Vom Himmel gefallen

Franz Gebhard 1942 vor einer Go-145. Auch wenn es in Hirschau immer so erzählt wurde: Er kam nicht mit einem Fieseler Storch zurück.
Lokales
Hirschau
06.05.2015
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Der Zweite Weltkrieg war in Hirschau schon seit zwei Wochen vorbei, da tauchte noch einmal eine deutsche Militärmaschine am Himmel auf. Mit ihr wurde Franz Gebhard in seiner Heimatstadt zur Legende.

Der Landwirtsohn Franz Gebhard hatte Schlosser und Lokschmied gelernt. Als er 1942 im Alter von 19 Jahren nach Crailsheim einberufen wurde, machte man ihn im 2. Fliegerausbildungsregiment zum Bomben- und Waffenmechaniker für Flugzeuge der Luftwaffe. Er war kurz in Frankreich eingesetzt, bei Lourdes, kam aber im Oktober 1942 nach Kiew an die Ostfront. In Russland war er auf verschiedenen Flugplätzen stationiert. Beim Rückzug gelangte er über Rumänien und Ungarn nach Österreich, und hier wird die Geschichte interessant:

5. Mai 1945, Flugplatz Aigen (Steiermark): Das Ende des Krieges ist vorauszusehen, so beschließt der Salzburger Staffelführer Holzleitner, die Maschinen freizugeben, so dass die Piloten sich in ihrer Heimat in Sicherheit bringen können. Der Flugzeugführer Feldwebel Karl Müller, mit dem Franz Gebhard fliegen soll, ist aus Zeulenroda in Thüringen. Das ist auch von den Amerikanern besetzt, aber die beiden wollen in das relativ sichere Bayern fliegen, in Gebhards Heimatort Hirschau. Mit einer Gotha (Kurzbezeichnung Go-145), einem Doppeldecker, wagen sie das riskante Unternehmen. Die Amerikaner haben die Luftherrschaft, andere Flugzeuge müssen jederzeit mit einem Abschuss rechnen. Die beiden fliegen über den Wolfgangsee und kommen nach etwa 400 Kilometern aus Richtung Schnaittenbach an ihr Ziel. Es ist der 7. Mai.

Landeplatz soll eine Wiese am Dienhof sein. Die ist aber für das Ausrollmanöver zu kurz, so rollt man, wenn auch langsam, in einen Kartoffelacker. Die Maschine stellt sich auf die Nase, der Holzpropeller bohrt sich in den Boden und beide Enden werden abrasiert. Müller und Gebhard kommen ohne größeren Schaden davon. Gebhard hat sich nur leicht am Auge verletzt.

Die Hirschauer haben die Landung des Flugzeugs natürlich beobachtet. Viele machen sich in Richtung Dienhof auf. Die Amerikaner fahren mit einem Jeep hin. Franz Gebhard hat noch seine Pistole bei sich und versteckt sie schnell im Kartoffelacker. Als die Amis nach Waffen fragen, deutet Gebhard auf das Kartoffelbeet. Die beiden Flieger sitzen mit erhobenen Händen auf der Haube des Jeeps, als der nach Hirschau hineinfährt. Das Hauptquartier der Besatzer ist in der Villa des Fabrikbesitzers Dorfner. Elisabeth Dorfner wirkt hier beim Verhör als Dolmetscherin.

Franz Gebhard kommt in das Gefangenenlager Bernreuth bei Auerbach und wird am 20. Mai wieder entlassen. Zu Fuß macht er sich nach Hirschau auf. In Dürnsricht übernachtet er bei einem Onkel. Der will ihn zuerst nicht aufnehmen - aus Angst, dass der unbekannte Soldat beim Rauchen seinen Stadel anzünden könnte. Als sich Gebhard zu erkennen gibt, wird er aber mit offenen Armen aufgenommen.

Die nächste Station ist in Hahnbach bei einer Tante. Gebhard muss überall seine Erlebnisse während des Krieges und der Landung erzählen. Da er meist weit ausholt, dauert es drei Tage, bis er zu Hause ist.
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