Verein betritt mit rollender Jahreshauptversammlung Neuland
Einstimmig im Kreisverkehr

Soll Werner Kohl weitermachen? Das Ergebnis bei der Jahreshauptversammlung im Bus fiel sehr deutlich aus. Bilder: Hartl (5)
Vermischtes
Hahnbach
04.01.2016
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Der Erpel Hermann durfte bei der Jahreshauptversammlung der Nachtschwärmer Süß nicht fehlen.
Hahnbach: Gasthaus Rouherer |

Wenn es darum geht, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, sind die Nachtschwärmer aus Süß ganz vorne mit dabei. Der Verein geht neue Wege und hält seine Hauptversammlung im Bus ab.

Süß. Der Beschluss fällt in leichter Kurvenlage. Ohne Gegenstimme haben die Nachtschwärmer ihren Vorstand entlastet - gleich hinter Sulzbach-Rosenberg im Kreisverkehr. Der Busfahrer gibt Gas und Werner Kohl, seit rund zwölf Jahren an der Spitze des Vereins, tut es ihm gleich. Er darf eine weitere Amtsperiode anhängen. "Wir sind eine gemütliche Truppe. Bei uns reicht bei der Abstimmung das Handzeichen", sagt er.

Brunch nach "Sonstiges"


Heuer hat der Club bei der Jahreshauptversammlung einen neuen Weg beschritten. Zum ersten Mal in der 40-jährigen Vereinsgeschichte, arbeiteten die Mitglieder die Tagesordnung bei Busfahrt ab. "Wir haben uns gesagt, wenn wir Versammlung und Ausflug zusammenlegen, dann schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe." Während die vom Schnee leicht angezuckerte Landschaft der Fränkischen Alb an den Nachtschwärmern vorüberzieht, hören sie, was Kassier Jürgen Zimmermann und Schriftführer Beppo Schuller zu berichten haben. Sie freuen sich auf den letzten Akt nach dem Programmpunkt Sonstiges: Einen Brunch auf der Burg Hartenstein. "Die Mitglieder waren schier begeistert", resümiert Vereinschef Kohl hinterher. "Die haben gesagt: Das ist ab jetzt Standard!"

Über mangelndes Interesse braucht sich der Verein nicht zu beklagen. 26 stimmberechtigte Mitglieder hatten in den Sitzreihen hinter Busfahrer Dieter Lettau Platz genommen. Darunter auch der Hahnbacher Bürgermeister Bernhard Lindner, der aus dem Ortsteil Süß stammt. "Den haben wir exportiert", scherzt Kohl - schon ein bisschen stolz darauf, dass der Rathauschef einer aus den Reihen der Nachtschwärmer ist.

Das ist ab jetzt Standard!Vorsitzender Werner Kohl

Hitzige Diskussionen waren bei der über die Landstraßen rollenden Jahreshauptversammlung nicht zu erwarten. Aber einen richtungsweisenden Beschluss fassten die Mitglieder im Bus: Dass sie das 40-jährige Bestehen im nächsten Jahr in einem würdigen Rahmen feiern wollen. "Bei einem Weinfest", sagt Kohl. "Oder mit einem schönen Ausflug." Vielleicht auch im Bus.

Hermann nicht stimmberechtigt Er ist schon fast ein Nachtschwärmer, der Erpel Hermann, der auf dem Hof des Gasthauses Rouherer in Süß lebt. Vor der Abfahrt zur Jahreshauptversammlung mischte er sich auf dem Parkplatz unter die Mitglieder und begrüßte freudig schnatternd jeden Neuankömmling. "Hermann hat bei uns sein Gnadenbrot gefunden", erzählt Wirtin Susanne Stab. "Wegen eines Vitaminmangels leidet er an einer Gleichgewichtsstörung. Deswegen läuft er immer herum, als ob er drei Promille im Kessel hätte." Unter anderem mit Multivitaminsaft päppelte die Familie den neun Monate alten Enterich den Sommer über auf. Den Namen Hermann habe der gefiederte Hofbewohner von den Kirwapaaren bekommen. Denn am Kirchweihgeschehen nahm er natürlich auch regen Anteil. "Er liebt es, sich auf dem Hof unter die Menschen zu mischen", sagt die Wirtin. "Und er liebt Autos. Als wir ihn am Weiher einquartieren wollten, war er todunglücklich." Folgerichtig hat Hermann sein Gehege nun in der Garage. (upl)


Nachtschwärmer SüßIn Süß bei Hahnbach ist die Welt noch ziemlich in Ordnung. Das Dorf mit seinen rund 600 Einwohnern verfügt über ein intaktes Vereinsleben und natürlich zwei Wirtshäuser. Eines davon - der Landgasthof Rouherer - dient den Nachtschwärmern als Vereinslokal. Der Club ist 1977 aus einer Fußball-Hobbymannschaft hervorgegangen. 20 bis 30 junge Männer trafen sich damals regelmäßig in dem Hahnbacher Ortsteil, um außerhalb des offiziellen Ligenbetriebs gegen das runde Leder zu treten. "Die meisten sind mittlerweile jenseits der 50", erklärt Vorsitzender Werner Kohl. "Unser Spielfeld gehört jetzt den Maulwürfen."

Wobei der Bolzplatz an der Vils, den die Nachtschwärmer einst intensiv nutzten, immer noch existiert. Gleich hinter den Fußballtoren steht die Vereinshütte, die sogar mit einem eigenen Grillplatz ausgestattet ist. "Wir nutzen die Hütte immer noch für gelegentliche Stammtische oder Geburtstagsfeiern." Vom Hobby-Fußball hat sich der Vereinszweck hin zur Pflege von Geselligkeit und Zusammenhalt verlagert. Fester Termin im Jahresablauf ist immer die Wanderung am Maifeiertag. Im Advent gibt es ein Weihnachtsessen und dann eben noch die Jahreshauptversammlung. "Vielleicht firmieren wir bald mal als Wandergruppe", blickt Kohl in die Zukunft. "Das klären wir, wenn wir unser 40-Jähriges gefeiert haben."

Die Nachtschwärmer gestalten neben der Feuerwehr, der Landjugend, den Schützen, den Theaterfreunden und dem Schäferhundeverein das gesellschaftliche Leben in Süß mit. Der Stammtisch hat 65 Mitglieder und einen breit aufgestellten Vorstand: Werner Kohl unterstützen als zweiter Vorsitzender Markus Bauer und als dritter Vorsitzender Matthias Schüller. Kassier ist Jürgen Zimmermann, Schriftführer Beppo Schuller. Hinzu kommen noch sechs Beisitzer.
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