Der Kongo und die Handys

Gemeinsam hatten Frauenbund und Kolpingsfamilie ins Pfarrheim zum Vortrag "Kongo, Krieg und unsere Handys" eingeladen, bei dem die DDFB-Bildungsbeauftragte Birgitt Pfaller (stehend, hinten rechts) appellierte, die MIssio-Aktion zu unterstützen, damit bei der Handy-Produktion kein Coltan aus dem Kongo verwendet wird. Bild: u
Lokales
Hirschau
16.11.2015
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"Wenn man weiß, dass man Coltan verwendet oder kauft, für das eine ganze Dorfgemeinschaft niedergemetzelt worden ist, dann muss uns das zum Umdenken bringen. Erst wenn die Handy-Hersteller kein illegales Coltan mehr verwenden, werden keine Menschen mehr für dieses Erz vergewaltigt und vertrieben."

Die anklagenden Worte zu dem Kampf ums Erz stammen vom Erzbischof von Bukavu im Ostkongo, Francois-Xavier Maroy. Zitiert wurden sie von der Bildungsreferentin des Katholischen Frauenbunds Birgitt Pfaller, die unter der Überschrift "Kongo, Krieg und unsere Handys" im katholischen Pfarrheim referierte. Der Katholische Frauenbund hatte mit der Kolpingsfamilie zu dem Vortrag eingeladen.

Die Referentin schilderte die Situation in der Demokratischen Republik Kongo, in der seit Jahren Krieg und Gewalt herrschen. Offiziell gelte seit 2003 ein Friedensschluss, aber der Osten des Landes finde keine Ruhe. Rebellen aus dem benachbarten Ausland und einheimische Soldaten kämpften gegeneinander und gegen die Dorfbevölkerung. Grund seien Bodenschätze wie Coltan, das zur Herstellung von Handys und Computern benötigt werde. "Damit sie das Coltan unbehelligt abbauen und an Handy-Hersteller verkaufen können, ziehen verbrecherische Banden durch die Dörfer, rauben, morden, vergewaltigen und vertreiben so die Dorfbevölkerung", erläuterte Pfaller. Mit einem Film illustrierte sie das Schicksal von Ntakobajira M'Bisimwa. Die junge Frau war von Rebellen verschleppt und vergewaltigt worden, nachdem man vorher ihren Mann grausam misshandelt und ermordet hatte.

Hilfe habe die traumatisierte Frau im Krankenhaus von Bukavu gefunden, das Dr. Denis Mukwege aufgebaut hat. Der Mediziner sei wegen seines engagierten Einsatzes bereits mit dem alternativen Nobelpreis und im Vorjahr mit dem Menschenrechtspreis des Europäischen Parlaments ausgezeichnet worden.

Das Hilfswerk Missio engagiere sich mit der Aktion "Schutzengel" für Menschen im Kongo. So werden mit Spenden Trauma-Zentren gefördert, in denen Gewaltopfer psychologische und seelsorgliche Hilfe finden. Ebenfalls von Missio wurde eine Unterschriftenaktion gestartet, die sich an Hersteller von Handys und Laptops wendet. Wer die darin erhobene Forderung unterstützen will, könne unter www.missio-hilft.de unterschreiben. "Es scheint nicht viel zu sein, was wir hier in Deutschland erreichen können gegen den Bürgerkrieg im Kongo und das Leid der Menschen", bekannte Pfaller. "Aber wir können kleine Schritte der Solidarität setzen."

Auf dem Markt gebe es durchaus kleine Bewegungen. So produziere in Holland eine kleine Firma das sogenannte "Fairphone" und garantiere die faire Herstellung ihres Smartphones, faire Löhne und Arbeitsbedingungen sowie nur Verwendung von zertifizierten Rohstoffen. Wer ein Fairphone bestelle, müsse allerdings ein wenig darauf warten, weil die Firma nur auf Nachfrage produziere.
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