Die Rivalität zwischen den beiden Kaolinstädten reicht wohl Hunderte Jahre zurück. Die Älteren können sich noch gut daran erinnern, dass es etwa bei den Fußball-Lokalderbys zwischen dem TuS Hirschau und dem TuS Schnaittenbach sehr robust zur Sache ging. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch auf den Zuschauerrängen lieferte man sich mitunter heftige Zweikämpfe.
Windiges Geläut schuld an Sturm

Zum sechsten Mal präsentiert der Festspielverein im Juli und August auf der Freilichtbühne im Hof des Pflegschlosses ein Hirschauer Stückl. Dieses Mal bricht ein Glockenkrieg zwischen Hirschau und Schnaittenbach aus. Bild: u
Lokales
Hirschau
21.05.2015
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(u) Diese Rivalität hatten die Verantwortlichen beim Festspielverein bei der Auswahl des neuen Festspiel-Stückls im Hinterkopf. Denn heuer bricht zwischen Freitag, 17. Juli, und Sonntag, 2. August, auf der Freilichtbühne im Hof des Pflegschlosses ein Streit zwischen den beiden Nachbarstädten aus. Präsentiert wird das bekannte Volksstück "Der Glockenkrieg" - zugeschnitten auf die konkurrierenden Städte im Kaolinpott. Die Handlung des Stücks spielt wieder in der Biedermeierzeit.

Zum sechsten Mal

Dem Festspielverein ist es zu verdanken, dass die Theaterlandschaft der Oberpfalz seit 2005 um einen originellen Farbtupfer reicher ist. Seither wird alle zwei Jahre ein Hirschauer Stückl aufgeführt. 2015 ist es das sechste Mal. Nach "Die Erbschaft" (2005), "Die Steingutfabrik" (2007), "S'Braufieber" (2009), "Exerziert is glei" (2011) und "Das Klosterkindl" (2013) heißt es im Sommer 2015: Bühne frei für das Schelmenstück "Der Glockenkrieg" nach einem Buch von Johannes Lippl. Regie führt wie im Vorjahr Regina Bauer. Auch im neuen Stückl wird deutlich, dass die Hirschauer über Generationen hinweg als die Schildbürger der Oberpfalz gegolten haben, wie schon 1619 in der "Descritio Scheppenstatii" zu lesen ist. Dort heißt es: "Deren lächerliche Thaten werden soviel und mangerley herumgetragen, das sie theils den Schildbürgern, theils den Hirschauer zugeschrieben werden." Wie in den Vorjahren werden auch dieses Mal nicht einfach solche angeblichen Schelmenstreiche aneinandergereiht, sondern in die Handlung der Inszenierung integriert. Die Besucher dürfen sich auf eine liebevolle Komödie mit rund 70 Darstellern freuen.

Die größeren Glocken

Zur Handlung des Stückls: Im Hirschauer Kirchturm hängen - wie sollte es anders sein - die größeren Glocken. Die Schnaittenbacher bilden sich ein, dass dadurch Unwetter auf ihre Felder und Wiesen niedergehen, weil ihr "windiges" Geläut gegen das große der Hirschauer einfach nicht ankommt. Deshalb bricht zwischen den benachbarten Ortschaften Schnaittenbach und Hirschau der Glockenkrieg aus. Allerdings schert sich die Jugend beider Städte herzlich wenig um den Streit der Altvorderen. Über die Grenze, die der Ehenbach bildet, werden längst künftige Ehebande geknüpft.

Darüber hinaus bringt ein schon lange dauernder Prozess wegen eines Waldstückes, der endgültig verloren ist, die Schnaittenbacher Stadträte in Rage. Sie reißen in einer Nacht- und Nebelaktion die Brücke über den Ehenbach ab - die Verbindung zwischen den Städten. Am nächsten Tag wird die Fronleichnamsprozession der Hirschauer an dieser Stelle gestoppt. Gestört werden auch die Absichten der Hirschauer Burschen und Schnaittenbacher Mädchen durch ein vom Stadtrat beschlossenes Heiratsverbot. (Hintergrund)
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