Im Zuge der Altstadtsanierung sollen die historischen Brunnen in Erinnerung gerufen werden. Die Hirschauer CSU-Stadtratsfraktion forderte bei einem Rundgang, deren Standorte zu kennzeichnen.
Erst seit 1951 Wasser aus Hahn

Lokales
Hirschau
07.10.2014
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(u) Bis 1951 gab es keine Wasserleitung in Hirschau. Wer keinen eigenen Hausbrunnen hatte, holte sich das Wasser aus einem der 18 öffentlichen Brunnen. Zehn davon gab es im Altstadtbereich, vier in ihrem näheren Umfeld. Die CSU-Fraktion mit Vorsitzendem Dr. Hans-Jürgen Schönberger und Bürgermeister Hermann Falk will die Altstadtsanierung nutzen, um den Menschen diese alten Anlagen durch eine besondere Kennzeichnung näher zu bringen. Dazu unternahm man einen Rundgang zu den historischen Standorten. Stadtheimatpfleger Sepp Strobl fütterte dabei die CSUler mit Informationen über die alten Brunnen und deren Nutzung.

Strobl zitierte aus einem Schreiben, in dem sich die Stadt 1831 wegen eines neuen öffentlichen Brunnens an das Königliche Landgericht in Amberg gewandt hatte. Darin hieß es: "Die hießig unteren Stadtbewohner bedürfen dringend einen ganz neuen und zweiten öffentlichen Pumpbrunnen. Angebotener Costenanschlag in Duplo entziffert einen Aufwand von 28 Gulden 17 Kreuzer." Die Stadtbrunnen wurden in Holzbauweise errichtet, deren Reparatur ein eigens ernanntes Magistratsmitglied überwachte und an die örtlichen Zimmermeister vergab. So schrieb zum Beispiel Zimmermeister Andreas Leistl am 17. Juli 1900 an den Magistrat: "Auf die Zuschrift vom 6. Juli 1900 die Brunnenreparaturen auf weitere fünf Jahre will ich mein Offert an den löblichen Magistrat einreichen und erlaube mir folgende Kenntnis zu bringen. Ich habe seit 20 Jahren die Reparatur an 8 Brunnen besorgt, leider kam ich mit dem genehmigten Pauschal nicht aus." Um die laufenden Kosten niedriger zu halten, beschloss das Kollegium am 4. Oktober 1900: "Der Brunnen neben der Apotheke soll umgebaut, Cementrohre eingesetzt und mit einem Pumpenständer versehen werden." Im Laufe der Jahre wurden alle Brunnen so umgestaltet. Diese Bauweise bestand bis 1952.

Verursacht durch die beiden Weltkriege blieb der Bau einer Wasserleitung ein Wunschtraum, obwohl seit 1938 beim Wasseramt in München fertige Pläne vorlagen. Am 4. September 1950 wurde der erste Spatenstich zum Bau der Wasserversorgung vollzogen und das ganze Hauptnetz noch vor Wintereinbruch verlegt. Am 4. Juli 1951 schließlich kam das erste Nass aus den Wasserhähnen. 1952/53 war die Zeit der Stadtbrunnen endgültig vorbei, 1956 waren 606 von 621 Wohngebäude angeschlossen.
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