Hirschauer bei der Oldtimer-Traktor-WM am Großglockner
Dieselrösser im Höhenrausch

So sieht es aus, wenn die Oldtimer heute die Hochalpenstraße auf den Großglockner befahren. Bild: Tourismusverband Grossglockner-Zellersee
Freizeit
Hirschau
16.09.2016
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Wenn am Samstag, 17. September, die 15. Oldtimer-Traktor-Weltmeisterschaft am Großglockner so richtig Fahrt aufnimmt, ist auch ein Duo aus der Oberpfalz am Start. Helmut Kuhr aus Hirschau und sein Schwiegersohn tuckern mit einem 35-PS-Gefährt Richtung Gletscher.

550 Bulldog-Kapitäne aus zehn Nationen zuckeln in Bruck und Fusch (Land Salzburg) mit ihren Dieselrössern die Großglockner-Hochalpenstraße entlang. Hinauf bis zum Fuschertörl auf 2245 Metern Seehöhe. Mit am Start ist der Hirschauer Helmut Kuhr mit seinem 55 Jahre alten, 35 PS starken MAN 4P1. Als Co-Pilot ist Schwiegersohn Markus Kiener mit von der Partie.

Für Helmut Kuhr, seine Frau Doris, Tochter Anna-Lena und Markus Kiener hat das Abenteuer bereits am Freitag um 4 Uhr begonnen. In aller Herrgottsfrühe verluden sie den 2,2 Tonnen schweren Oldtimer auf einen Anhänger, den Hans Strobl aus Baumgarten zur Verfügung stellte. Mit drei Tonnen Gewicht an der Anhängerkupplung ging es dann im Audi Q7 ab ins rund 380 Kilometer entfernte Bruck am Fuße des Großglockners.

Der Bulldog war zu schnell


Gestern um 12 Uhr segnete der Pfarrer von Bruck die Traktoren. Um 13 Uhr wurde es dann ernst. Die 6,05 Kilometer lange erste WM-Fahrt von Bruck nach Fusch begann. Der Höhepunkt des Spektakels folgt aber heute. Ab 7.30 Uhr starten die Traktoren von der auf 1115 Metern gelegenen Kassenstelle Ferleiten hinauf zum Fuschertörl auf 2245 Metern. Auf der 12,5 Kilometer langen Strecke muss Helmut Kuhrs MAN-Veteran einen Höhenunterschied von 1330 Metern bei Steigungen mit über 15 Prozent „derpacken“. Das traut er seinem Oldtimer aus gutem Grund zu. Schließlich ist Kuhr kein WM-Neuling. Er war bereits 2013 dabei – damals mit seinem MAN AS 430 H. Der war sogar schon 59 Jahre alt und hatte nur 30 PS und obendrein keinen Allradantrieb, wie sein MAN 4P1. Seine Frau Doris hatte ihm damals prophezeit: „Mit dem alten Krüppel kommst doch nie da oben rauf!“ Sie musste sich eines Besseren belehren lassen.



Ihr Mann kam am Fuschertörl an und belegte Platz 160 unter 550 Teilnehmern. Zu einer Spitzenplatzierung oder gar zum WM-Titel reichte es nicht. Der Grund: der Bulldog aus Hirschau war zu schnell! Bei der Großglockner-Traktor-WM geht es nämlich nicht um Tempo. Weltmeister wird vielmehr derjenige Trecker-Pilot, dessen Fahrzeit am nächsten an der Durchschnittszeit aller Teilnehmer liegt. „Es ist also alles drin!“, meint optimistisch der Traktor-Fan, dessen Geschichte, wie er zu seiner Bulldog-Leidenschaft kam, wie ein herzerfrischendes „Hirschauer Stückl“ klingt.

Mit dem alten Krüppel kommst doch nie da oben rauf! Ehefrau Doris

Kuhr stammt hatte in seiner Kindheit und Jugend rein gar nichts mit Traktoren zu tun. Als Beschäftigter eines Pharma-Konzerns kam er auch beruflich nie mit solchen Fahrzeugen in Berührung. Vor zehn Jahren hatte das Ehepaar Helmut und Doris Kuhr Besuch von Urlaubsbekannten aus Norddeutschland, die sie auf Mallorca kennengelernt hatten. Gemeinsam waren die Freunde in Hirschau spazieren, als einige Bulldogs an ihnen vorbeituckerten. Das veranlasste Helmut Kuhr zu der Bemerkung: „Martha, merk dir eins! Jeder g’scheite Oberpfälzer hat einen Bulldog!“ Am 4. März 2007 feierte er auf Mallorca seinen 50. Geburtstag. Das Geburtstagsgeschenk hatte seine Frau Doris nicht auf die Balearen-Insel mitgenommen. Ihr „g’scheiter Oberpfälzer“ machte aber mehr als große Augen, als weniger Tage später daheim in der Walkstraße ankam. Da stand doch tatsächlich ein Fendt-Dieselross im Hof.



