Hahnbachs Felsenkeller erzählen die Geschichte des Ortes
Drei Liter Bier pro Tag total normal

Vermischtes
Hahnbach
23.04.2016
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Im Hang an der Vilsecker Straße in Hahnbach gibt es 20 Felsenkeller. Sie wurden im 17. und 18. Jahrhundert hineingeschlagen, sagte Heimatpfleger Ludwig Graf bei einer Führung durch die Gewölbe. Groß war das Interesse der Bürger: 50 Teilnehmer begaben sich auf die Spuren der Geschichte.

Unscheinbar der Weg


Unscheinbar ist der Erlebnisweg, der sich von der Vilsecker Straße in Hahnbach bis nach Süß erstreckt und im Jahr 2009 von der Marktgemeinde errichtet wurde. Hahnbach wurde in einer Urkunde vom 6. November 1121 erstmals erwähnt. Etwa 4500 Einwohner verteilten sich auf 28 Ortschaften, aber mehr als die Hälfte der Bürger davon wohnte in Hahnbach. Die Felsenkeller, so Ludwig Graf, seien sicher vor 1746 erbaut worden, denn diese Jahreszahl sei am Eingang eines Kellers eingemeißelt. Außerdem musste der Markt Hahnbach für diese Keller Steuern an das Landgericht Amberg bezahlen.

Die Felsenkeller seien in den Bundsandstein getrieben worden, eine Gesteinsart, die vor 200 Millionen Jahren entstanden sei und die für den Bau der Nürnberger Burg, der Martinskirche in Amberg, der Hahnbacher Kirche und der Fronbergkirche verwendet wurde. Genutzt wurden die Felsenkeller als Bierlager der Kommunbrauer, denn hier herrschten konstante Temperaturen zwischen acht und zwölf Grad. Dank der Felsenkeller konnten die Brauer das ganze Jahr über kühles Bier anbieten. Genau geprüft hätten den Gerstensaft die Bierschauer oder Bierkieser, die am Tag vor derPrüfung keinen Alkohol trinken durften, auch Rauchen und Schnupfen war untersagt. Teil dieser Bierprüfung soll auch die Hockerprüfung gewesen sein, für die das kostbare Getränk auf eine Bank gegossen wurde.

Wenn die Lederhose klebt


Wenn nach zweistündiger Hockerprüfung die Lederhose kleben blieb, hatte das Bier die Qualitätsprüfung bestanden. In Hahnbach, so der Heimatpfleger, soll es um 1600 schon ein Brauhaus am Hirschengraben gegeben haben. Beschäftigt waren dort ein Braumeister und zwei Knechte. Um 1654 soll ein Malzhaus am Hobl-Weiher und um 1742 ein Brauhaus an der Vils erbaut worden sein. Graf meinte, dass es in Hahnbach in dieser Zeit 26 Brauberechtigte gegeben habe, die ihre Biere in den Felsenkellern gelagert hätten. Vier Wirtshäuser seien aus dieser Zeit bekannt. Eignenes Bier schenkten Josef Ritter im Weißen Roß und Georg Siegert im Goldenen Löwen aus. Franz Kummert bezog das Bier für den Grünen Baum aus Schlicht und Johann Siegert schenkte im Gasthof Zum Stern Bier aus Sulzbach aus.

Weitere Schankwirte seien unter ihren Hausnamen überliefert: Fischer, Hotten, Hafnerswastl, Paulers, Rahthausnickl, Streberschneider, Wongermichl oder Baumwirtsbecken. Nicht wenig hätten die Hahnbacher dem Bier zugesprochen, so Ludwig Graf, denn im Kommunbrauhaus sei ein Ausstoß von 2300 Hektolitern verzeichnet gewesen und da kämen auf jeden Biertrinker knapp drei Liter Bier pro Tag. Bei Ende des Zweiten Weltkriegs dienten die mittlerweile durch Gänge verbundenen Felsenkeller als Luftschutzbunker.
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