Schmuck aus leeren Nespresso-Kapseln
Alles andere als kalter Kaffee

Beate Bartmann (45) aus Süß hat ein ungewöhnliches Hobby. Sie fertigt aus leeren Kaffeekapseln Schmuck.
Vermischtes
Hahnbach
06.03.2016
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Beate Bartmanns Rohstofflager: Auf dem Tisch ihres Arbeitszimmers türmen sich die leeren Kaffeekapseln. Bilder: Sichelstiel (5)

Beate Bartmann trinkt ihren Espresso am liebsten frisch aufgebrüht. Trotzdem haben es ihr Kaffeekapseln aus buntem Aluminium angetan. Nicht zur Kaffeebereitung, sondern als Ausgangsstoff für ihre Leidenschaft. Aus George Clooneys Nespresso-Kapseln bastelt sie individuellen Schmuck.

Süß. Eigentlich stellt sie schon sehr lang Schmuck her. "Bereits als Teenager habe ich Ohrringe gebastelt und an meine Mitschülerinnen verkauft", erinnert sich die gebürtige Tauberbischofsheimerin, die in Süß (Gemeinde Hahnbach) sesshaft geworden ist. Doch mehr als ein Hobby war das damals nicht.

Basteln als Therapie


2010 war sie durch einen Borreliose-Schub zwei Jahre lang völlig außer Gefecht gesetzt. Bartmann musste lange therapeutisch behandelt werden. "In der Schmerzklinik haben die Therapeuten dann uns Patienten aufgefordert, etwas mitzubringen, was wir gern in der Jugend gemacht haben. Ich habe dann uralte Ohrringe herausgekramt. Und da haben die gesagt, machen Sie das wieder, das tut Ihnen gut", berichtet die 45-Jährige. Zunächst konzentrierte sich Bartmann auf Schmuck, den man mit verschiedenfarbigen Elementen variieren kann. "Diesen Wechselschmuck fertige ich immer noch, aber Schmuck aus den Nespresso-Kapseln ist deutlich gefragter", erzählt die verheiratete Süßerin.

Die Idee für diese Art der Schmuckherstellung kam der Mutter zweier Töchter in einem Österreichurlaub. Dort entdeckte sie in einer Zeitschrift ein Foto von einem Vorhang, der ganz aus flachen Nespresso-Döschen gefertigt war. Sie besorgte sich Kapseln über einen Bekannten und tüftelte so lange, bis sie genau diese Chips herstellen konnte, die sie in der Zeitschrift gesehen hatte. Die Ausgangsform für ihre Schmuckproduktion war gefunden. Auch heute noch arbeitet Beate Bartmann nach dieser Methode. Zunächst werden die Kapseln, die aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch von Amberger Firmen stammen, gewaschen. Das erledigt Ehemann Reiner von Hand. Danach müssen die Kapseln ganz vorsichtig gehämmert werden, bis daraus platte Chips entstehen. Immer zwei davon klebt die Künstlerin zusammen. Anschließend verziert sie die Plättchen individuell. Theoretisch sind ihrer Fantasie und der ihrer Kunden kaum Grenzen gesetzt. Auf Hobbymärkten können sich Interessierte Anregungen holen und sich dann direkt an Bartmanns Stand Kette, Ring oder Ohrschmuck fertigen lassen. Auch Bestellungen über die Homepage sind möglich.

Für die gelernte Augenoptikerin ist dieses Hobby mittlerweile ein zweites Standbein geworden. Sie kann zwar noch ein wenig in einer Brillenwerkstatt arbeiten, aber das finanzielle Loch, das durch die Krankheit entstand, lässt sich jetzt ein bisschen schneller stopfen.

Nespresso winkt ab


Nespresso selbst sagt zu alldem nichts. Einem Außendienstmitarbeiter habe der Schmuck sehr gefallen und er versprach, nachzufragen, ob das Unternehmen Interesse an einem Vertrieb dieses Schmucks hätte. "Aber weder von ihm noch von Nespresso habe ich je wieder was gehört", sagt Bartmann. Für den Kaffeehersteller ist es vermutlich nicht schmeichelhaft, dass der Wegwerf-Artikel Kaffeekapsel dermaßen in den Vordergrund rückt.

Aber wer weiß? Vielleicht findet Nespresso eines Tages doch noch Gefallen an dieser Art von Wiederverwertung und lässt George Clooney höchstpersönlich eine Krawattennadel aus dem Sortiment von Beate Bartmann tragen. Zu Herrenschmuck habe sie schon Überlegungen angestellt, verrät die Schmuckdesignerin augenzwinkernd.

UpcyclingWas Recycling bedeutet, ist bekannt. Spezialfirmen führen Wertstoffe, wie Papier, Glas oder Metalle, einer Wiederverwertung zu. Die Wertstoffhöfe im Landkreis zeigen, dass die Idee längst in den Köpfen angekommen ist. Doch der Kreislauf führt nicht immer nur in eine Richtung: Während beim Downcycling Wertstoffe auf ihre Grundbestandteile reduziert werden, um diese für andere Produkte erneut zu verwenden, werden vermeintliche Abfallprodukte beim Upcycling aufgewertet. Was Beate Bartmann macht, ist ein klassisches Beispiel für Upcycling.

Die Künstlerin aus der Gemeinde Hahnbach ist mittlerweile auch auf Hobbymärkten in der Region vertreten: Am Samstag waren ihre Schmuckstücke im Deko-Laden Blumig in Karmensölden zu sehen. Am Sonntag, 20. März, ist Bartmann bei der Ausstellung Frühlingserwachen im Amberger Kongresszentrum vertreten. Wer direkt Kontakt aufnehmen will, ist hier richtig: Am Gartenacker 8, 92256 Hahnbach, Tel: 09664 / 953630, E-Mail: info@andersschoen.com. Eine Internetseite gibt es auch: www.andersschoen.com. (tat)


Zum Artikel: Do it yourself - So kreativ ist die Oberpfalz
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