Werbung als totaler Quatsch

Alle Hirschauer Grundschüler und ihre Lehrer (hinten) machen bei "Klasse 2000" mit. Das ist einmalig in der Region Amberg-Sulzbach. Vorne links präsentieren zwei Mädchen das Zertifikat dafür und "Klaro", die Symbolfigur des Gesundheitsförderprogramms, die alle Kinder bekommen haben und die sie auffordert: "Gesund und fit - mach auch mit". Bild: Steinbacher
Lokales
Hirschau
05.05.2015
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Gehört das auch zum Gesundheitsprogramm? Dass man weiß, wie Werbung funktioniert? Offenbar schon. Denn wer deren Aussagen durchleuchtet, kommt für das Rauchen zu Erkenntnissen wie: "Man zahlt Geld dafür, dass man sich selber schädigt - totaler Quatsch."

Ein anderer Viertklässler formuliert es als Frage: "Warum kaufen die Leute eigentlich immer noch Zigaretten, wenn schon draufsteht: Rauchen kann tödlich sein?" Sein Banknachbar weiß es: "Ist halt ganz schwer, wieder aufzuhören."

Conrad-Stiftung sponsert

Es ist kein Zufall, dass solche Dialoge an der Hirschauer Grundschule zu hören sind. Sie ist die einzige in der Region Amberg-Sulzbach, die mit allen Klassen am Programm Klasse 2000 teilnimmt und jetzt sogar zertifiziert worden ist. "Das ist auch eine Geldsache", erklärt Konrektor Josef Schmaußer, warum andernorts höchstens mal eine Klasse mitmacht. 200 Euro pro Klasse und Jahr muss man für die Teilnahme abdrücken. Das geht dann - die Grundschule Hirschau hat aktuell sechs Klassen und ist seit fast elf Jahren dabei - schnell in die Tausende. "Aber wir haben zum Glück die Klaus- und Gertraud-Conrad-Stiftung, die bei uns immer die Patenschaft übernimmt", sagt Schmaußer. So könne das nachhaltig angelegt werden. Und ein Glück sei auch Corina Lutz, "mit der die Kinder aufwachsen".

Die Sozialpädagogin aus Freihung ist seit vielen Jahren im Auftrag des Projekts "Klasse 2000" als Gesundheitsförderin in Hirschau tätig, gibt 17 Stunden im Jahr und empfindet diese Schule als "Glückstreffer" - weil die Gesundheitsvorsorge hier bei den Kindern so gut ankommt, weil sie bei den Eltern schon zur Institution geworden ist und weil die Lehrer sie auch unterstützen: "Das ist hier 1a."

Die Laune macht's

In der 4. Klasse bringt Corina Lutz den Kindern bei, wie die Tricks der Werbung funktionieren. Die Mädchen und Buben sollen aufschreiben, wann sie glücklich sind, ohne dass sich das auf ein bestimmtes Produkt bezieht. Heraus kommen Sätze wie "... wenn ich Freunde habe", "... wenn ich süße Tiere sehe", "... wenn ich Fußball spiele", "... wenn ich reite", "... wenn ich mit meiner Familie zusammen bin", "... wenn ich draußen bin" oder "... wenn ich gute Noten schreibe".

Als Corina Lutz den Kindern mehrere Werbeplakate zeigt, erkennen sie, dass die Reklame gar nicht auf das Produkt abstellt, sondern auf die gute Laune, die es (siehe oben) angeblich verbreitet: Bilder von jungen Leuten, die als Gruppe in der Natur sind, Spaß haben, lachen - und alles in den buntesten Farben. Muss schon toll sein, so ein - Bier. Die Burschen aus der Klasse 4 lassen sich davon aber nicht mehr austricksen. "Bier ist ungesund und macht dick", sagt einer, "und außerdem wird man davon besoffen." 1:0 für Klasse 2000.
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