Diese Wände sprechen Bände

Auch das Wunder vom fliegenden Brathühnchen ist in der Hahnbacher Kirche verewigt. Bild: mma
Lokales
Hahnbach
13.07.2015
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Das Hahnbacher Marktfest feiert das Patrozinium der Pfarrkirche. Sie ist dem Apostel Jakobus Major, dem Älteren, geweiht und zählt zu den bedeutendsten, spätgotischen Kirchenbauten der Oberpfalz. Ihre Größe verdankt sie nicht zuletzt der Tatsache, dass sie eine Station auf dem Jakobusweg nach Santiago de Compostela ist.

Im Mittelalter war dieser Heilige, dessen Name wohl "Jahwe (Gott) möge schützen" bedeutet, einer der beliebtesten Apostel überhaupt. In der Hahnbacher Kirche erzählen große Deckengemälde von seinem Leben. Nach der "Acta Sanctuorum", einer weit verbreiteten Legendensammlung über das Leben zahlreicher Heiliger, hat diese 1755 der Amberger Johann Michael Wild gemalt. Zwar hat man im 19. Jahrhundert die hochwertigen Fresken in Seccotechnik überarbeitet, doch konnte diese Schicht bei der jüngsten Renovierung wieder entfernt werden.

Wunder im Bild

Die erfindungsreich komponierten Bilder erzählen vom Leben, Martyrium und manchen Wundern des Heiligen. Schnell klar wird dem Betrachter der reiche Fischzug am See Genezareth, auch die Verklärung Jesu, der Petrus, Johannes und Jakobus beiwohnten. Eine weitere Darstellung, bei der Teufel oder Dämonen einen am Boden liegenden Mann ziehen, ruft aber oft Fragen hervor: Bei dem Opfer soll es sich um den Zauberer Hermogenes handeln, den Jakobus heilte und bekehrte. Eine Vision des Jakobus', bei der die Madonna ihn aufrief, in Saragossa eine Kirche zu bauen, ist dagegen wieder recht eindeutig. Auch das Martyrium unter Herodes Agrippa durch das Schwert beziehungsweise ein Beil erzählt eines der Bilder. Den hilfreichen Beistand des Heiligen, als Metamoros (Maurentöter) auf einem weißen Schlachtross im Kampf gegen die Mauren reitet und bei einem Schiffbruch von Pilgern feiern zwei weitere Fresken.

Rettung in letzter Minute

Das Wunder einer Totenerweckung durch Jakobus ist in einem östlichen Wandgemälde im Chor verewigt. Auch die Rettung vor dem Flammentod auf einem Scheiterhaufen wird dort gezeigt. Die "Steinerweichung" durch den Leichnam des Apostels ist ebenfalls thematisiert: Ein Stein, auf den der Leichnam Jakobus' gelegt wurde, verwandelte sich in einen Sarkophag. Daneben gibt es die Szene, bei der plötzlich lammfromm gewordene Stiere diesen Sarg zum Palast der Königin Lupa bringen, nachdem sie mit einem Kreuzeszeichen einen Drachen besiegt hatten.

Ebenso findet man verfolgte Jünger, die einen Bestattungsort für Jakobus in Spanien suchen. Hinter ihnen bricht eine Brücke zusammen, was sie in letzter Minute vor den Feinden rettet.

Mit Muschel und Pilgerstab

Die Bilder stellen den Apostel gut erkennbar, meist mit dem für Pilger typischen Trinkgefäß, einer Jakobsmuschel, dar, mit Pilgerstab, Umhang und Pilgerhut. Fürs Marktfest am Wochenende 25./26. Juli wäre dies freilich eine ungewöhnliche Grundausstattung: Da setzen die Hahnbacher dann doch eher auf Dirndl oder Trachtengewand und Lederhose.
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