe die konkurrenzschwache Kiefer gegenüber dem bayernweit zunehmenden Laubholzanteil zur Beteiligung an der Verjüngung kaum noch eine Chance.

Das Schalenwild, insbesondere das Rehwild, übt im komplexen Ökosystem Wald nur einen gewissen Einfluss aus. Aber es ist nicht der einzige und wichtigste Anteil, lautet das Fazit der Expertin.

Hinsichtlich des forstlichen Gutachtens sollten sich Jagdpächter und Jagdvorstände oder einzelne Jagdgenossen an den Mitte Februar 2015 beginnenden Außenaufnahmen beteiligen, erklärte die Sprecherin. Voraussichtlich werden die Standardauswertungen Anfang Juli 2015 an die Jagdvorstände, Revierpächter, Hegeringleiter und Eigenjagdbesitzern versandt. Zusätzliche Auswertungen wie Zeitreihen, Pflanzendichte und die landkreisweise Darstellung müssen beim Landwirtschaftsamt angefordert werden. Im Anschluss an den Erhalt bleiben den Beteiligten vier Wochen Zeit zur Abgabe einer Stellungnahme. Zum Erhalt einer realistischen Einschätzung ist die gesamte Verjüngung in einem Revier zu betrachten.

Auch wenn das aktuelle Gesetz die Waldverjüngung über das Wild stellt, verbleibt dennoch beim Menschen die Verpflichtung, für die heimischen Wildtiere zu sorgen. Und es ist ebenso ein gesetzlicher Auftrag, gesunde Wildbestände zu erhalten. Dieses Anliegen muss bei der Abschussplanung entsprechend berücksichtigt werden, resümierte Pohl-Übel.

"Man fällt bei der Verjüngung von einem Extrem ins andere", merkte BBV-Kreisvorsitzender Johann Wilhelm in der Aussprache kritisch an. "Wälder werden auch ohne Bürokratie groß." Das Schwarzwild darf nicht überhandnehmen, sonst finden sich keine Jagdpächter mehr, lautete seine Forderung.

Der Vorsitzende der BJV-Kreisgruppe Oberviechtach, Alexander Flierl, plädierte in seinem Schlusswort für einen offenen Umgang von Pächtern, Jagdgenossen und Bauern und stellte das faire Miteinander heraus. Sein Dank galt der Referentin für ihre umfangreichen und interessanten Ausführungen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.