Alles Banane
Vom Bananen-Abo zum Besuchsdienst

Aus dem Bananen-Abo in Hahnbach um Josef Hirsch (Dritter von links) hat sich ein Besuchsdienst für Senioren entwickelt. Was die Austräger über die Probleme und Sorgen von Senioren wissen, lassen sie in das AOVE-Projekt "Alt werden Zuhause" einfließen. Bilder: Hartl (2)
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Hahnbach
30.08.2016
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Seit 19 Jahren gibt es das Bananen-Abo in Hahnbach. Ehrenamtliche Lieferanten versorgen seitdem ihre Kunden alle 14 Tage mit den fair gehandelten Früchten. Dann stellen die Betreiber fest: Das Bananen-Abo entwickelt sich zu einem Besuchsdienst für Senioren.

"O weh, Bananen - verderbliche Ware", dachte sich Josef Hirsch vor 19 Jahren, als Maria Lommer aus Sulzbach auf ihn zukam. Der Pfarrgemeinderat von St. Jakobus wollte die Eine-Welt-Idee in Hahnbach verbreiten und fair gehandelte Bananen aus Ecuador zum Kauf anbieten. "Du bist narrisch, die wird man nie los", sagte Josef Hirsch damals. Dann hatte er den Plan, die Bananen zu den Kunden zu liefern. Dieser Service kam gut an.

Zu Beginn haben Hirsch und einige Helfer nur ein paar Kilogramm im Ort verteilt. Jetzt sind es alle zwei Wochen 200 Kilo, die im Eine-Welt-Laden in Sulzbach-Rosenberg ankommen und von dort in mehrere Gemeinden gelangen. 15 ehrenamtliche Austräger gibt es inzwischen in Hahnbach, sechs in Poppenricht, drei in Kümmersbruck, zwei in Gebenbach und einen in Ursensollen. Sie bedienen 155 Abonnenten im Gemeindegebiet Hahnbach, berichtet Hirsch. Die Austräger haben zwischen Ende Juli bis Mitte September Pause. Wenn Sommerferien sind, werden keine Bananen geliefert.

Die fair gehandelten Bio-Bananen kosten nicht mehr als in einem Supermarkt. Nach vier oder fünf Jahren Banabo, wie der Service offiziell heißt, stellten die Mitarbeiter fest: "Die Leute nehmen oft nur wenige Bananen, kein ganzes Kilo." Hirsch fand heraus, woran das lag: Ältere Leute bestellten nur zwei, drei Früchte, um Besuch zu empfangen, weil sie sich einsam fühlten. Den Bauern in Ecuador zu helfen, war nicht ihr Hauptziel.

Trinkgeld und Schnaps


"Sehr viele Ältere freuten sich auf den Besuch, haben sich recht schön hergerichtet und Kaffee gekocht", erzählt Josef Hirsch, der in der Umgebung als Bananen-Joe bekannt ist. "Geh' rein!", hört Oswald Meier oft, wenn er älteren Menschen Bananen bringt. "Manchmal trinken wir auch ein Schnapserl", gesteht er lachend. Monika Hager, die bei der AOVE (die überkommunale Arbeitsgemeinschaft Obere Vils-Ehenbach) das Projekt "Alt werden Zuhause" leitet, engagiert sich ebenfalls bei Banabo. "Ich soll oft ins Haus kommen oder werde in den Garten geführt", erzählt sie. Dann zeigen ihr die Kunden, welche Pflanzen wachsen und gedeihen. Wenn sie gerade Obst und Gemüse ernten, "werde ich auch noch mitversorgt". Oft ergeben sich auf ihrer Tour lange Gespräche, die Hager manchmal unterbrechen muss.

Marga Heidlinger hat 20 Kunden. Die meisten davon sind jünger, die weniger ratschen und oft nicht Zuhause sind, wenn sie die Bananen bringt. Manche Austräger haben bis zu 40 Kunden, weiß Irmgard Reisima-Renner vom Eine-Welt-Laden in Sulzbach. Wenn die Verteiler Trinkgeld erhalten, wird das an die Bauern in Ecuador für soziale Projekte - für den Bau von Latrinen oder die Besorgung von Medikamenten - weitergeleitet, erläutert Meier. "Wir helfen der einen und der anderen Welt", sagt Margarete Hirsch über den Nebeneffekt von Banabo: Senioren vergessen durch den Lieferservice für einen Moment ihre Einsamkeit.

Manchmal gebe es Probleme mit der Verschiffung, erläutert Reisima-Renner. Dann gerät der Zeitplan durcheinander. Wenn die Bananen am Eine-Welt-Laden ankommen, stehen die Verteiler bereits parat. "Auch die Kunden warten schon Zuhause und der Kaffee wird kalt", meint Ingrid Götz, stellvertretende Leiterin von "Alt werden Zuhause".

Was ältere Menschen auf dem Land benötigen, analysierten auch Wissenschaftler. Bei einer Umfrage unter Senioren kam heraus, dass sie so lange wie möglich daheim wohnen, gut versorgt und nicht so einsam sein wollen, sagt Hager. 2007 hat die AOVE die Koordinationsstelle "Alt werden Zuhause" gegründet. Unter anderem gibt es Alltagsbegleiter, die Senioren besuchen. Bei der Gründung des Projekts konnte die AOVE aus den Erfahrungen der Banabo-Austräger lernen. Denn diese wussten genau, was Senioren fehlt oder womit sie Probleme haben.

Viele Nachahmer


Nicht nur in Hahnbach ist das Banabo erfolgreich und hat sich zu einem besonderen Besuchsdienst entwickelt. Viele Gemeinden eifern den Hahnbachern nach. Banana-Joe sei mit dem Projekt bis in den Bayerischen Wald bekannt, sagt er. "Wir helfen nicht nur den Bauern in Ecuador, sondern auch unseren Leuten, damit sie nicht mehr einsam sind", findet AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer.

Du bist narrisch, die wird man nie los.Josef Hirsch über die Idee von Maria Lommer, fair gehandelte Bio-Bananen in Hahnbach zu verkaufen
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