Franz Horn wurde zu Zeiten der Donaumonarchie in Böhmen geboren und war bis zum 95. Geburtstag ...
Mit 105 Jahren noch den Schalk im Nacken

Ein Gläschen darf schon sein zum 105. Geburtstag. Renee Ehringer-Hoffmann, die Vorsitzende des Männergesangsvereins 1860 Hirschau, gratulierte Franz Horn dazu ebenso wie Bürgermeister Hermann Falk (von links). Bild: hfz
Lokales
Hirschau
28.07.2015
40
0
Ein Glückwunschschreiben von Bundespräsident Joachim Gauck - Franz Horn war überrascht, was man so alles zum 105. Geburtstag bekommt. Das setzte sich fort, als Bürgermeister Hermann Falk dem zweitältesten Bürger seiner Gemeinde auch im Namen von Ministerpräsident Horst Seehofer und von Landrat Richard Reisinger gratulierte. Weniger überraschend war, dass auch sieben Enkel, acht Urenkel und zwei Ur-Urenkel ihrem Opa gratulierten.

Schon zum Geburtstagsfrühschoppen war die Wohnung voller Gratulanten. Der Männergesangsverein 1860 Hirschau ließ sein ältestes Mitglied mit "Viel Glück und Gesundheit" hochleben. Franz Horn war einer derjenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Männerchor wieder neu gründeten, und außerdem jahrelang Kassenprüfer des Vereins. Erst mit 95 Jahren beendete er seine Laufbahn als aktiver Sänger.

Franz Horn kam in der nordböhmischen Industriestadt Warnsdorf zur Welt und wuchs mit zwei Stiefschwestern auf. Die Eltern betrieben ein Konfektionsgeschäft. Nach der Volksschule besuchte er zwei Jahre die Handelsschule in Prag und absolvierte eine Lehre im Büro einer Strumpffabrik in seiner Heimatstadt. "Das ich in der Schule in Prag auch die tschechische Sprache gelernt hatte, war am Arbeitsplatz ein großer Vorteil", erzählt Franz Horn. 1930 heiratete er Elisabeth Grösler aus Görlitz.

Ab 1940 war er als Soldat in Polen, Frankreich, Russland und Italien. 1947 kam er aus der Gefangenschaft nach Hause und erfuhr, dass seine Familie, aus der alten Heimat vertrieben, in Süß eine Bleibe gefunden hatte. 1950 trat Franz Horn eine neue Stelle im Büro der Amberger Kaolinwerke an und zog nach Hirschau. 1952 bekam die Familie mit inzwischen drei Kindern eine der ersten neuen Werkswohnungen der Kaolinwerke an der Ehenfelder Straße. Mit über 90 Jahren nahm sich Horn dann 2003 eine neue Wohnung. Mit trockenem Humor erzählte er: "Jetzt bin ich vom ersten in den siebten Stock umgezogen - wegen der schönen Aussicht und der Höhenluft und weil sie ein gutes Stück weiter vom Friedhof weg ist wie die alte Bleibe."

Umsorgt von Tochter Lotte und den Enkeln wohnt Horn immer noch alleine. Auch wenn die Ausflüge mit dem Rollator um die Siedlung kaum noch möglich sind, seinen Humor hat er sich bewahrt. Als sich Hermann Falk verabschiedete, sagte der 105-Jährige: "Herr Bürgermeister, es freut mich, wenn Sie immer zu mir kommen. Hiermit befördere ich Sie zum Oberbürgermeister."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.