Graubereich in der Pflege
Aove-Alltagsbegleiter kümmern sich um alte und behinderte Menschen

"Sie sollen den Senioren vor allem zuhören." Zitat: Monika Hager, Leiterin der Koordinationsstelle "Alt werden Zuhause", über Alltagsbegleiter
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Hahnbach
30.08.2016
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Gertrud Langhammer besucht regelmäßig eine Seniorin, die 96 Jahre alt ist. "Gleichaltrige Freunde sterben weg", berichtet Langhammer. Doch eine Schulkameradin hat sie noch gefunden und mit der Seniorin besucht, erzählt sie und grinst breit. "Ein Klassentreffen zu zweit" habe Langhammer arrangiert. Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie von ihren Erlebnissen als Alltagsbegleiterin erzählt.

Vor allem zuhören


Seit 2007 gibt es bei der AOVE die Koordinationsstelle "Alt werden Zuhause", die sich aus dem Bananen-Abo herausgebildet hat. Dafür vermittelt Monika Hager, Leiterin dieses Projekts, Alltagsbegleiter an Senioren. "Sie sollen den Senioren vor allem zuhören", sagt Hager. Je nach Tagesform unternimmt Langhammer mit der älteren Dame Spaziergänge: "Von der Buchberghütte bis zur Nepomuk-Kapelle sind wir gegangen", erläutert sie. Beliebt sei auch ein Ausflug ins Café oder zum Friedhof.

Marga Heidlinger hat fünf Jahre eine Demenzkranke besucht. "Anfangs haben wir Kartoffeln geschält. Manchmal ist sie aus der Küche weggelaufen", so Heidlinger. Langsam aber baute die Seniorin weiter ab. Wenige Tage vor ihrem Tod war die Alltagsbegleiterin noch bei ihr . Die Besuche seien eine Entlastung für die Angehörigen gewesen, die in dieser Zeit etwas für sich machen konnten, betont AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer.

Die Alltagsbegleiter, oft selbst schon Senioren, sind ein "Graubereich in der Pflege", meint Lobenhofer. Sie pflegen nicht, verbringen dafür Zeit mit älteren Leuten und fördern deren Gedächtnis, informiert Hager. Wenn Angehörige sich fragen, ob Oma und Opa noch alleine zurechtkommen, können sie sich an die AOVE wenden. Doch manchmal wollen ältere Menschen die Hilfe der Alltagsbegleiter nicht annehmen, weiß sie. Ab und zu funktioniere es trotzdem.

Seit fünf Jahren kümmert sich Marianne Lindner um eine demente Frau. Mensch ärgere dich nicht oder Karten spielen, mit dem Rollstuhl spazieren fahren - die Aktivitäten waren unterschiedlich. Als die Krankheit weiter fortgeschritten war, betete Lindner mit ihr den Rosenkranz. "Sie hat mir in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet", sagt sie über die ältere Dame.

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Weitere Informationen zum AOVE-Projekt

"Alt werden Zuhause":

www.altwerdenzuhause.de

Sie sollen den Senioren vor allem zuhören.Monika Hager, Leiterin der Koordinationsstelle "Alt werden Zuhause", über Alltagsbegleiter


Begleiter gesuchtDie AOVE sucht ehrenamtliche Alltagsbegleiter, die Senioren und an Demenz erkrankte Menschen besuchen. Sie erhalten eine 40-stündige Schulung und eine Aufwandsentschädigung. Monika Hager und Ingrid Götz von der AOVE beraten sie. Interessierte melden sich bei der AOVE unter Telefon 09664/95 39 719 oder per E-Mail an info@aove.de (esa)
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