Auf der Goldenen Straße unterwegs
Durch Karls kaiserliche Gräben

Der Monte Kaolino ist ein sichtbares Zeichen für Industrie und Arbeitsplätze, aber auch für Freizeitkultur.
Freizeit
Hirschau
26.08.2016
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Der Sandstein ist alt - wie alt ist sein Geheimnis - und er trägt Inschriften, die für Laien nicht zu entziffern sind.

Durch die Hohlwege aus der Zeit Karls IV. zu laufen, macht auch Erwachsenen Spaß. Im Prinzip ist es ein stetes Kreuzen dieses tieferliegenden mittelalterlichen Straßensystems. Statt auf von Pferden gezogene Gespanne trifft der Wanderer auf Fortbewegungsmittel der Neuzeit.

Ein Mountainbiker nutzt diesen Abschnitt der Goldenen Straße, die manchmal eher einem Trampelpfad gleicht, für sein Geschicklichkeitstraining. Auf dem Weg vom schön herausgeputzten Stadtplatz in Hirschau bis zum etwa zehn Kilometer entfernten Rathaus des gepflegten Marktfleckens Kohlberg begleitet eine Zeitlang das Hier und Jetzt den Wanderer. Es zeigt sich in Form von Industrieanlagen, die der Gegend einerseits Arbeitsplätze bescheren, andererseits aber auch den Monte Kaolino, einer Freizeit- und Sommerski-Oase.

Der böhmische Löwe


Die Wegmarkierung - der böhmische Löwe auf rotem Grund - weist nach oben. Von einer kleinen Anhöhe empfiehlt sich vor dem Eintauchen in den Wald ein erster Rundblick. Das lichtdurchflutete Gehölz mit seinem hellen Moos, den prall-reifen, knallroten Preiselbeeren, den Schwammerln oder den Farnen macht die nicht weit entfernt liegende Staatsstraße schnell vergessen. Ein verwunschenes Fleckchen Erde ist es auch dann noch, wenn der Löwe die Richtung durch die üppig blühenden, im Volksmund "Springerle" genannten Pflanzen weist, die keiner gern im Garten haben mag. Eine Holzbrücke dient dazu, neben einer seit Jahrhunderten bestehenden Furt den Ehenbach trockenen Fußes zu überwinden.

Die Informationstafel führt dann weit zurück in die Vergangenheit und ordnet die Altstraßen in den historischen Kontext ein. Die vom Oberpfälzer Waldverein markierte Goldene Straße leitet den Wanderer einmal diesseits, einmal jenseits der Hohlwege aus Kaiserzeiten, die wie Gräben anmuten, weiter Richtung Kohlberg. Diese Route ist bewusst so gewählt, um auf das umfangreiche und stark verzweigte System von Hohlwegen aufmerksam zu machen. Noch heute, sechs Jahrhunderte später, sind die Spuren tief in den Wald eingeschnitten. Wie viele Gespanne und Fuhrwägen müssen hier unterwegs gewesen sein, um solche tiefe Gräben und eine solch große Zahl von Straßen zu hinterlassen. Es lohnt sich, einmal umzuschauen, um aus einer etwas erhöhten Position, denn der Steig führt leicht bergan, das Hohlwegenetz zu überblicken.

"Stundensäule"


Einen runden Sandstein am markierten Weg setzt die Sonne durch die Bäume hindurch ins Licht. Die Inschriften geben genauso viele Rätsel auf wie das Alter dieser "historischen Stundensäule". Mit dem Höllberg, der der Überlieferung nach seinen Namen vom Hohlwegesystem hat, ist hier die höchste Stelle erreicht. Jetzt heißt es aufpassen, um nicht ein Wegstück an der Staatsstraße 2238 zu gehen. Die Goldene Straße führt links an der Umgehungsstraße entlang und quert diese bei der alten Straße Richtung Kohlberger Hänge.

Der Kolhbühl ist mit 589 Metern die höchste Erhebung. Ein Gipfelkreuz beweist es. Eine Rast dort lohnt sich nicht. Der Waldrand bietet ein besseres Panorama mit dem nahen Parkstein und dem Rauhen Kulm, der sich an diesem Nachmittag aber im diffusen Licht verliert. Der Schwammer mit Sitzgelegenheit wäre eigentlich der geeignete Platz, um den Blick schweifen zu lassen, doch das ist erst wieder möglich, wenn der meterhohe Mais abgeerntet ist. So bleibt nur die Variante, den Weg ohne Rast nach unten, nach Kohlberg, zu gehen. Kirche und Ort ziehen bereits seit Verlassen des Waldes den Wanderer magisch an.

Tipps zur Route
Anfahrt

Auf der B 14 nach Hirschau fahren. Das Auto entweder auf dem Stadtplatz oder in der Nähe abstellen. Am Rathaus findet sich die Markierung weißer Löwe auf rotem Grund.

Streckenbeschreibung

Das Teilstück zwischen Hirschau und Kohlberg der Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag ist etwa zehn Kilometer lang und eignet sich für eine Nachmittagstour. Aber es ist ein Zielweg. Es empfiehlt sich, ein Auto in Kohlberg zu parken, um bequem nach Hirschau zurückkehren zu können. Wer zu Fuß zum Ausgangspunkt möchte, sollte sich einen ganzen Tag Zeit nehmen und in einer der Gaststätten gepflegt Rast machen. Die Goldene Straße ist aus beiden Richtungen begehbar und mit dem böhmischen Löwen gut ausgeschildert.

Verbotene Straße

Die von Karl IV. verbotene Straße zweigt in Hirschau ab und führt über Wernberg-Köblitz nach Waidhaus. Sie ist wesentlich älter als die Goldene Straße. Karl IV. wollte aber auf seinem Weg nach Prag nur durch eigenes Territorium fahren und nicht durch das der Leuchtenberger Burggrafen, wozu beispielsweise Wernberg gehörte. Auf der Trasse der Verbotenen Straße verläuft in etwa die Goldene Straße der Neuzeit, die A 6, die den Namen "Via Carolina" trägt.

Veranstaltungen

Zum 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. und 650. Jubiläum der Goldene Straße organisiert der Geschichtspark Bärnau geführte Wanderungen zwischen Bärnau und Tachov (19 Kilometer). Bus-Shuttles werden angeboten. Termine: Herbstwanderung: 2. Oktober, 9.30 Uhr. Frühlingswanderung: 23. April 2017, 9.30 Uhr. Anmeldung: Geschichtspark Bärnau-Tachov, Telefon 09635/9635. In der Kaiserburg in Lauf an der Pegnitz ist die Ausstellung "Burgen & Bauten Kaiser Karls IV." bis März 2017 offen.

Karten

Die Metropolregion Nürnberg hat ein informatives Faltblatt zur Goldenen Straße, einschließlich der Verbotenen Straße, herausgegeben. Dieses liegt auch in den Touristenbüros in der Oberpfalz auf.

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