Polizeibeamter klärt Eltern auf
Gefahr aus der Giftkücke

Polizist Jörg Kaduk informierte Eltern über die Gefahren, die bei Jugendlichen angesagte Drogen wie Crystal Speed oder auch legale Kräutermischungen bergen. Bild: tat
Vermischtes
Hahnbach
19.03.2016
55
0

Für Eltern kann es wohl kaum eine größere Katastrophe geben: Das eigene Kind nimmt Drogen. Was tun? In Hahnbach gab ein echter Fachmann Tipps.

Was können Eltern schon im Vorfeld tun, damit es gar nicht so weit kommt? Welche Drogen sind überhaupt das Problem? Und was ist so gefährlich daran? Der Elternbeirat und die Schulleitung der Hahnbacher Grund- und Mittelschule hatten zur Beantwortung solcher Fragen Polizeihauptmeister Jörg Kaduk eingeladen. Dieser berichtete vielen interessierten Eltern aus seiner täglichen Praxis: Kaduk ist Wach- und Streifenpolizist bei der Polizeistation Vilseck und Präventionsbeamter für Gewalt und Sucht.

Zunächst machte er auf eine beachtliche Zahl von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und auf Verkehrsdelikte unter Alkohol- und Drogeneinfluss aufmerksam. In seinem Einsatzgebiet - Auerbach, Vilseck und Sulzbach-Rosenberg - spielen wegen der guten Verkehrsanbindung zur tschechischen Grenze solche Delikte verstärkt eine Rolle.

Das größte Problem sei hierbei Crystal Speed. "Man kann es nehmen, wie man will - schlucken, schnupfen, rauchen, spritzen. Es hält auch erst mal das, was es verspricht", erklärte Kaduk. Das weiße Pulver sorge für ein starkes Glücksgefühl und unterdrücke Hunger, Durst, Schlaf und Schmerz. Doch was da genau in den vielen kleinen Drogenküchen zusammengemischt wird, wisse man nie. Ob es wirkt, testet man laut Kaduk einfach im Selbstversuch: "Wenn es einen umhaut, dann war's zu viel." Die Langzeitfolgen seien enorm: "Die Leute verdummen richtig." Der Polizist erzählte von einem etwa gleichaltrigen Bekannten, der aufgrund seines Drogenkonsums nicht mehr allein leben kann und sogar ans Essen erinnert werden muss, weil er es sonst vergisst.

Crystal ist laut Kaduk jedoch nicht das einzige Problem. Gerade für Jugendliche seien andere Substanzen verlockend - Kräutermischung genannt und ganz legal. Diese Legal Highs wirkten ähnlich wie Cannabis, seien günstig im Internet bestellbar und verbreiteten sich rasend schnell im Bekanntenkreis, so beschrieb es Kaduk. Werde eine Mischung verboten, werde einfach etwas Ähnliches vermarktet und schon falle es nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz. Das Fatale daran: So eine Mischung könne alles Mögliche enthalten - mit unabsehbaren Folgen für den Konsumenten. "Vergiftungen, Kreislaufversagen, Ohnmacht, Wahnvorstellungen - jeder Mensch reagiert anders." (Blickpunkt)
Die Leute verdummen richtig.Jörg Kaduk über die Langzeitfolgen von Crystal


Im BlickpunktWie erkennen Eltern, dass mit ihrem Kind was nicht stimmt? Hier sei Hinschauen gefragt, erläutertete Polizeihauptmeister Jörg Kaduk: Absinken der Schulleistungen, Rückzug, Teilnahmslosigkeit oder Geldprobleme könnten Warnzeichen sein. "Solche Signale können jedoch auch einfach nur Anzeichen für eine Entwicklungsphase sein", sagte Kaduk.

Daher seien besonders vorbeugende Maßnahmen wie Zuhören und Ansprechpartner sein so wichtig, um das Kind zu unterstützen. Das Selbstbewusstsein fördern, den richtigen Umgang mit Misserfolgen lernen und selbst Vorbild sein - dies seien ebenfalls erfolgreiche Maßnahmen zur Suchtprävention.

Auf der Homepage der bayerischen Polizei (www.polizei.bayern.de) finden Interessierte unter der Rubrik Schützen und Vorbeugen weitere Tipps. Kaduk nannte auch Jugend- und Gesundheitsämter sowie kirchliche Verbände als Ansprechpartner in Problemsituationen. (tat)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.