Das Ramada-Fasten ist vorüber
Das Ende ist zuckersüß

Sie gehören zum muslimischen Zuckerfest wie Plätzchen zum christlichen Weihnachten, orientalische Kekse (rechts), häufig gefüllt mit Datteln oder Nüssen. Am ersten Abend nach Ramadan grillte die in Hirschau lebende Palästinenserin Widad al Mashni mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen. Als Beilagen hatte sie viele arabische Köstlichkeiten (links) vorbereitet: von Hummus (Kichererbsenpüree) bis Taboulé (Bulgursalat mit Petersilie). Bilder: hfz (3)
Kultur
Hirschau
06.07.2016
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"Die Zuckerfest-Kekse sind ein Muss, sie gehören dazu wie die Plätzchen zu Weihnachten." Zitat: Widad al Mashni

29 Tage haben gläubige Muslime tagsüber weder gegessen noch getrunken. Der Ramadan ist ihr Fastenmonat. Sein Ende allerdings ist zuckersüß. Gefeiert wird ein dreitägiges Fest des Fastenbrechens, Eid-al-Fitr auf Arabisch.

Widad al Mashni ist schon zu Hause, gleich wird ihr Mann von der Arbeit heimkommen. Auf den Papa warten auch die beiden Söhne des Paares, Khalid (8) und Amid (5). "Wir machen heute Abend eine Grillparty", erzählt die gebürtige Palästinenserin, die seit 2007 in Deutschland lebt und im Sommer vergangenen Jahres mit ihrer Familie von Schwerin nach Hirschau zog.

Fest des Fastenbrechens


Dieser Dienstag, der 5. Juli 2016, ist für sie, aber auch andere in Deutschland lebende Muslime ein hoher Feiertag. Der Ramadan endet. Gefeiert wird nach der Fastenzeit drei Tage, so lange dauert das Fest des Fastenbrechens (Eid-al-Fitr al-Saeed auf Arabisch). "Wir nennen es auch Zuckerfest", erklärt Widad al Mashni. Der islamische Fastenmonat dauert 29, manchmal auch 30 Tage. Denn der islamische Kalender richtet sich nach dem Mond.

"Heute sieht man den Mond komplett, das ist der erste Tag nach Ramadan", sagt die Hirschauerin, die von Beruf Lehrerin ist. Nicht für alle Muslime weltweit begann am Dienstag das Zuckerfest. In Widad al Mashnis palästinensischer Heimat, aber auch in Jordanien, in Saudi-Arabien, in den Golf-Staaten, in Syrien und im Irak endete der Ramadan einen Tag später. Widad al Mashni und ihr Mann haben die vergangenen 29 Tage gefastet, vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang am späten Abend weder gegessen noch getrunken. "Ja, das war schon echt schwer", gesteht die Frau. Vor allem, weil es einige heiße Tage im Juni gab. "Nichts zu essen, das ist nicht das Problem", erklärt sie. Ohne Trinken fühle man sich einfach schlapp. "Aber wir haben es geschafft", sagt sie. Und darauf ist sie auch ein bisschen stolz.

Jetzt dürfen sie und ihre Familie das Ende der muslimischen Fastenzeit feiern. Ihr Mann war am Dienstagmorgen um 6 Uhr in der Amberger Moschee beim traditionellen Gebet (Salat al Eid). In ihrer Heimat ist es Tradition, danach auf den Friedhof zu gehen. "Die Leute nehmen Blumen und Süßigkeiten mit und legen sie auf den Gräbern ihrer Verstorbenen ab." Freudig begrüße man diesen Tag mit "Al fathia", was wörtlich übersetzt "Die Eröffnung" heißt und die erste Sure des Korans bezeichnet. Die Kinder werden häufig für das Fest komplett neu eingekleidet. "Und jedes Kind bekommt Geschenke oder Geld."

Frühstück im Familienkreis


Die Familie kommt zum Frühstück zusammen, das sehr üppig ausfällt. "Meistens bereiten die Frauen das Essen gemeinsam vor", sagt die Palästinenserin. Kein Wunder, denn feiern arabische Familien, sind das locker 50 oder mehr Personen - von Großeltern über Onkels und Tanten bis zu Cousins und Cousinen. Widad al Mashni wuchs mit drei Brüdern auf: "Wir waren immer nur zehn Leute." "Antum b Kheir", wünscht man sich gegenseitig. Übersetzt heißt das: "Euch alles Gute."

Die Zuckerfest-Kekse sind ein Muss, sie gehören dazu wie die Plätzchen zu Weihnachten.Widad al Mashni

Nicht fehlen dürfen die Zuckerfest-Kekse. Widad al Mashni hat sie vor einer Woche gebacken. Ist dieses orientalische Gebäck mit Nüssen gefüllt, nennt man es Maamoul, sind Datteln drin, sagt man Zarat dazu. "Die Zuckerfest-Kekse sind ein Muss", erklärt die Frau. "Sie gehören dazu wie die Plätzchen zu Weihnachten", sagt sie. Am Dienstagmorgen brachte sie für ihre Kollegen Kostproben des Gebäcks in die Arbeit mit.

Wandern oder Grillen


Am zweiten Tag des Zuckerfestes unternehmen viele Menschen in der arabischen Welt etwas gemeinsam, Tradition haben Wanderungen. "Manche Leute gehen in den Wald, andere zum Schwimmen." Beliebt in Palästina sind Grillpartys. "Man feiert einfach nochmals zusammen", erklärt die Muslimin. Eines aber bemängelt sie: Der Konsum am Zuckerfest hat deutlich zugenommen. "Die Leute kaufen den Kindern viel zu viel und geben ihnen auch zu viel Geld."

Ramadan: Fatwa regelt Fasten in EuropaDer Koran regelt, wann im Ramadan weder gegessen noch getrunken werden darf - vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang. Dies war in den vergangenen Tagen für die hier lebenden Muslime von 3 Uhr morgens bis 21.30 Uhr abends. Das ist eine lange Zeitspanne - im Gegensatz zur arabischen Welt, wo die Sonne einerseits später aufgeht, andererseits früher untergeht.

Um den in Europa lebenden Muslimen das Fasten zu erleichtern, gibt es eine Fatwa zum Ramadan. Widad al Mashni, eine in Hirschau lebende Palästinenserin, erklärt dieses Rechtsgutachten von islamischen Gelehrten. Erlaubt sei, nicht mehr als 16 Stunden zu fasten, gleichzeitig aber dürfen es nicht weniger als 12 Stunden sein.

"Wer will, kann das so machen." Sie selbst praktizierte dies. "Wenn man hier lebt und arbeitet, den ganzen Tag nichts isst und trinkt, abends nach Hause kommt, noch kochen muss und erst sehr spät, so ab 21.30 Uhr, essen kann: "Das ist eigentlich nicht machbar", begründet sie ihre Entscheidung. (san)


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