Besuch bei den Oberpfälzer Manners
Am Ursprung der Schnitten

Michael Manner blickt in seiner Wohnküche in Weidenthal auf die Ahnentafel. Von hier aus machte sich der Bauernbub Mathias Manner auf den Weg nach Wien. Bilder: Held (2)
Vermischtes
Guteneck
19.05.2017
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Michael Manner blättert in der dünneren Familienchronik - eine von Josef Manner erstellte ist 884 Seiten dick.

Kompliziert für einen Außenstehenden, aber Michael Manner findet sich zwischen all den Josefs und Karls auf der Ahnentafel zurecht. Klar ist für Nichteingeweihte nur, der Oberpfälzer Urvater aller Wiener Neapolitaner-Schnitten hieß Mathias.

-Weidenthal. Mathias heißt Michael Manner auch mit zweitem Vornamen. Er bewirtschaftet noch immer den Hof neben der Kirche im Ortszentrum von Weidenthal. Die Gastwirtschaft ist aufgegeben. Von diesem Hof aus, erzählt der Nachfahre, machten sich im 19. Jahrhundert zwei Brüder auf nach Wien. "Der Erstgeborene erbte den Hof und die jüngeren Buben wurden Pfarrer, gingen ins Kloster oder nach Wien."

Die Hauptstadt der Donaumonarchie war damals das Wirtschafts- und Handelszentrum schlechthin. Viele Oberpfälzer sind "ausgewandert", bestätigt Heimatforscher Alfred Wolfsteiner die Aussagen Manners. Einer der Brüder kehrte wieder zurück, der andere, Mathias, blieb, heiratete 1864, betrieb eine Metzgerei mit Gastwirtschaft in der Himmelgasse, gründete "die Manner-Linie" in Österreich und dessen 1865 geborener Sohn Josef die Schnitten-Firma.

Trotz wirtschaftlicher Erfolge erinnern sich die Manners mit einigem Auf und Ab, wie es in jeder Familie vorkommt, der Verwandtschaft in Weidenthal. Nach dem Tod von Michael Manners Vater herrschte ein paar Jahre Funkstille. "Dann", erzählt der Landwirt, "stellte sich Anfang der 80er Jahre ein Paar auf dem Hof vor". Es waren Josef (Sepp), der Cousin, des erst kürzlich verstorbenen Aufsichtratschef, Carl Manner und dessen Ehefrau Finny,

Die Kontakte leben wieder auf. Besuche gibt es nicht nur zu Beerdigungen. "Wir waren fast jedes Jahr dort", sagt der Weidenthaler. "Es war eine schöne Zeit", ergänzt Manners Frau Annemarie. Auch die vier Kinder reisen gern mit zur Wiener Verwandtschaft. Und Annemarie Manner ist sich sicher, dass der Sepp, ein Ingenieur, ihre Tochter beeinflusst und technisch gefördert hat, so dass sie Mechatronik studierte.

Was die Weidenthaler fasziniert, ist die Bescheidenheit der wohlhabenden Verwandtschaft. Sie besitzen zwar eine Villa in Dornbach und auf dem dortigen Friedhof befindet sich auch das Familiengrab, "aber von mein Haus, mein Auto, meine Yacht" ist nicht die Rede. Dreh- und Angelpunkt ist die Firma.

Tritt die Weidenthaler Familie wieder die Heimreise an, wird das Auto vollgepackt mit der gesamten Produktpalette. "Als es noch Grenzkontrollen gab, hatten wir Angst, dass wir mal als Schmuggler rausgezogen werden", bemerkt Michael Manner. "Passiert ist aber nichts". In liebevoller Erinnerung geblieben ist ihnen der Ananaskuchen, den es jedes Mal in Wien gab. "Das war aber nichts anderes als ein Erdbeerkuchen."

Sepp und Finny starben vor einigen Jahren und seitdem ist es wieder ruhiger - hie und da ein Telefonat - zwischen Wien und Weidenthal. Allerdings verfolgen die Oberpfälzer noch genau die Entwicklung der Firma, denn den Manners war es "immer ein Herzensanliegen, die Mehrheit der Aktien zu halten, um in der Firma das Sagen zu haben". Michael Manner holt dazu die Familienchronik mit persönlicher Widmung, die Josef Manner verfasst hat. Akribisch genau hielt der Ingenieur die Familien- und vor allem die Firmengeschichte fest, sogar die Kosten für Zutaten und deren Preisentwicklung stehen dort verewigt. 884 Seiten dick ist diese Chronik. "Die les' ich mal, wenn ich in Rente bin", sagt Michael Manner und lacht. (Hintergrund)

Der Erstgeborene erbte den Hof und die jüngeren Buben wurden Pfarrer, gingen ins Kloster oder nach Wien.Michael Manner
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