Unter den Hirschauer Sakralbauten gilt die Vierzehnnothelferkirche als wahres Kleinod. Fachleute stufen ihren Hochaltar als Meisterwerk der Akanthus-Schnitzerei ein. Urkundlich ist das spätgotische Kirchlein erstmals 1522 erwähnt.Wie die Mariahilfbergkirche in Amberg feiert es am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) Patrozinium.
Brauch Jahrhunderte alt

Noch vor der Amberger Mariahilfbergkirche war die Vierzehnnothelferkirche vor Beginn der Reformationszeit bis ins 18. Jahrhundert hinein eine viel besuchte Wallfahrtsstätte. Bild: u
Lokales
Hirschau
30.06.2015
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(u) Vor der Reformationszeit - also noch vor Beginn der Mariahilfberg-Wallfahrten - bis ins 18. Jahrhundert hinein war das Gotteshaus vielbesuchte Wallfahrtskirche, zu der am Patrozinium die Pilger in Scharen strömten. Die letzte Quelle dafür stammt aus dem Jahr 1792.

Am Donnerstag wird die über viele Jahrzehnte unterbrochene und 2001 wieder aufgenommene Wallfahrtstradition fortgesetzt. Am Fest Maria Heimsuchung sind alle Pfarrangehörigen aufgerufen, sich an der um 18.45 Uhr am Bischof-Bösl-Platz startenden Prozession zu beteiligen. Der Festgottesdienst, bei dem der verstorbenen Trachtenvereinsmitglieder gedacht wird, beginnt um 19 Uhr.

Als die Pest wütete

Die Anfänge der Nothelferkirche, die auf einer Anhöhe östlich der Kreisstraße AS 18 nach Ehenfeld an der Westseite des Friedhofs steht, gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück - in eine Zeit, in der in Hirschau die Pest wütete. Die erste urkundliche Erwähnung des Kirchleins stammt von 1522. Seine heutige Gestalt dürfte es Ende des 17. Jahrhunderts erhalten haben. Der Turm wurde 1884 erbaut.

Die enorme Bedeutung als Wallfahrtskirche wird aus den Zeilen deutlich, die der Stifter des Altars, der Ungelts-, Gegen- und Stadtschreiber Johann Jakob Weinzierl, an den Altarschöpfer, den Amberger Bildhauer Johann Hirschl 1711 schrieb: "Weillen darinnen ein alter und schlechter Altar dazumal sich befand und gleichwohl sonderliche Devotion von den Leuten zu ermelten Heiligen (d. h. den 14 Nothelfern) getragen wird, inmassen jährlich am Fest Unser Frauen Heimsuchung darinnen vollkommener Ablaß zu gewinnen, verschiedene Herren Geistliche proceßionaliter dahin kommen und gemeininglich zu 1200 bis 1300 Communikanten gezählt werden."

Wertvollstes Stück der Inneneinrichtung ist der von Hirschl geschaffene Hochaltar mit dem Akanthusschnitzwerk aus dem Jahr 1710. Im Rankenwerk, das - einer Ikonostase (Bilderwand) vergleichbar - die gesamte Ostwand einnimmt, sind 18 Figuren zu sehen: die 14 Nothelfer in zwei Siebener-Gruppen, zusätzlich Maria als Patronin sowie die Heiligen Florian, Rochus und Sebastian.

Eine Funtsch-Orgel

Auch die Anfang des 18. Jahrhunderts entstandene Emporenbrüstung mit den originalen Ölbildern der zwölf Apostel, Christus als Salvator sowie Maria und Paulus ist von besonderem Wert. Ein weiteres wertvolles Kulturerbe ist die im Original erhaltene, 1769 von Josef Adam Funtsch aus Amberg erbaute Orgel, die zu den bedeutendsten historischen Werken in der Oberpfalz zählt.
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