Von der permanenten Bedrohungslage während des Kalten Krieges zeugen heute noch alte ...
Der Kalte Krieg am Weiher-Idyll

Stabsfeldwebel Andreas Götz und die Seilwinde, mit der die Sprengstoffpäckchen durch die 27 Meter lange Röhre gezogen worden wären. Bilder: upl
Archiv
Hirschau
29.09.2014
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Jede der drei Röhren wäre mit 1400 solcher Sprengstoff-Päckchen (im Bild Übungsmunition) bestückt worden.

Wenn die Truppen des Warschauer Paktes angegriffen hätten, wäre der Landkreis Amberg-Sulzbach Schlachtfeld gewesen. Von der permanenten Bedrohungslage während des Kalten Krieges zeugen heute noch alte Panzersperranlagen. Sie erzählen eine schaurige Geschichte.

Friedlich ist die Stimmung am Lothosweiher. Der etwa einen Quadratmeter große Betonschacht am Ufer, direkt unterhalb der Kreisstraße 18, könnte auch gut und gerne als Krötentunnel durchgehen. Tatsächlich aber sollte das Bauwerk die Panzer des Warschauer Paktes aufhalten - zumindest diejenigen, die die Engstelle zwischen Hirschau und Ehenfeld hätten passieren wollen. Unter der Straße befinden sich drei 27 Meter lange Röhren, die die Bundeswehr im Ernstfall mit jeweils einer Tonne Sprengstoff gefüllt und beim Vorrücken des Feindes gezündet hätte.

Erst 1993 war Schluss

Die Bedrohung war bis zum Mauerfall im November 1989 real, daran lässt Stabsfeldwebel Andreas Götz keinen Zweifel. "Im Falle eines Angriffs ging man davon aus, dass der zahlenmäßig überlegene Feind vom Staatsgebiet der Tschechoslowakei aus mit starken Panzerverbänden über die Cham-Further-Senke in Ostbayern einfällt." Bis 1993 hielt er als zuständiger Wallmeister die Sperranlage bei Hirschau einsatzbereit. "Erst dann kam die Anweisung, dass wir sie nicht mehr brauchen." Die Sprengvorrichtungen am Lothosweiher waren nicht die einzigen im Landkreis. Insgesamt 53 gab es in engen Tälern, an Brücken und Unterführungen zwischen Auerbach und Schmidmühlen. "Die meisten sind mittlerweile zurückgebaut", weiß Götz. "Nur ganz wenige sind erhalten geblieben."

Die Anlage bei Hirschau ist eine der letzten voll funktionstüchtigen Panzersperren im Landkreis und eine, die verschiedene Bauarten aufweist noch dazu. Neben der Röhrensperranlage unter dem Straßendamm der AS 18 finden sich auf dem parallel verlaufenden Feldweg auch noch drei sogenannte Trichtersperren. Beide Anlagen wären im Kriegsfall gleichzeitig mit insgesamt rund 5000 Kilogramm Sprengstoff befüllt und gezündet worden. Rund um die dann aufgerissenen Gräben hätten Panzerpioniere Minen gelegt, damit auch die Umfahrung der Sperre gescheitert wäre.



Kreisheimatpfleger Mathias Conrad ist der Erhalt der Sperranlagen ein Herzensanliegen. "Nachfolgende Generationen können sich vielleicht nicht mehr vorstellen, wie groß die Gefahr eines Krieges bis Ende der 80er Jahre war." In ganz Bayern waren bislang nur vier solcher Bauwerke in die Denkmalliste eingetragen. Durch Conrads Initiative sind nun sechs weitere hinzugekommen - darunter die Doppelsperre bei Hirschau. Die AOVE hat neben dem Straßendamm eine Info-Tafel errichten lassen.

Von zahlreichen Sperranlagen begleitet ist auch die sogenannte Ost-West-Passage durch die Mittlere Frankenalb - die Senke, in der heute die Bundesstraße 14 Richtung Nürnberg verläuft. Für Freitag, 17. Oktober, bietet Conrad eine Führung zu den noch vorhandenen Einrichtungen im Westen des Landkreises an. Wer sich dafür interessiert, darf einen Blick in einen ausgedienten Munitionsbunker werfen. Treffpunkt ist um 16 Uhr in Bachetsfeld. Anmeldungen bei Kerstin Prügel von der Verwaltungsgemeinschaft Illschwang (Tel. 0 96 66/9 13 10).
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