Kirchenarchiv lagert Mikrofilme aus
Ahnenforschung leicht gemacht

So sieht eine Seite aus einem Kirchenbuch aus, wie sie das Bistum Passau im Internet bereitstellt. Dieser Eintrag stammt aus dem Jahr 1760. Das Bistum Regensburg stellt sein Archiv zwar nicht online, gibt auf Anfrage aber die Mikrofilme an die Pfarreien weiter.
Vermischtes
Hahnbach
11.11.2016
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Etwa zehn bis zwölf Kirchenbuchseiten befinden sich auf einem Microfiche, der ungefähr so groß wie eine Postkarte ist. Um dann die Schrift wieder lesen zu können, legt man den Film in ein spezielles Lesegerät. Die Kirchenbuchseite ist dann in normaler Größe auf dem Bildschirm erkennbar. Bilder: tat (4)
 
Ortsheimatpfleger Ludwig Graf.

Beim Uropa ist plötzlich Schluss. Thomas Meier erfährt, dass dieser im März geboren worden sei. Aber wann genau? Wer waren seine Eltern? Stammen die auch aus Hahnbach? Keiner weiß es. Jetzt ist Meiers Forschergeist gefragt.

Hahnbach. So wie Thomas Meier ergeht es irgendwann allen, die sich darangemacht haben, ihre eigene Familiengeschichte zu erforschen. Alle lebenden Verwandten haben das erzählt, was sie wissen, weiter zurück geht es nicht. Die nächsten Schritte sind jedoch gar nicht so schwer.

"Die Pfarrer haben Personendaten wie das Geburts- und Taufdatum in sogenannten Kirchenbüchern akribisch erfasst. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sind diese Schriften für jeden zugänglich", erzählt Andreas Sichelstiel, seit Jahren engagierter Familienforscher aus Irlbach bei Hahnbach. "Für das Pfarrgebiet Hahnbach gibt es seit dem Jahr 1572 Aufzeichnungen über Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen." Das Umständliche sei nur, dass diese Unterlagen bis jetzt nur im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg einzusehen seien, erklärt Sichelstiel. Ein weiter, zeitintensiver Weg.

In Zukunft können sich einige Familienforscher diesen Weg sparen. Denn es ist möglich, dass Pfarreien ihre "eigenen" Kirchenbücher vor Ort einsehbar machen. Hahnbach ist so eine Pfarrgemeinde, die dieses Angebot nutzt. Andreas Sichelstiel, Ortsheimatpfleger Ludwig Graf und Pfarrer Dr. Christian Schulz haben spezielle Abbildungen von den originalen Seiten aus Regensburg beschafft, die sogenannten Microfiches: Jede einzelne Kirchenbuchseite ist dabei in Miniformat auf eine Spezialfolie gebannt.

Ein eigenes Pfarrarchiv


Klingt erst einmal nicht sonderlich spektakulär. Doch Sichelstiel weist auf die enormen Verbesserungen hin, die sich durch diese Neuanschaffung ergeben. "Wir haben hier in Hahnbach jetzt wie im Regensburger Archiv alle Kirchenbuchseiten, die unsere Pfarrei betreffen. So können wir uns schneller, kostengünstiger und vor allem einfach mal so auf die Spur unserer Vorfahren begeben. Und wer Interesse hat, bekommt nicht nur die entsprechenden Seiten zu sehen, sondern auch jede Menge Tipps und Tricks. Das ist im Regensburger Archiv so gar nicht möglich." Hahnbach hat sich sein eigenes kleines Pfarrarchiv geleistet, bestückt mit einer ganzen Menge Microfiches und einem Lesegerät. Ein Novum im Landkreis. "Hahnbach ist die erste und bislang einzige Pfarrei, die so ein Archiv aufbaut. Sich die Microfiches zu beschaffen ist recht einfach. Dazu braucht es bloß einen Brief vom Pfarrer. Aber bis jetzt hat sich noch keine Pfarrei daran gemacht, dass sich die Leute die Microfiches dann auch anschauen können", erklärt Heimatpfleger Graf.

Es ist nicht einfach damit getan, sich ein Lesegerät anzuschaffen und dann Forscher einzuladen. Sichelstiel und Graf müssen im Umgang mit den Microfiches einiges beachten. So dürfen beispielsweise keine Vervielfältigungen vorgenommen werden. Eines ist ebenfalls sehr wichtig: Es handelt sich um persönliche Daten von Hahnbacher Bürgern, die mitunter immer noch dem Datenschutz unterliegen. Daher beginnen die angebotenen Microfiches erst um die Jahrhundertwende, die aktuelleren Unterlagen sind nicht zugänglich in einem separaten Raum gelagert.

