And the winner is: die Oberpfalz

Die Bühne ist nicht genug: Uli Radl von den "Original Bauernsfünfern" entert das Mobiliar und die Herzen des Publikums bei der Verleihung der Denkmal- und Kulturpreise. Bild: Otto
Kultur
Hemau
05.10.2015
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Die Oberpfalz hat einige Leckerbissen auf der Pfanne: bildende Künste, junge Heimatklänge, große Kleinkunst und leidenschaftliche Denkmalpflege.

Herausragende Protagonisten der regionalen Kulturlandschaft wurden im Hemauer Weismannstadel mit dem Denkmal- und Kulturpreis ausgezeichnet. Die diesjährige Preisverleihung feierte zwei Premieren: Zum ersten Mal gab es den Denkmalpreis für zwei Projekte - die Jury habe sich einfach nicht entscheiden können, so Bezirkstagspräsident Franz Löffler in seiner Begrüßung. Außerdem freue er sich, die Preise zum ersten Mal in einem prämierten Denkmal, dem Weismannstadel zu überreichen.

Denkmalpreis: Weismannstadel (Hemau) und Lederer-Anwesen (Tännesberg)

Ausgezeichnet wurden der Hemauer Weismannstadel von Andrea und Thomas Semmler und das Tännesberger Lederer-Anwesen von Angela und Max Völkl. Die Bewahrung denkmalgeschützter Gebäude sei schwierig und anstrengend. Beide Beispiele zeigten aber, dass sich die behutsame Sanierung voll und ganz gelohnt habe.

"Ein Gebäude habe eine ganz eigene Geschichte, die - freigelegt und wiederbelebt - durchaus auch eine Dynamik für die Gegenwart und die Zukunft entwickeln kann", so Löffler. Deswegen sehe er es auch als Aufgabe des Bezirks an, solche starken Projekte zu unterstützen.

"Objektkunst und Installation": Jürgen Böhm (Kallmünz)

Der Kulturpreis für "Objektkunst und Installation" ging an Jürgen Böhm, der in Kallmünz lebt und arbeitet. Kulturreferent Thomas Gabler betonte die einzigartige Kombination aus hohen künstlerischen wie handwerklichen Fähigkeiten, die er sich in Ausbildungen und dem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München erworben habe.

"Jürgen Böhm erweist sich als hartnäckiger wie genialer Tüftler." In seinen Installationen befasst er sich mit den Prozessen der Digitalisierung, der Netzwerke und der Codierungen. Themen wie Kommunikation, Mobilität, Information und Überwachung mache er begreifbar. Licht, Bauteile, Platinen seien zentrale Elemente, mit denen der Künstler kreativ seine Umwelt gestalte.

"Kleinkunst": Schwandorfer Marionettentheater

Die Puppen tanzen lässt seit vier Jahrzehnten das "Schwandorfer Marionettentheater". In seiner gewohnt launigen Laudatio für den Kulturpreis "Kleinkunst" betonte Norbert Neugirg die Kontinuität und die immer wieder hohe Qualität der "Strippenzieher". "Den Faden aufgenommen" habe im Jahr 1977 Raimund Pöllmann, der als Kunstlehrer mit einer Schülergruppe ein Puppentheater mit selbstgestalteten Tonfiguren aufgeführt hätte.

Daraus habe sich das vielköpfige Puppentheater gegründet, das heute jedes Jahr ein Stück für Kinder und eines für Erwachsene aufführe. Im Vorfeld würden Texte ausgesucht, angepasst, arrangiert und in den heimischen Dialekt übertragen. Über 600 Puppen habe Pöllmann seit Bestehen geschnitzt und gefasst, die seine Frau liebevoll bekleidet habe. "Das wäre einmal eine eigene Ausstellung wert", regte der Kommandant der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" an.

"Neuer Heimatklang": Original Bauernsfünfer

Begleitet wurde der Abend vom Preisträger "Neuer Heimatklang". Die "Original Bauernsfünfer", bestehend aus Dominik Niklas und Uli Radl aus Edelsfeld, unterstützt durch Bernd Pirner brachten Songs wie "Ho i mei Letta koi Goud niat dou", "Unser Kathl" und "Buenes Dias, Senora Kuni Schmie" - immer dabei: das zwinkernde Auge.

Laudator Lothar Höher: "Es gibt nur wenige Dialekte, die so lautmalerisch klingen wie das Oberpfälzisch." Musik und Mundart seien entscheidend, wenn es darum ginge, die Region zu fassen und näher zu beschreiben. "Die Preisträger überzeugen nicht nur durch ihre musikalische Virtuosität, sondern auch durch ihre hintersinnigen und ausgefuchsten Texte".

Vielfältig sei auch die Stilistik der beiden Musiker. Neben Anklängen aus der regionalen Volksmusiktradition fänden Jazz, Blues, Hiphop, Country und auch Tango Eingang in die selbstverfassten und -komponierten Lieder. "Mit dem Schalk im Nacken werden Klischees vom Oberpfälzer Dorfleben liebevoll überzeichnet."
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