So geht das perfekte Marschieren

Knappe sechs Stunden lang übten Dirigentin Annette Pruy-Semsch (links) und ihr Musikzug am Sonntag im Wohnviertel um die Schule. Geleitet hat das nicht alltägliche Spektakel Eduard Marpoder, der Marschmusikbeauftragte des Nordbayerischen Musikbundes (Zweiter von links). Bild: u
Lokales
Hirschau
25.09.2015
4
0

Marscherprobt ist Annette Pruy-Semsch, Dirigentin des Musikzugs der Stadt Hirschau, allemal. Seit 1992 gehört sie der Gruppe an. Seit 2004 schreitet sie als Dirigentin vorneweg, wenn die Kapelle alle Jahre beim Rosenmontagszug in Düsseldorf oder beim Trachtenumzug in München mit von der Partie ist. Etwas Neues lernte sie dennoch.

Rund 1 000 Kilometer - so ihre Schätzung - dürfte sie in ihrer Landsknechtstracht zu Fuß schon zurückgelegt haben. Dennoch übte sie mit ihren Musikern am Sonntag knapp sechs Stunden lang das Marschieren. Als Lehrmeister war der Marschmusikbeauftragte des Nordbayerischen Musikbundes (NBMB), Eduard Marpoder, in die Kaolinstadt gekommen. 25 NBMB-Kapellen hatten sich um das Training beworben. Zehn bekamen den Zuschlag. Eine davon war der Musikzug.

Staunende Bewohner

Die Bewohner im Viertel um das Schulhaus staunten schon ein wenig als am Sonntagvormittag plötzlich Märsche wie "Glück auf", "In Harmonie vereint", "Schloss Leuchtenburg", oder "Mein Heimatland" erklangen. Schließlich war ja kein Kirchen- oder Festzug angesagt. Bevor losmarschiert und musiziert wurde, analysierte Eduard Marpoder erst einmal die bisherige Formation des Musikzugs. Nachdem mehrere unterschiedliche Aufstellungen ausprobiert waren, entschloss man sich, künftig in neuer Reihung aufzutreten. Annette Pruy-Semsch: "Das war für die Musiker und für mich eine klangliche Bereicherung."

Für sie war es auch wichtig, dass eine Grundordnung hergestellt wurde, so dass das Aufstellen und Abmarschieren schneller und strukturierter ablaufen. Ihr selbst wurden Zeichen gezeigt, durch die die wortlose Kommunikation zwischen Orchester und Dirigentin während des Marschierens ermöglicht und erleichtert wird. Dazu gehören der Abriss eines Musikstücks oder die Drehung des Orchesters. Das Antreten, Anmarschieren und Anhalten wurde ausgiebig geübt. Nach der Mittagspause ging es an die Königsdisziplin - das Kurvenlaufen. Dafür eignete sich besonders die Sonnenstraße, in der es mehrere 90-Grad-Kurven gibt. Dies gelang schnell und gut. Schließlich wurden das Einschwenken, das Anhalten vor Objekten und das Fertigspielen, zum Beispiel vor der Kirche, geübt. Zum Abschluss wurden die trainierten Elemente bei einer Art Festzug durch das Neubaugebiet umgesetzt. Spätestens dabei ist allen bewusst geworden, welch große Wirkung diese Bewegung einer Kapelle auf das Publikum hat. Eduard Marpoder: "Wer sauber marschiert und spielt, der macht auch was her."

Gelerntes gleich umsetzen

Das Gelernte kann der Musikzug gleich am Sonntag, 27. September, in Amberg bei der Luftklangmeile anwenden. Die Hirschauer haben die Aufgabe, die Veranstaltung um 13.45 Uhr auf dem Marktplatz zu eröffnen und von dort aus zum Multifunktionsplatz zu marschieren.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.