16. November Einweihung


Nichtsdestotrotz ist das neu eingerichtete Hahnbacher Pfarrarchiv eine kleine Sensation. Am Mittwoch, 16. November, wird der Raum im Klosternebengebäude offiziell eingeweiht. Danach kann jeder, der einen Hahnbacher in seinen Reihen vermutet, einen Termin im Pfarrbüro ausmachen. Ludwig Graf oder Andreas Sichelstiel stehen für die ganz persönliche Spurensuche bereit.

Thomas Meier wird mit Sicherheit vorbeischauen und dort nach seinem Urgroßvater forschen. "Den Schorsch find ich schon. Bestimmt komm ich auch noch weiter zurück. Das ist echt spannend", sagt Meier. Und mit Sicherheit hält das neue Hahnbacher Pfarrarchiv auch für andere noch viele Entdeckungen bereit. Der Weg dorthin ist nun ganz leicht.

Vom Opa zu den Ur-Ur-Großeltern"Der erste Weg ist immer, die eigene Familie zu befragen. Oftmals gibt es auch noch den Ahnenpass aus früherer Zeit. Damit kommt man schon mal ein paar Generationen zurück", weiß Hahnbachs Ortsheimatpfleger Ludwig Graf. Thomas Meier ist mit dieser Methode erfolgreich bis zum Namen des Urgroßvaters gelangt. Doch jetzt heißt es Kirchenbücher zu studieren. Der passionierte Hobbyforscher Andreas Sichelstiel rät Meier, erst einmal den Taufeintrag seines Großvaters Johann zu suchen. "Dort steht drin, wer die Eltern des Täuflings waren, in diesem Fall der gesuchte Uropa Georg und dessen Frau." Damit weiß Meier auch, ob sein Vorfahre Georg aus Hahnbach stammt.

Dann geht die Suche weiter zurück - bis zur Heirat des Urgroßvaters und schließlich auch zu dessen Taufe mit dem Vermerk des Geburtsdatums. Und noch weiter zurück? Da sind die Heiratseinträge besonders wichtig. Hier wird nicht nur dokumentiert, wer wen wann heiratet, sondern auch, wer die Eltern der Heiratswilligen sind, wo sie herkommen und was sie beruflich machen. "Diese Information bringt den Forscher eine komplette Generation zurück, väterlicher- und mütterlicherseits. Danach muss man wieder die Taufen suchen und weitere Heiratseinträge durchforsten", beschreibt Sichelstiel das Prozedere. (tat)


Hahnbach ist die erste und bislang einzige Pfarrei, die so ein Archiv aufbaut.Ortsheimatpfleger Ludwig Graf


DatenschutzJeder Pfarrer führt auch heute noch Kirchenbücher und dokumentiert (unter anderem) Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen. Doch nicht jeder darf diese Einträge studieren, weil die Daten teilweise noch geschützt sind. Ein Sterbebuch darf zum Beispiel erst 100 Jahre nach dem letzten Eintrag als ganzes Buch vorgelegt werden.

Grundsätzlich werden die älteren Kirchenbücher, die im Pfarramt nicht mehr benötigt werden, dem jeweiligen Bistumsarchiv übergeben. Jede einzelne Kirchenbuchseite wird dann auf Microfilm oder sogar digital gesichert und benutzbar gemacht. Die Hahnbacher Bücher befinden sich demnach im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg und liegen auch dort als Microfiches vor.

Einige Bistümer (etwa Passau) gehen sogar noch weiter und haben fast alle Kirchenbücher ihrer Pfarreien - unter Beachtung der Datenschutzfristen - digitalisiert und im Internet veröffentlicht. In Regensburg ist das jedoch auf absehbare Zeit nicht geplant. (tat)

Ahnenforschung

Das Bild des einsamen Rentners, der in staubigen Archiven sitzt und meterdicke Akten wälzt, entspricht immer weniger der Realität. Moderne Familienforscher suchen und brauchen persönliche Kontakte, um sich gegenseitig weiterhelfen zu können. Am jeweils ersten Freitag der Monate Januar, März, Mai, September und November findet beispielsweise ein Familienforscher-Stammtisch in Kötzersricht / Hahnbach statt, bei dem echte Kenner gern ihren Erfahrungsschatz teilen. Daneben gibt es im Internet eine Vielzahl von digitalisierten Dokumenten aus Kirchenbüchern, die manch einen Archivbesuch ersparen. Auch Informationsplattformen wie die des Vereins für Computergenealogie www. compgen.de sind sehr hilfreich, wenn es um Hintergrundwissen oder Starthilfe geht. Doch auch der modernste Familienforscher muss meterdicke Akten in nicht mehr ganz so staubigen Archiven wälzen um z.B. zu erfahren, was Georg Meier anno 1899 von seinem Vater überschrieben bekommen hat. (tat)
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