Die landwirtschaftlichen Maschinen von heute haben nur noch wenig mit den kleinen Traktoren von einst zu tun. Entsprechend sind es besonders die Besitzer dieser leistungsstarken, bulligen Fahrzeuge, die vom Ausbau des Kernwegenetzes im Landkreis
Geldverschwendung oder nicht?

Lokales
Hirschau
13.11.2015
0
0
profitieren würden.

(waj) Bereits im September war die Ertüchtigung verschiedener gemeindeverbindender Wege Thema im Stadtrat. Damals hatte das Gremium beschlossen, vorerst nur die Strecke beim Rotbühlsender ausbauen zu lassen, die ohnehin aus dem Gesamtkonzept der Maßnahme ausgenommen war.

Weiterhin Uneinigkeit

Bei der November-Sitzung nun sollten die anderen Wege vorgestellt werden, die Teil des Projekts im Bereich der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/Ehenbach (AOVE) sein könnten. Dazu hatten sich die Hirschauer einen Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung eingeladen, das Fördergelder für die Maßnahmen zur Verfügung stellen würde. Da der Baurat kurzfristig absagte, war es an Hermann Siegert von der Hirschauer Finanzverwaltung, den Räten und Zuhörern das Vorhaben vorzustellen.

Wie bereits im September, waren sich die Stadträte auch diesmal uneins darüber, wie die Maßnahme zu bewerten sei. Während die CSU-Fraktion dem Projekt insgesamt eher positiv gegenüberstand, war man seitens der SPD und der Freien Wähler sehr skeptisch. 2. Bürgermeister Josef Birner (SPD) etwa erklärte: "Wir fragen uns: Wo ist das öffentliche Interesse in diesem Bereich, das diesen Umfang rechtfertigen würde?" Auch Günther Amann (SPD) zeigte sich wenig begeistert: "Die Fördersummen klingen durchaus verführerisch, aber da bleibt doch noch ein ganz schöner Batzen an der Stadt hängen - und der Grunderwerb käme ja auch noch dazu. Ist das schon mit kalkuliert worden?" Eine Frage, auf die ein Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung vielleicht eine Antwort gewusst hätte - so aber blieb sie im Raum stehen.

Noch deutlicher äußerte sich FW-Fraktionsvorsitzer Günther Schuster gegen den Ausbau: "Immer mehr, immer größer, immer schneller - soll das wirklich das Konzept für die zukunftsorientierte Landwirtschaft sein? Man muss den riesigen Geräten doch nicht auch noch Rollbahnen bauen." Er sprach sich deutlich gegen eine weitere Versiegelung der Landschaft aus. Eine Sichtweise, die auch Stefan Bauer (SPD) teilte, der die Frage aufwarf: "Warum ist die Kommune dafür zuständig, einem Wirtschaftsbetrieb - und dazu zählt die Landwirtschaft - optimale Bedingungen zu schaffen?" Den Einwand des CSU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Hans-Jürgen Schönberger, man könne die Straßen ja auch zu Freizeitzwecken nutzen, ließ er nicht gelten: "Wenn da ein 40-Tonner fährt, ist das nicht erholsam. Da wird so schnell keiner mehr diese Wege zum Radfahren oder Spazierengehen nutzen."

Christian Gnan (CSU) zeigte sich verwundert über die Haltung seiner Stadtrats-Kollegen: "Wir sind im 21. Jahrhundert. Die Landwirte haben auch ihr berechtigtes Interesse: Wir betonen doch immer, dass wir unseren ländlich-landwirtschaftlichen Bereich erhalten wollen, dann müssen wir aber auch was für die Landwirte tun."

Einige Punkte unklar

Da die Ansichten im Stadtrat sehr unterschiedlich waren und darüber hinaus Unklarheit über einige Punkte bestand - was genau passiert, wenn man nun grundsätzlich dem Konzept zustimmt, um den anderen Gemeinden nichts zu verbauen, später aber doch Maßnahmen nicht zustande kommen, weil anliegende Eigentümer einem Verkauf nicht zustimmen -, schlug Bürgermeister Hermann Falk vor, die Entscheidung zu vertagen bis der Baurat seinen Besuch nachholt. Dem stimmte die Mehrheit des Stadtrates ohne SPD und Teile der FW-Fraktion zu.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.