Auf alten Wegen viel zu erzählen
Von Druden und verschwundenen Dörfern

Kultur
Hirschau
20.09.2016
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Steiningloh. Bayern und die Tschechische Republik nehmen den 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. zum Anlass für eine gemeinsame Landesausstellung: Der Monarch gehört zu den bedeutendsten und facettenreichsten Herrschern der böhmischen und deutschen Geschichte, in der auch der Landkreis durch die Goldene Straße eine bedeutende Rolle spielt. Eine Wanderung auf alten Straßen sollte ein Beitrag dazu sein.

Versierter Gästeführer


Die AOVE als Veranstalter hatte mit Norbert Graf aus Steiningloh einen versierten Heimatgeschichtler engagiert: Er wusste auf der Tour zum Blauberg bei Steiningloh viel zu berichten. Eine kleine Gruppe Interessierter startete beim Schuster in Steiningloh. Zum Einstieg gab Graf, ein von der Volkshochschule ausgebildeter Landkreis-Gästeführer, eine kleine Geschichte vom "durstigen Wenzel", dem Sohn Kaiser Karls IV., zum Besten. Darin waren alle Themen der Wanderung enthalten: alte Straßen, Flurbezeichnungen, Hausnamen, bestehende und untergegangene Orte sowie Essen und Trinken. Beim ersten Halt an den Drudenäckern zitierte Graf den Oberpfälzer Volkskundler Franz Xaver von Schönwerth, der in seinen Geschichten auch über die Druden berichtet.

Rätselhafte Mordtaten


An der Kühstübe konnten die Teilnehmer ein anschauliches Bündel von Altstraßen bewundern. Vor Hunderten Jahren hatten sie sich nebeneinander in die Bergflanke gegraben und zeugen noch heute eindrucksvoll vom damals regen Handelsverkehr in der montanen Oberpfalz. Das Blecherne Marterl ist ein Kreuz, das Wanderer um ein Gebet für ohne Sterbesakrament ums Leben Gekommene und im Fegefeuer Schmachtende bittet: Hier trug Graf verschiedene Versionen von Mordtaten vor, die sich um die Errichtung dieses Denkmals ranken. Was sich tatsächlich dahinter verbirgt, muss laut Graf in Unklaren bleiben - zumal das Wegmal eigentlich kein Marterl ist, sondern ein Bildstock.

Weiter ging es am Biestumer Steig entlang (nicht mit Bistum zu verwechseln, sondern von der Flur Bienstube) zum höchsten Punkt der Wanderung, dem Buchenbühl mit rund 564 Metern. Hier trug Graf Schönwerth-Geschichten zu den Hoymännern, den Hütern der Wälder, vor. "Auf der Ruhe" machten nicht nur die Fuhrleute und -werke des Mittelalters Rast, auch die AOVE-Wanderer durften etwas verschnaufen.

Verschwundene Orte


An einem weiteren Altstraßenbündel, am Burgeranger, genossen alle bei einem Picknick den weiten Blick nach Westen. Hier erzählte Graf auch Wissenwertes über Steiningloh.

Zum Abschluss erinnerte er bei der Kleeloh an die verschwundenen Orte im Umkreis von nur wenigen Kilometern wie Brühl, Büchsenham, Steindorf, Mutzendorf, Kunried, Saß, Wingersricht, Pukenwinden, Windischhof, Götzlern, Krumbach, Birkenbühl oder Eule. Nicht nur Kriege und Seuchen seien Ursachen dieses Dörfersterbens gewesen, sondern vor allem wirtschaftliche Faktoren, die die Menschen zwangen, ihre Heimat aufzugeben.
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