Als Bürgermeister lebt Bernhard Lindner (CSU) nach einem anderen Takt - Der mobile Hahnbacher ...
"Wochenende" aus dem Wortschatz gestrichen

So viel Zeit habe ich noch nie mit meinem Kleiderschrank verbracht.
Lokales
Hahnbach
21.05.2015
7
0
Vom Arbeitsplatz her hat sich für Bernhard Lindner (51) mit der Übernahme des Bürgermeisteramtes in Hahnbach vor einem Jahr nicht viel geändert. Der vormalige Bauamtsleiter zog lediglich ein Stockwerk tiefer. Gravierendere Einschnitte brachte die neue Aufgabe schon für die Ausstattung seines Kleiderschrank, wie Lindner im AZ-Interview verrät.

Herr Lindner, was hat sich denn mit dem Bürgermeisteramt in Ihrem Leben verändert?

Lindner: Die Taktung ist natürlich eine andere. Den Begriff Wochenende habe ich aus meinem Vokabular gestrichen. Im ersten Jahr war es mir ein Anliegen, fast alle Termine selbst wahrzunehmen, um einen persönlichen Eindruck insbesondere bei unseren vielfältigen Vereinen und Organisationen der Marktgemeinde zu erhalten und mich dort auch vorzustellen. Meinen Rollenwechsel im Rathaus vom Beschäftigten zum Chef hat mein Rathausteam hoffentlich nur dadurch wahrgenommen, dass ich vom ersten Stock ins Erdgeschoss umgezogen bin.

Was sagt die Familie zu den Veränderungen?

Lindner: Meine Familie war von Anfang in die Entscheidung eingebunden und hat diese mitgetragen. Ohne den familiären Rückhalt wäre dies unmöglich. Uns war klar, dass sich die Familienzeiten dadurch erheblich ändern würden.

Von wem oder wodurch haben Sie in diesem Jahr am meisten gelernt?

Lindner: Da geht es einem Bürgermeister nicht anders als jedem anderen Berufstätigen: Es ist ein ständiger Lernprozess sowohl mit Menschen als auch mit Aufgabenstellungen. Zuhören ist vor einer Entscheidung oberstes Gebot.

Welche Ihrer neuen Pflichten fallen Ihnen denn schwer?

Lindner: Eigentlich nur eine Begleiterscheinung: das mehrmals tägliche Wechseln der Garderobe zum Beispiel an einem Samstag mit Geburtstag am Vormittag, nachmittags eine Trauung und abends eine Jahreshauptversammlung - so viel Zeit habe ich noch nie mit meinem Kleiderschrank verbracht.

Worüber haben Sie sich im ersten Amtsjahr besonders gefreut?

Lindner: Zum einen, dass der Storch sein Nest auf dem Amberger Tor wieder bezogen hat und das Dach der Pfarrkirche St. Jakobus nur noch zum Ausblick nutzt, auch wenn Pfarrer Dr. Christian Schulz dem Storch gerne Kirchenasyl gegeben hätte. Aber der Storch gehört nun mal auf das Amberger Tor. Und zum anderen, dass der Marktgemeinderat sehr zukunftsorientiert denkt und die anstehenden Aufgaben - und das sind nicht wenige - mit viel Schwung und im Konsens anpackt. Zum Ausdruck kommt dies in einem stark investiven Haushalt, den das Gremium einstimmig auf den Weg gebracht hat. Deshalb auch mein Dauercredo an die hohe Politik, den Kommunen große finanzielle Freiräume zu ermöglichen, gerade im ländlichen Raum.

Bei Ihrer Nominierung haben Sie gesagt, die notwendige Leidensfähigkeit für das Bürgermeisteramt brächten Sie mit. War die in dem Jahr schon einmal gefordert?

Lindner: Nein. Alle meine Aufgaben als Bürgermeister nehme ich mit sehr viel Freude wahr. Gerade die vielfältige Bandbreite über alle Bereiche des kommunalen Handelns lässt keine Langweile aufkommen. Ich empfinde es als sehr spannend, zwischen Vertrauen, Verantwortung und Vision unterwegs zu sein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.