Der Hauch der Geschichte

Lokales
Hirschau
18.09.2015
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Wenn Hirschau auch keine Großstadt ist, über die Jahrhunderte wurde der Ort dennoch immer wieder zum Ziel der Begehrlichkeiten böhmischer, pfälzischer und bayerischer Fürsten, was ihm eine äußerst bewegte Geschichte bescherte. Diese stand im Mittelpunkt einer Stadtführung, die die AOVE anbot.

Mit Carolin Himmler fand die Gruppe eine optimale Führerin, denn sie ist nicht nur Lehrerin für Geschichte, sondern stammt auch selbst aus der Gemeinde. Zu Beginn kam aber nicht Himmler selbst, sondern zunächst der Hirschauer Stadtpfarrer Hans-Peter Bergmann zu Wort, denn Himmler marschierte mit ihrer Gruppe auf den Friedhofsberg zur Vierzehnnothelfer-Kirche, wo Pfarrer Bergmann eine Einführung in die Entstehung des Kirchleins bot. Diese stammt wohl ursprünglich aus gotischer Zeit und war Mittelpunkt einer großen Wallfahrt, bis diese durch den Bau der Mariahilf-Kirche in Amberg als neuem Anziehungspunkt in der Region zum Erliegen kam. Die Kirche in ihrer heutigen Form wurde, so Bergmann, wohl in der frühen Barockzeit des 17. Jahrhunderts errichtet, vermutlich unter Beteiligung der Amberger Jesuiten.

"Eigentlich könnte man in Hirschau zu fast jedem Haus was erzählen, denn es gibt noch sehr viel alte Bausubstanz." Dazu gehört zweifelsohne eines der Hirschauer Wahrzeichen, das Pflegschloss. Der Namensteil "Au" im Ortsnamen lasse darauf schließen, dass es sich hierbei ursprünglich um ein Wasserschloss mit Zugbrücke gehandelt habe.

Spätestens ab 1325 war in Hirschau, mittlerweile zur Stadt erhoben, ein "Pfleger" im Schloss eingesetzt. 1802 wurde die Hirschauer Pflegschaft aufgegeben und Amberg zugeschlagen. Ab dieser Zeit stand das Schloss leer, ehe die Familie Dorfner, aus Tirol zugezogen, an das Schloss eine Mälzerei anbaute und begann, dort Bier zu brauen.

Andreas Dorfner erwarb schließlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Schlosskomplex und baute die Brauerei aus, seine Söhne Florian und Martin installierten die erste Kaolinschlämme in Hirschau und eröffneten die Steingutfabrik. "Das führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum zunehmenden industriellen Aufschwung Hirschaus", erklärte Himmler.

Das älteste Gasthaus

Vom Schloss aus ging es auf der Hauptstraße entlang in die Hirschengasse, die ihren Namen nach dem wohl ältesten Hirschauer Gasthaus, dem Goldenen Hirschen, hat. Über 500 Jahre ununterbrochener Gastwirtschaft sind für dieses Gebäude nachgewiesen. In der Klostergasse, die nach dem dortigen Kloster der Mallersdorfer Schwestern benannt wurde, liegt auch das ehemalige Hirschauer Krankenhaus, heute Seniorenheim, das einst von Florian Dorfner für die Stadt gestiftet wurde, erklärte die Stadtführerin.

Als vorletztes Ziel steuerte man nun die Mariä-Himmelfahrt-Kirche an, von der Himmler zu berichten wusste, dass ursprünglich im 15. Jahrhundert nur der Gebäudeteil des heutigen Altarraums stand. Der Turm, als frei stehender Campanile erbaut, wurde erst im Zuge der Vergrößerung des Kirchenschiffs im 19. Jahrhundert mit dem Bau verbunden. Bis dahin hatten die Hirschauer allerdings nicht viel Glück mit ihrem Turm. "Er ist immer wieder eingestürzt", erzählte Himmler. Ähnlich alt wie die Kirche ist auch das Hirschauer Rathaus, das wohl um 1500 fertiggestellt wurde. Ursprünglich wurde aber nur der erste Stock für Ratsaufgaben genutzt, erzählte Himmler. Im Keller befanden sich Arrestzellen, im Erdgeschoss das Feuerwehrgerätehaus sowie der Bauernhof des Stadtschreibers, einige Läden und die Waage.

Über eine Außentreppe

Deshalb sei der erste Stock über eine Außentreppe erreichbar gewesen. Dass diese aber ursprünglich vergessen oder das Haus ohne Fenster errichtet wurde, wie in einigen Hirschauer Stückln zu lesen, das stimme natürlich nicht, meinte Himmler augenzwinkernd.
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