"Da quält man sich halt durch"

Von schwerer Strecke, ungewöhnlichem Schnee und starker russischer Konkurrenz ließ sich Bernhard Langer nicht beeindrucken. Er holte in Syktyvar seine WM-Medaillen Nummer 38, 39 und 40. Bild: Erwin Mengel
Lokales
Hirschau
25.03.2015
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So einen Schnee hatte Bernhard Langer noch nie. "Der war wie Mehl, total trocken, völlig ungewohnt" - und machte die Rennen bei der Skilanglauf-WM der Senioren in Russland zur Materiallotterie. Der Hirschauer hatte bei der Wahl von Skiern und Wachs ein glückliches Händchen. Mit einer Ausnahme.

(frü) Er lief schon Rennen in Kanada, den USA, in Schweden, Norwegen und Frankreich, seine 14. Weltmeisterschaft aber war "die mit Abstand schwerste". Nicht nur wegen des "verflixten Schnees" in Syktyvkar, der Hauptstadt der Republik Komi, rund 1400 Kilometer nordöstlich von Moskau. Auch die Strecke im Leistungszentrum der russischen Skilangläufer war für einen Senioren-Wettbewerb extrem: "Sehr hügelig mit langen, steilen Grätschern, dann war es oft sehr windig, so dass man im Flachen bei Gegenwind fast gestanden ist." Umso stolzer ist der 48-Jährige vom Skiclub Monte Kaolino Hirschau über sein Silber im 30-Kilometer-Rennen und Bronze in der Staffel sowie über die 45 Kilometer - seine WM-Medaillen Nummer 38, 39 und 40.

Allein unter Russen

Im Auftaktrennen, den 30 Kilometern klassisch, hatte Bernhard Langer Glück, wählte nach einigem Experimentieren den richtigen Ski ("Ich hatte sechs verschiedene Paar mit unterschiedlichen Belägen dabei, je nach Schneeverhältnissen") und das richtige Wachs für den "mehligen Schnee". Das Material war optimal - die Beine auch. Der Hirschauer lief von Beginn in der Spitzengruppe und kam nach 1:24:08 Stunden als Zweiter ins Ziel, 18,9 Sekunden hinter Weltmeister Vyacheslav Sergeev und vor neun weiteren Russen. "Viele von ihnen sind ehemalige Nationalmannschaftsathleten, heute noch Halbprofis oder sogar Profis. Die haben ganz andere Bedingungen als der Rest", sagt Langer.

Am nächsten Tag war der Schnee noch trockener. Ein Problem für Langer, der nicht den passenden Ski für das 10-Kilometer-Rennen fand. Das wusste er schon bei der ersten Abfahrt, als 30, 40 andere Läufer an ihm vorbeizogen. "Da quält man sich halt dann durch", sagt der Hirschauer, der schließlich Elfter wurde (28:00,4 Minuten) - hinter zehn Russen.

Die dominierten dann auch das 4x5-Kilometer-Staffelrennen zwei Tage später. Mit großem Vorsprung holte sich das Team Russland Gold vor Weißrussland und Deutschland. Langer wurde von Startläufer Gernot Ziegaus (Regen) als Drittplatzierter auf die zweiten fünf Kilometer in klassischer Technik geschickt, überholte den zweitplatzierten Weißrussen und lief auf diesen einen Vorsprung von rund einer Minute heraus. Frank Neumaier (Schnaittach) verlor auf dem ersten Skatingabschnitt den Silberplatz wieder an Weißrussland und der deutsche Schlussläufer Andreas Dillemuth (Lanzenhain) rettete einen 40-Sekunden-Vorsprung auf Finnland ins Ziel.

"Wenn der Ski einigermaßen läuft, laufe ich durch, wenn es so ist wie bei den 10 Kilometern, tue ich mir das nicht an", hatte sich Langer für das abschließende 45-Kilometer-Rennen vorgenommen. Doch er merkte schnell, dass er mithalten konnte. In der ersten der drei Runden zog der spätere Sieger Eduard Kovyashov (2:03:44) auf und davon, dahinter Langer und fünf Russen, die sich etwas vom Feld absetzten.

Krämpfe kurz vor dem Ziel

Drei Kilometer vor dem Ziel startete Langer einen Angriff, lag auf Silber-Kurs, zehn Sekunden vor dem Drittplatzierten. Doch kann kamen Krämpfe, in den Oberschenkel, in den Oberarmen. "Ich habe versucht, locker zu laufen. Aber sobald du eine falsche Bewegung machst, kommen die Krämpfe wieder." Der Hirschauer wurde noch überholt und kam neun Sekunden hinter Alexey Lysak (2:07:08) als Dritter ins Ziel.
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