Mit Zylinder in den Glockenkrieg

Neben einem Weihwasserkessel und dem Prozessionshimmel hat Sepp Strobl mit der Monstranz ein kleines Kunstwerk geschaffen.
Lokales
Hirschau
11.07.2015
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Rund 70 Schauspieler werden auf der Bühne agieren, wenn am Freitag, 17. Juli, das neue Hirschauer Stückl "Der Glockenkrieg" seine Premiere feiert. Sie alle müssen mit Kostümen aus der Biedermeierzeit ausgestattet werden.

Seit gut drei Monaten sind unter der Regie von Stadtheimatpfleger Sepp Strobl die Näherinnen Evi Fritsch, Ingrid Dobat und Maria Brixel dabei, Kleider, Hosen, Blusen, Leiberln, Mäntel, Uniformen oder Hüte zu fertigen beziehungsweise zu ändern. Auch Erna Künzel hat einige Oberteile der Frauenkostüme genäht.

Seit dem ersten Stückl im Jahr 2005 hat sich der Festspielverein einen großen Fundus an Kostümen und Requisiten zugelegt. Rund 200 Bekleidungsstücke und unzählige Kleinteile pflegt und verwaltet Sepp Strobl akribisch. Darunter sind auch 15 Zylinder, 25 Hüte und Mützen sowie 15 Schuten.

Immer helfen können

Für den "Glockenkrieg" braucht das Schauspieler-Ensemble allerdings eine ganze Reihe neuer Kostüme. Der Festspielverein ist in der glücklichen Lage, sich auf die Mitarbeit dreier ebenso geschickter wie fleißiger Näherinnen verlassen zu können. Evi Fritsch wirkt nicht nur im Hintergrund. Sie ist auf der Bühne als Bürgermeistersgattin Walburga Hitzinger zu sehen. Dagegen sind Ingrid Dobat und Maria Brixel ausschließlich hinter den Kulissen im Einsatz. Seit 2005 fertigen sie in der Vorbereitungsphase Kostüme jeglicher Art und stehen während der Aufführungen mit Faden, Steck- und Sicherheitsnadeln und Bügeleisen parat, wenn kurzfristig etwas geändert oder ein Malheur behoben werden muss. "Da haben wir bei den bisherigen fünf Stückln immer helfen können", stellen Dobat und Brixel fest.

Im Moment sind sie noch voll und ganz mit dem Fertigen neuer Kostüme beschäftigt. Vor allem die Schnaittenbacher müssen ziemlich neu eingekleidet werden. Strobl liefert dafür eine historisch nachvollziehbare Begründung: "Schnaittenbach war zu der Zeit, in der das Stückl spielt, noch Markt. Deswegen müssen die Schnaittenbacher ländlicher gekleidet werden, damit man sie von den Hirschauern leichter unterscheiden kann."

Die feinen Hirschauer Herren präsentieren sich im Biedermeierzwirn und mit Zylinder als Kopfbedeckung, die Hirschauer Damen in eleganten Kleidern und Schutenhüten als Kopfschmuck. Die Schnaittenbacher Männer tragen dagegen einen Bauernfrack, ihren Frauen werden Kopftücher aufgesetzt.

Auf Flohmärkten gekauft

Daher mussten die Jacken der vier Hauptdarsteller aus der Nachbarstadt umgearbeitet und für sie große Knöpfe gefertigt werden. Die Kopfbedeckungen wurden aus alten Frauenhüten der 70er-Jahre, die Sepp Strobl auf Flohmärkten erstanden hatte, komplett im Stil des Jahres 1850 neu gemacht, ebenso die Schnallen an Hüten und Schuhen von Roland Fritsch, der den Schnaittenbacher Bürgermeister verkörpert. Für die Schnaittenbacher Mädchen wurden auf Trödelmärkten und im Internet Kleider im bäuerlichen Stil erworben. Völlig neu geschaffen wurden die Uniform des Postboten sowie die Gewänder der Ministranten und der Mesner.

Sepp Strobl erfüllte auch den Wunsch von Regisseurin Verena Bauer, eine Monstranz, einen Weihwasserkessel und einen Himmel für den Prozessionsumzug zu fertigen. Bis zur Premiere gibt es noch allerhand zu tun.
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