Chronik der Hahnbacher Familien reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück
Schlummernder Schatz

Lokales
Hahnbach
30.05.2015
5
0
Unzählige Stunden liebevoller Detail-Arbeit musste Andreas Sichelstiel aus Irlbach aufwenden, um innerhalb von mehreren Jahren ein lange verschollen geglaubtes Manuskript des ehemaligen Pfarrers Kutschenreiter auszuwerten und in einen wertvollen, nachhaltigen Dokumentationsband zu verwandeln.

"Die eigentliche Arbeit leistete Pfarrer Kutschenreiter", sagt Andreas Sichelstiel. Pfarrer Franz Seraph Kutschenreiter (Pfarrer der Pfarrei Hahnbach von 1888 bis 1902) erstellte in (alt-)deutscher Handschrift ein Werk, welches einen ganz persönlichen und unverstellten Blick auf die eigenen Vorfahren und die Geschichte der Pfarrei St. Jakobus erlaubt.

Der Geistliche war es, der die Kirchenbücher der Pfarrei von Beginn an - also vom Jahr 1572 bis gegen Ende seiner Schaffenszeit in Hahnbach im Jahr 1900 - auswertete. Im Detail heißt das, dass er für alle (!) Familien in der Pfarrei Hahnbach eine komplette Generationen-Abfolge erstellt hat, so dass man in vielen Familien bequem bis ins 16. Jahrhundert zu seinen Vorfahren vorstoßen kann. Zumindest aber bis zu dem Punkt, an dem der erste Namensträger in die Pfarrei gekommen ist. Im Grunde verfasste Kutschenreiter damit ein Ortsfamilienbuch, ohne es jedoch zunächst zu veröffentlichen.

Lose Blättersammlung

"Wie die Jungfrau zum Kind!". So lautet die Antwort des Heimatforschers auf die Frage, wie er denn zu einer so speziellen Aufgabe gekommen ist. Der Anfang dieser Geschichte liegt in einer losen Blättersammlung, welche vor etwa sechs Jahren von einem Unbekannten im Hahnbacher Rathaus in einer Plastiktüte abgegeben wurde.

"Da war eben auch dieses Manuskript von unserem Kutschenreiter dabei", führt Andreas Sichelstiel aus. Nach Beratungen mit Ortsheimatpfleger Ludwig Graf, was man denn mit diesem Material machen sollte, entschied man sich, dass die wieder heim gekommenen Unterlagen der Öffentlichkeit in einem Buch zur Verfügung gestellt werden sollen.

Der von der Pfarreigeschichte infizierte 35-jährige Irlbacher sagt selbst, dass dies "Geschichte zum Anfassen" sei - nicht von "oben", von den Herrschern und Ländereien, sondern von den einfachen Bewohnern der Pfarrei. Fast 500 Seiten bieten einen übersichtlichen Blick auf die Familien des Marktes und der pfarreizugehörigen Dörfer. Detaillierte Stammbäume der bedeutenden Familien bilden ein eigenes Kapitel. Ergänzt wird das Register durch ein Nachnamen- und Ortsregister, so dass jeder sofort "seine" Vorfahren finden kann.

Allerlei Kurioses

Neben den sachdienlichen Hinweisen werden auch manch kuriose Geschichten zum Nachdenken und Schmunzeln erwähnt: Ein Pfarreiangehöriger zum Beispiel hatte das Pech, dass ihm vier Ehefrauen jeweils ca. zwei Wochen nach der Hochzeit verstarben. Danach wollte ihn keine weitere mehr heiraten, so dass er bereits mit 36 Jahren vierfacher Witwer war. Auch findet sich im Buch die Geschichte von Andreas Schlosser, der 1815 mit 56 Jahren auf kuriose Art und Weise starb: erschlagen, angeblich von dem Schwan des Erhard Rösch, über deren Anwesen er Kurator war... Solche Geschichten sind es, die das Buch auch über die eigene Familiengeschichte hinaus interessant machen, meint Sichelstiel.

Bei der Überreichung des Familienregisters dankten Bürgermeister Lindner und Pfarrer Dr. Schulz Sichelstiel mit all seinen Helfern dafür, dass "ein schlummernder Schatz gehoben wurde".
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.