Frohnberg hatte zuerst eine Petrus-Kirche
Zufallsfund beweist Vermutung

Bald wird auf dem Frohnberg wieder gefeiert. Jetzt ist belegt: Das dortige Gotteshaus war viele Jahre lang eine St.-Petrus-Kirche. Bilder: mma (2)
Kultur
Hahnbach
21.07.2016
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Detektivarbeit ist die Spurensuche in alten Dokumenten wie diesem Salbuch aus dem 15. Jahrhundert.

Eine kleinen Sensation hat der in Dürnsricht bei Hahnbach geborene, passionierte Heimatforscher Josef Weiß-Cemus präsentiert. Genau passend zum bevorstehenden Frohnbergfest.

Per Zufall fand Weiß-Cemus den Beweis, dass die Kirche auf dem Frohnberg, wie vermutet, tatsächlich über viele Jahr hinweg eine St.-Petrus-Kirche war. Im bischöflichen Zentralarchiv stieß der Verfasser der Ortschronik von Iber auf ein Salbuch - also ein Buch aus dem 15. Jahrhundert, das Abgaben vermerkt. Fälschlicherweise war es unter 1552 abgelegt. Darin sind Abgaben an die St.-Jakobuskirche in Hahnbach aufgezeichnet - und auch für eine Kirche Sankt Peter auf dem Frohnberg.

Für das Jahr 1468 heißt es dort: "Des gleichen (haben) Michel Ruppel vnd Fritz Türler von des gotzhaws (= Gotteshaus) wegen sand (= Sankt) Peter auf dem Fronperg (=Frohnberg) auch gerechnet eodem uts (= ut supra, d.h. wie oben) von allen In nehmen und ausgebn (= Einnahmen und Ausgaben) vnd ist auch in beraitem (= baren) gelt vorhandtn (gewesen) 3 Gulden an Gold vnd 10 ß (= Schilling) 22 d (= Pfennig)". Das heißt: 1468 legen Michel Rüppel und Fritz Türler - wohl dem Pfarrer - eine Aufstellung über Einnahmen und Ausgaben für die Frohnberg-Kirche vor. 1471 sind die beiden erneut genannt, mit einigen anderen als Schuldner gegenüber der Kirche St. Peter auf dem Frohnberg (Item Fritz Türler von all(er) schuld vij ß iij d 7 Schilling 3 Pfennig sand peter).

Eigene Kirchenpfleger


Zudem sind in diesem Jahr "zechlewt" für den Frohnberg erwähnt - eine Art Kirchenpfleger, also Männer, die für eine korrekte Abrechnung in den Geld-Angelegenheiten der Kirche zu sorgen hatten. Wenigsten für diese Zeit waren das ausweislich des Salbuches für die Frohnbergkirche Michel Ruppel und Fritz Türler. Für die Kirche St. Jakobus in Hahnbach verantwortlich waren hingegen Conrat Smid, Conrat Rüppl zu Hahnbach und Hans Peck zu Süß; sie sind ebenfalls im Salbuch genannt.

Die Verantwortlichkeiten waren also zumindest zeitweise verteilt. Die Kirche auf dem Frohnberg hatte eigene Kirchenpfleger (Jt vnd haben gilt iij lb d [3 Pfund Pfennige] pöser muntz [wohl Münzen mit geringem Wert] dy zechlewt auf dem fronperg). Auf Seite 4 des Salbuches ist ferner unter dem Jahr 1479/80 zu lesen: "It des Puderhensl Haus pey Ambergis Thore gibt jerlich dem gotzhauß auf dem fronberge 52 dl." Ein Gotzhauß, also ein Gotteshaus, für das eine von der Mutterkirche St. Jakobus getrennte Abrechnung vorgelegt werden muss, wird wohl kaum eine "unbedeutende, kleine Privatkapelle gewesen sein", sagt Weiß-Cemus. Er fragt: "Was ist nun aus dem Patrozinium St. Peter herauszulesen oder hineinzuinterpretieren?

Petrus, der Modeheilige


Richtig ist laut Weiß-Cemus, dass der heilige Petrus als Namengeber eine alte, weit zurückreichende Tradition hat, etwa beim Dom St. Peter in Regensburg. Vielfach genügt dies vor allem rührigen Heimatforschern, um ihren Fund weit in die Vergangenheit zurück zu verlegen. Das ist allerdings kein Nachweis, denn Petrus war Modeheiliger noch in der Spätgotik (14./15. Jahrhundert).

Vor allem Kapellen, die mit einer Wallfahrt zu tun hatten, erhielten seinen Namen. Im Einzelfall sagen diese Patrozinien also nicht allzu viel aus und lassen kaum weiterführende Rückschlüsse zu. Dafür müsste man die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte des ganzen Raumes betrachten.

Im BlickpunktDer Frohnberg wird in den Steuerlisten des 15. und 16. Jahrhunderts oft genannt; auch gibt es einige Visitationsprotokolle aus dieser Zeit; bei systematischer Durchsicht wären hier vielleicht noch mehr Hinweise auf eine Kirche auf dem Frohnberg zu finden.

Sicher ist, dass die St.-Peter-Kirche - wie groß sie auch immer gewesen sein mag - sogar einige Jahrzehnte der Reformation unbeschadet überstanden hat. Denn noch 1552 ist in einer Auflistung von "5 Kirchlein" im Vogteiamt Hahnbach die Rede: Eine liegt "vfm Fronberg so eine Pfarrkirch gein Hanbach gehörig, vnd des Jars dreymallen doselbst gesungen, vnd gepredigt worden, hat kein Einkomens dann allein 50 d (Pfennig), darInnen hencken zwei Glöcklein".

Der Liste liegt ein Schreiben von Bürgermeister und Rat des Marktes bei. Das Kirchlein auf dem Frohnberg ließ sich - wie von den reformierten Landesfürsten gefordert - allerdings schwer verkaufen; zwei Bauern wollten nur 20 fl geben. (mma)
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