Quadro Nuevo im Kubus
Im Bann existenzieller Leiden und Freuden

Kultur
Hahnbach
19.10.2016
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Heiße, schmachtende und lebens-weise Tangoluft wehte am Samstag fast drei Stunden lang durchs Kubus. Quadro Nuevo hat sich mit dieser Musik im argentinischen Buenos Aires chronisch infiziert.

Ursensollen. (mma) Die vier Berufsmusiker Mulo Francel, D.D. Lowka, Andreas Hinterseher und Chris Gall hatten wie gewohnt für "Tango!" ihr Quartett um Evelyn Huber an der Harfe und am Salterio erweitert und gaben den Tango-Virus leidenschaftlich an ihr Publikum weiter. Mit witzig-flotten Soli eröffneten Piano, Bandoneon, Saxofon, Bass und Harfe den nächtlichen Tanz und betrauerten einen (metaphorischen) "Verlust beim Pferderennen". Einen langen, interessanten Bogen spannte im Anschluss der Kommissar mit "Garcias Tango" bei seiner aufregenden, rhythmischen Verbrecherjagd, die sich dank seiner Inspiration genial-final auflöste.

Pointiertes, tropfendes Klopfen steigerte sich bei der "Suche nach dir" zur sehnsüchtigen Melodie, die Mulo Francel mit werbenden, singenden Klarinettentönen und Chris Gall mit schmeichelnden Pianosätzen unterstützten. Auf seinem Cachon ging es mit D.D. Lowka und Evelyn Huber auf dem Salterio per Taxi quer durch Buenos Aires - "fast schon hysterisch" und "sicher ein bisschen zu schnell".

Sanft schmeichelnd, immer wieder melancholisch, dem Flug eines Nachtvogels gleich, ein- und auftauchend in surreale Welten, waren die Fünf im "Haus der Träume". Fröhlicher, hoffnungsvoller zuerst, dann leidenschaftlich, ungeduldig, aber auch perspektivlos, realistisch-traurig wurde "Der Tag, an dem du mich lieben wirst" herbeigezaubert.

Das Auf und Ab eines scheinbar erfolglosen Puppenspielers, "Die üblen Folgen einer Damenwahl" oder die kurze "Geschichte einer unglücklichen Liebe eines Hafengeiers zu einer Seeschwalbe" wie auch die poetische Version der Filmmusik von "El Sur": Die Musiker zogen alle Register, um ihre begeisterten Zuhörer in den Bann existenzieller Leiden und Freuden zu holen. Zum Gelingen des langen Abends trugen zudem die Moderationen bei, die in kurzen Momentaufnahmen Geschichten von einem zweiwöchigen Aufenthalt im "Herzen des Tangos" berichteten und den Zeitgeist der 15-Millionen-Metropole nach Ursensollen brachten. Bestens unterstrich die Beleuchtung in Rot-, Grün- und Blau-Schattierungen sowie mit manchen Spots die musikalischen Dramaturgien, die Quadro Nuevo bereits seit 20 Jahren in jeder Hinsicht zum Besten geben.

Am Samstag, 22. Dezember, sind die Musiker im Seidel-Saal in Sulzbach-Rosenberg wieder zu hören - mit "Bethlehem", einem besonderen Weihnachtskonzert. Die Anzahl ihrer Fans wird dann sicher nicht kleiner geworden sein.
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