Rarität auf dem Markt


Doris Kuhr hatte ihren Angetrauten beim Wort genommen. Bei der Suche nach einem Traktor war sie bei Hans Strobl in Baumgarten fündig geworden. Es kostete allerhand Arbeit, das Fahrzeug funktionsfähig herzurichten. Dabei half mit Kfz-Meister Herbert Künzel ein Fachmann mit. Helmut Kuhr entdeckte bald, dass sein Traktor vielfältig einsetzbar war. Er nutzte ihn bei Wald-, Pflaster- und Gartenarbeiten, half auch Nachbarn dabei. Er fand zunehmend Gefallen an der Tüftelei und verbrachte immer mehr Zeit in seiner Bulldog-Garage. Dort stand zum 55. Geburtstag ein zweiter Traktor, der MAN AS 430 H, Baujahr 1954 – eine Rarität auf dem Oldtimer-Markt.

Auch dieses Gefährt musste komplett auf Vordermann gebracht werden. Bei der Suche nach Ersatzteilen im Internet stieß Helmut Kuhr auf eine Seite, auf der für die Großglockner-Traktor-WM Werbung gemacht wurde. Tochter Anna-Lena telefonierte während einer Nil-Kreuzfahrt nach diesen Dingen. Urlaubsnachbar Detlef Hatten hörte die Telefonate mit und verkündete: „Wenn du da mitmachst, bin ich als Co-Pilot dabei!“ Tatsächlich ging das Duo Kuhr/Hatten am 14./15. September 2013 an den Start. Die Teilnahmebedingungen hatten die beiden alle erfüllt: Der Trecker war älter als 30 Jahre, verkehrstauglich und angemeldet. Der Fahrer war im Besitz eines Gesundheitszeugnisses, das ihm Höhentauglichkeit bescheinigte.



Helmut Kuhr gerät ins Schwärmen, wenn er von der WM-Fahrt berichtet. „Der Ausblick war fantastisch. Bei der Geschwindigkeit kannst du ja jeden Stein sehen.“ Nur nebenbei erwähnt er die kalten Temperaturen und den Schnee, der im oberen Streckenabschnitt auf der Straße lag. Vor Schnee und Glätte hat er beim Rennen am Wochenende keine Angst – sein MAN 4P1 hat ja Allrad-Antrieb.

Programm Bereits am Donnerstag ging die Party am Großglockner los. Um 17 Uhr trafen die ersten Traktorfreunde aus aller Welt in Bruck (Salzburger Land) ein. Am Abend gab es ein Willkommensfest am Dorfplatz.

Am Freitagmorgen stand ein offizieller Empfang in Bruck auf dem Programm. Um 12 Uhr segnete ein Geistlicher am Kirchplatz die Fahrzeuge. Die zehn ältesten Traktoren nahmen dabei stellvertretend für alle Teilnehmer an der Zeremonie teil. Nach der Fahrerbesprechung am Dorfplatz startete um 13 Uhr die erste WM-Wertung auf der Straße von Bruck zum Nachbarort Fusch. Dort wartete ein Festzelt auf Teilnehmer und Zaungäste.

Heute um 7.30 Uhr fiel an der Kassenstelle Ferleiten der Startschuss für die Höhenwertung. Die Oldtimer mussten bis zum Fuschertörl auf 2400 Höhenmetern tuckern. Derweil laufen im Ortszentrum von Bruck die Vorbereitungen für das WM-Fest, das offiziell um 12 Uhr beginnt. Neben einem Bauern- und Handwerkermarkt gibt es um 19 Uhr auch ein Geschicklichkeitsturnier für die Bulldog-Piloten. Für 20 Uhr ist dann die Siegerehrung vorgesehen.



Wertung Beim Rennen am Freitag handelte es sich um eine sogenannte Gleichmäßigkeitsfahrt. Auf der Straße von Bruck nach Fusch wurde eine Sollgeschwindigkeit in Kilometer pro Stunde vorgegeben. Aus Sollgeschwindigkeit und der Fahrstrecke ergab sich die Sollzeit, die für die Gleichmäßigkeitswertung herangezogen wurde. Wer dabei die geringste Abweichung vorweisen konnte, hat gewonnen.
Bei dem Wettbewerb heute ist die Strecke von Ferleiten bis zum Fuschertörl in zwei gleich lange Teilstrecken eingeteilt. Die Fahrzeit der ersten Teilstrecke ist die Vorgabe für die zweite. Die Zeitdifferenz zwischen erster und zweiter Teilstrecke wird für die Wertung herangezogen. Für das Gesamtergebnis werden dann die Zeitdifferenzen vom ersten Wettbewerb (Freitag) und vom zweiten Rennen (Samstag) addiert. Die Reihung erfolgt unabhängig vom Baujahr des Traktors. Daneben gibt es noch eine Klassenwertung nach Baujahr.

Kosten Das Startgeld beträgt 89 Euro. In diesem Betrag ist die Mautgebühr für die Großglockner-Hochalpenstraße enthalten. Außerdem gibt es ein Startgeschenk und sind die Eintritte in alle Musik-und Unterhaltungsveranstaltungen beglichen. Auch ein Shuttleservice zwischen den Veranstaltungsstätten ist im Preis inbegriffen.

Weitere Informationen unter www.traktorwm.at.

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