Trend zu neuen Bestattungsformen
Beerdigung des Familiengrabs

Der Hirschauer Friedhof bietet wegen seiner Größe und vermehrter Grabauflassungen genügend Platz für bisher nicht angebotene neue Bestattungsformen. Sie sollen kommen, weil Familien meist nicht mehr über Generationen hinweg an einem Ort leben und die herkömmliche Grabpflege durch Angehörige immer mehr verschwindet. Bild: ads
Lokales
Hirschau
29.09.2014
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Die Kinder sind weggezogen und haben andernorts eine eigene Familie aufgebaut. Die enge Verwandtschaft gehört auch nicht mehr zu den Jüngsten, wer soll denn die Grabpflege übernehmen? Der Trend zu neuen Bestattungsformen hält an und drängt Kommunen zum Handeln.

Erneut griff der Ausschuss für Bau, Umwelt und Technik ein Thema auf, an dem kaum eine Gemeindeverwaltung mehr vorbei kommt: die Einführung neuer Bestattungsformen. Im Dezember 2013 war es als Folge einer vorausgegangenen Entscheidung, eine dritte Urnenwand im Friedhof zu bauen, auf der Tagesordnung gestanden, ein Gesamtkonzept zu entwickeln.

Die damals vorgelegten Unterlagen waren derart umfangreich, dass eine Entscheidung vertagt und die Verwaltung beauftragt wurde, die generellen Trends im Bestattungswesen übergreifend zu betrachten, um entsprechende Möglichkeiten auch für den städtischen Friedhof aufzugreifen. Eingehend mit der Materie befasste sich im Rathaus die Verwaltungsangestellte Jutta Freimuth. Sie legte dem Gremium nun die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

Räume des Rückzugs

"Ein persönliches Grab ist ein wichtiger Ort für die Hinterbliebenen zum Gedenken an die Verstorbenen, ein Ort des individuellen Abschiednehmens und zur Trauerbewältigung", leitete sie in die Thematik ein. Entsprechend der gewählten Bestattungsart - Erd- oder Feuerbestattung - sollten unterschiedliche Grabarten angeboten werden, um den jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen entgegenzukommen. Freimuth verwies auf eine Studie, die folgende Anforderungen an einen Friedhof formulieren: unterschiedliche Grabarten mit individuellen Gestaltungsmöglichkeiten, Räume für persönliche Trauer (Rückzugs- und Ruhezonen), Gräberformen, die von Pflege entpflichten, und überschaubare sowie kalkulierbare Kosten. Die Verwaltungsangestellte stellte vor diesem Hintergrund einen anhaltenden Wandel innerhalb der Friedhofskultur fest. Der übergreifende Trend hin zur Urnen- statt Erdbestattung mache unverzichtbar, das bisher dominierende Angebot von Einzel- und Familiengräbern sowie Urnenwänden zu erweitern und weitere Bestattungsmöglichkeiten anzubieten.

Wünsche vielfältig

Gängig sei in diesem Zusammenhang die Möglichkeit von Urnenbestattungen unter Bäumen, Urnenstelen, erdebene Urnenanlagen mit schlichten Grabplatten (ohne Verpflichtung zu Grabschmuck), pflegefreie Rasengräber oder die anonyme Erdbestattung. Freimuth legte dar, dass der Hirschauer Friedhof wegen seiner Größe und vermehrter Grabauflassungen viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung biete. Anhand der Daten der zurückliegenden Jahre legte die Verwaltungsangestellte zudem dar, wie sich bereits die Gewichtung unterschiedlicher Bestattungsarten verschoben hat, was unmittelbar auch auf die geltende Gebührenordnung durchschlägt.

Der Ausschuss nahm diesen Bericht der Verwaltung sehr wohlwollend auf und schloss sich der Auffassung an, weitere Bestattungsformen auf dem städtischen Friedhof zuzulassen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen. So soll es in absehbarer Zukunft auch die Möglichkeit der Urnenbestattung unter Bäumen im Bereich der Leichenhalle geben, eine Gemeinschafts-Urnenanlage Im Umfeld des Gebeinhauses ("Voit-Gruft"), Urnenstelen im Bereich des rechten Grabfeldes südlich der Leichenhalle und Rasengräber im östlichen Teil des mittleren Friedhofs. Die Verwaltung wurde beauftragt, die geltende Friedhofs- und dazugehörige Gebührensatzung entsprechend fortzuschreiben und dann zur Entscheidung im Stadtrat vorzulegen.
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