Software-Pionier Robert Wismet hat Glück: Betrüger wollen Hahnbacher Unternehmer um 19 000 Euro ...
Sepa-Räuber versuchen es offline

Ausgerechnet unsere Online-Firma versucht man offline zu knacken.
Wirtschaft
Hahnbach
11.02.2015
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"Das ist schon fast wieder lustig", sagt Robert Wismet. "Ausgerechnet unsere Online-Firma versucht man offline zu knacken." Was ist passiert? Vor kurzem ging bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach in der Hahnbacher Filiale ein Überweisungsträger ein. Angeblicher Absender: Wismets Firma Rowisoft. 19 000 Euro sollten auf ein spanisches Konto überwiesen werden. "Der Vordruck ist korrekt ausgefüllt, meine Firma richtig geschrieben, meine Bankverbindung stimmt und sogar die gefälschte Unterschrift auf dem Überweisungsträger kommt meiner echten ziemlich nahe."

Der 30-Jährige hat Glück im Unglück: Dem Sparkassen-Betreuer kommt der Auftrag "spanisch vor". Er entspricht nicht den Gepflogenheiten des gelernten Elektrikers. Der Postversand, der große Betrag und dann noch Spanien - der Banker greift zum Telefon und fragt nach. "Da habe ich erst mal geschluckt", beschreibt Wismet den ersten Schreck. "So ein Betrag hätte uns weh getan, das ist der Wert eines Autos." Der erste Gedanke: "Das muss von jemandem kommen, der uns kennt." Nicht jeder weiß, in welcher Filiale der Unternehmer seine Konten hat. "Auf unserem Briefpapier steht nur Amberg-Sulzbach drauf." Und wie kommt der Betrüger an die Unterschrift? "Ich hätte fast selbst gesagt, das ist meine - und die ist ja bei keiner Rechnung mit drauf." Wismet recherchiert mit der angegebenen Bic des Möchtegern-Empfängers selbst im Netz. Das Ergebnis: Er findet eine spanische Bank und stößt auf eine Meldung, dass diese bereits einmal gehackt worden sei.

Anzeigen laufen ins Leere

"Ich vermute, dass der angebliche Empfänger selbst gar nichts davon weiß", vermutet der Oberpfälzer. Sparkassen-Sprecherin Kerstin Tischner empfiehlt, Anzeige zu erstatten. Allerdings macht sie Geschädigten nicht allzu viel Hoffnung. "In der Regel sind unsere Anzeigen bisher ins Leere gelaufen." Andererseits weiß sie von keinem Fall in der Region, bei dem ein gefälschter Überweisungsträger tatsächlich einen Geldtransfer ausgelöst hätte: "Wir sind angewiesen, jede Transaktion zu überprüfen." Passe etwas nicht ins Überweisungsverhalten, rufe man den Kunden an. "Wir stellen seit Einführung des Sepa-Verfahrens eine leicht steigende Tendenz zu fingierten Überweisungen ins Ausland fest." Das kann auch die Polizei bestätigen. "Es kommt immer wieder vor, dass versucht wird, an Konten in Spanien oder Polen Überweisungen zu veranlassen", sagt Hauptkommissar Heiko Erl, zuständig für Betrug bei der Kripo Weiden. "Das ist kein regionales Problem, wir beobachten das deutschlandweit." Von 2013 auf 2014 sei im Raum Weiden ein signifikanter Anstieg solcher Fälle zu verzeichnen. "Das könnte mit der Sepa-Überweisung zusammenhängen." Die Daten würden meist aus dem Internet gefischt. "Ich wage zu bezweifeln, dass der Täter Herrn Wismet persönlich kennt."

Die Verfolgung dieser Delikte sei schwierig. "Wir kommen als Polizei nur über Rechtshilfeersuchen an die mutmaßlichen Kontenbesitzer im Ausland heran." Das laufe über die Staatsanwaltschaft und das Justizministerium. "Wir reden da von Monaten." Das nächste Problem: "Es ist wahrscheinlich, dass das Konto mit gefälschtem Ausweis eröffnet wurde, oder der Empfänger nur ein Finanzagent ist." Auch dem Zwischenhändler drohe eine Anklage wegen Geldwäsche. Bleibe es lediglich beim Betrugsversuch, rechtfertige das Delikt kaum Aufwand und Kosten. "Leider wüsste ich keinen Fall, bei dem man dem Täter wirklich habhaft wurde."

Beruhigend sei dagegen, dass die heimischen Banken sensibilisiert seien: "Die meisten Banken informieren ihre Kunden bei Auffälligkeiten", weiß Erl. "Nur ein geringer Teil wird ausgeführt." Wie viele durchrutschten sei nicht bekannt: "Wenn nur zehn Prozent der Betrugsversuche erfolgreich sind, ist das auch ein Geld." Die bisher erfassten Summen reichten von Kleinbeträgen bis zu 35 000 Euro: "Aber je größer der Betrag, desto geringer die Chance, dass der Täter damit durchkommt."

Plump bis professionell

Erl kenne sowohl Fälle, in denen die Überweisung professionell mit täuschend ähnlicher Unterschrift ausgefüllt wurde, als auch plumpe Versuche mit Fantasiegekritzel. "Wie die Leute an die Signaturen kommen ist Spekulation - manchmal findet man eingescannte Unterschriften im Internet oder im Handelsregister." Gänzlich vermeiden lasse sich das nicht. "Man kann nur seine Bank sensibilisieren und darauf hinweisen, dass man selbst nur in Deutschland tätig ist - bei einem Unternehmen mit internationalen Geschäftsbeziehungen wird's natürlich schwer."
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