Ein Sägen für den Papst

Bernhard Wisgickl nach (fast) getaner Arbeit - der Baumstamm ist durch. "Anhängen, abschneiden, umlegen, aufladen, fertig", das war der Plan für den Tag.
Lokales
Hirschau
11.11.2015
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An diesem Novembermorgen geht in dem Wäldchen bei Ehenfeld Seltsames vor. Dutzende Menschen stehen im Wald und beobachten, wie Bernhard Wisgickl zur Motorsäge greift und einen Baum fällt. Wobei "fällen" das falsche Wort ist.

Das Geheimnis ist gelüftet. Der Standort des "Papstbaumes" ist bekannt. Hermann Falk, Bürgermeister in Hirschau und eine der treibenden Kräfte hinter der Mission "Post für Papa - ein Baum für den Papst", ist stolz. Die Beteiligten haben dichtgehalten.

Bislang kannten nur Eingeweihte den genauen Standort der 30-Meter-Fichte. "Irgendwo bei Hirschau", das war bekannt. Doch im waldreichen Gebiet rund um die Stadt zufällig den einen Baum zu finden, der auf dem Petersplatz stehen soll, war schlichtweg unmöglich

An diesem Dienstagmorgen reisen viele an, um die Fichte noch einmal in voller Pracht zu sehen und dabei zu sein, wenn aus einem Baum der Papstbaum wird, wenn der nächste Schritt auf dem Weg nach Rom getan ist. Rund ein Dutzend Helfer sind seit dem Morgengrauen unterwegs.

Baum wie aus dem Buche

Viele helfende Hände sind nötig. Kranführer, Lkw-Fahrer, Arbeiter, die die Maschinen zur Waldarbeit lenken und bedienen. Die Feuerwehr ist angerückt. Der Waldweg muss gesichert werden. Der Bürgermeister weist den Gästen den Weg zu den beiden Hauptdarstellern an diesem Tag: Bernhard Wisgickl, ein Oberpfälzer, wie er im Buche steht, geradeaus und herzlich, und die Fichte, ein Baum, wie er im Buche steht, gerade gewachsen und stattlich.

Den Beteiligten ist klar: Es geht hier nicht um irgendeinen Baum, der gefällt werden soll. Seine Zukunft liegt nicht im Sägewerk oder dem Kachelofen. Dieser Baum ist für den Petersplatz in Rom. Für den Papst. Ein Gruß aus der Oberpfalz. Motorsäge auspacken, ansetzen, fällen. Das verbietet sich. Dieses Exemplar will vorsichtig umgelegt werden. Sanft, ohne Schaden anzurichten. Der Supergau Stammbruch ist in den Köpfen, treibt Bernhard Wisgickl und seine Mitstreiter zum behutsamen Arbeiten. "Anhängen, abschneiden, umlegen, aufladen, fertig", fasst Wisgickl den Tagesplan zusammen.

"Hinter das Band!"

Gäste und Mitwirkende ziehen sich zurück. "Hinter das Band!" Mit einem lauten Pfiff weist er einen Schaulustigen in seine Schranken. "Dou gehst umme", erklärt er den Weg. 10.56 Uhr, den Helm auf zur Arbeit. Die Kettensäge weigert sich anzuspringen. 5, 10, 15 Züge am Starter sind nötig, bis das Kreischen der Säge die eingekehrte Stille zerreißt. Holzspäne fliegen meterweit. Der Kranführer beobachtet jede Bewegung des Baumes, hält die Sicherungsgurte auf Spannung. Die Kommandos über Funkgerät dazu sind kaum zu hören. Wisgickl sägt.

Ein letzter Kontrollblick auf Knien. Geht der Schnitt durch? Hängt da noch ein bisschen? Ging alles gut? Zur Sicherheit führt Wisgickl noch einmal das Schwert der Säge durch den Schnitt. Nichts klemmt, nichts blockiert. 11.04 Uhr. "Baum fällt!"

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Die ausführliche Geschichte im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/vatikan-baum
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