Dringend gesucht: ehrenamtlicher Arabischlehrer für die achtjährige Nada
Nada will lesen lernen

Wenn Stefanie Weiß, der Kater Adolf und die Rehpinscherdame Emma mit ihr spielen, ist Nada Al-Absi glücklich. Bild: mma
Lokales
Hahnbach
15.12.2014
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"Mach's wie Gott, werde Mensch" - das soll sich ja gerade im Advent zeigen. Vielleicht klappt es jetzt in Kümmersbuch, wo ein ehrenamtlicher Arabischlehrer gesucht wird. Denn: Nada ist wieder da.

Die achtjährige Nada Al-Absi ist seit ihrem vierten Lebensjahr in zwei Welten unterwegs. Da ist zum einen ihre Heimat, der Jemen, und da ist die Oberpfalz, sprich Kümmersbuch bei Hahnbach. Über zwei Jahre lang war sie über das Hammer Forum bereits bei der Familie Weiß untergebracht, wo sie nun wohl wieder längere Zeit bleiben wird.

Als Nada sich im Alter von dreieinhalb Jahren ihr Schienbein brach, begann für sie ein anscheinend endloser Leidensweg. Aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung in ihrem Heimatland entzündete sich die Bruchstelle - und bald ihr ganzes Schienbein. Die Knochen verkrümmten, das Fleisch zersetzte sich, und als man den einfachen Gips entfernte, war das Bein fast nicht mehr zu erkennen. Die Ärzte des im Jemen tätigen Hammer Forums konnten im Land nicht mehr helfen, Nada kam für eine Behandlung ins kooperierende Klinikum St. Marien Amberg.

Motivation: Der Glaube

Der dort zuständige Gefäßchirurg, Dr. Ioannis Rafailidis, suchte sofort eine Pflegefamilie im Landkreis. Stefanie Weiß meldete sich, und schon bald kam Nada als weiteres Familienmitglied nach Kümmersbuch. "Ich wollte ein Zeichen gelebten Glaubens setzen", sagt Stefanie Weiß dazu, fast schüchtern. "Wir haben doch alle mehr als genug. Sollten wir da nicht dankbar über den Tellerrand hinausschauen? Es gibt doch so etwas wie eine globale Verantwortung, die gelebte Nächstenliebe erfordert." Da auch Ehemann Hans, der zu seiner Zimmerei nebenbei die Tierauffangstation Kümmersbuch betreibt, gleich einverstanden war und die beiden Kinder ebenso, wurde für Nada ein eigenes Zimmer eingerichtet.

In den beiden Jahren, in denen die medizinischen Erfolge ein Auf und Ab der Gefühle brachten - mit großen Erwartungen und enttäuschten Hoffnungen -, wuchs Nada der ganzen Familie ans Herz. Als nach einem Jahr der endlich angewachsene Spenderknochen in der Mitte durchbrach, war die Enttäuschung groß. Ein weiteres Jahr mit Behandlungen in der Uniklinik Ulm folgte.

Hier wurde das Wadenbein für das explantierte Schienbein umtransplantiert, in der Hoffnung, dass sich dieses ausreichend verdickt und die Funktion beider Knochen übernimmt. Nach acht Operationen und zwei Jahren in der Fremde kehrte Nada dann zu ihrer Familie in den Jemen zurück.

Zwei Jahre war sie jetzt dort, doch die Knochen wuchsen schief zusammen und ihr Bein verkrüppelte trotz des geringen Körpergewichts zunehmend und zusehends. Deshalb konnte die mittlerweile Achtjährige auch nicht zur Schule gehen. Aus diesem Grund sucht Stefanie Weiß einen Privatlehrer, der ehrenamtlich vielleicht zweimal die Woche nach Kümmersbuch kommt, um Nada zumindest ein wenig schreiben, lesen und rechnen beizubringen.

Die Hündin versteht

Die wissbegierige Nada malt und bastelt ansonsten gerne und beschäftigt sich den Spielsachen ihrer Geschwister auf Zeit. Im Advent hilft sie nicht nur ihrer Tante Maria beim Plätzchenbacken. Mit viel Ausdauer spielt Nada mit Emma, der Rehpinscherdame von Stefanie Weiß, die ihr Schicksal zu verstehen scheint. Ganz glücklich ist sie auch, wenn sie ab und zu in Atzmannsricht beim Weiß Ferdl ein wenig reiten darf.

Der gemischte Chor Hahnbach, in dem Stefanie Weiß mitsingt, hat nun beschlossen, dass der Erlös beim Weihnachtskonzert am 4. Adventssonntag, 21. Dezember, um 17 Uhr in der Pfarrkirche an das Hammer Forum gehen soll.
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