Wie der "Saunogel" Farbe bekam

Auf dem Wohnzimmerschrank eine Auswahl der Pokale, die sich Alfred Hahn (93, sitzend) während seiner aktiven Zeit erkegelte. Als Mann der ersten Vereinsstunde verpflichtete er Rot-Weiss-Vorsitzenden Dieter Held zum 50-Jährigen, ihm beim nächsten Spitzen-Lokalderby gegen FAF Hirschau einen Platz zu reservieren. Bild: Huber
Lokales
Hirschau
19.08.2015
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Keiner war die ganze Zeit so weit vorne mit dabei, wenn es um die Rot-Weiss-Kegler von Hirschau geht: Alfred Hahn (93). Zum Bayernliga-Aufstieg tanzte er 2013 noch auf dem Tisch. Jetzt spielt die Erste in der 2. Bundesliga, und der Senior hat noch einen großen Wunsch.

(zm) Ein richtig gscheites Lokalderby gegen den zweiten ortsansässigen Spitzenklub, die FAF-Kegler (Fortuna Alte Freunde). "Da müsst ihr mich dann hintragen, wenn's selbst nicht mehr geht", legt er Rot-Weiss-Vorsitzendem Dieter Held ans Herz. Alfred Hahn ist derzeit gesundheitlich etwas angeschlagen, tritt dieser Tage eine Reha an und kann am Wochenende nicht bei der Feier des 50-jährigen Bestehens seines Kegelklubs teilnehmen.

Das nimmt er nicht so schwer, Hauptsache ist, bei seinem Traumderby mit dabei sein. Der 93-Jährige stieß nur kurz nach der offiziellen Gründung seines Keglervereins zu dem Klub, der aus Fußballerkreisen hervorging. Allzu etepetete ging es damals bei der Namensgebung noch nicht zu, man nannte sich "Saunogel" in Anlehnung an die althergebrachte Bahnbegrenzung links und rechts. In Hirschau existierten damals schon Sportkegler, sie hatten sich zehn Jahre früher gegründet. Nach mehreren Umstrukturierungen über die Jahrzehnte hinweg gibt es heute in Hirschau einen dem TUS als eigenständige Abteilung angegliederten Sportkegelverein, unter dem die beiden Klubs FAF (früher auch "Menkenkes", dann Alte Freunde, 1992 Fusion mit Fortuna) und Rot-Weiss verbandstechnisch segeln. Intern haben sie ihre Identität weitgehend behalten, weshalb Rot-Weiss heuer sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Verband wollte es so

Dieser Name, der die Stadtfarben von Hirschau repräsentiert, war nötig geworden, als die "Saunogel" ernsthaft in den sportkeglerischen Spielbetrieb eingriffen und der Verband bemüht war, sich vom geselligen Kegeln klar abzugrenzen. Umgangssprachlich, merkt Held in einem Nebensatz an, sei bei alteingesessenen Hirschauern aber immer noch der alte "Saunogel" geblieben, wenn es um die Rot-Weiss-Kegler geht. Und wie es so ist im Vereinsleben, 50 Jahre bedeutet auch Höhen und Tiefen, und Alfred Hahn war überall mittendrin dabei. Der Nachwuchs lag ihm am Herzen, mit der Jugend schaffte er es Mitte der 70er in die Bayernliga und auch als "Hahn im Korb" (Held) bei den jungen Frauen fühlte er sich wohl.

500er-Marke geknackt

Der Sport sollte jedoch nicht zu kurz kommen. Der 93-Jährige kann sich noch gut erinnern, als er an einem Spieltag gegen Siemens 63 "gscheit aufzunden" hat und in den 80ern mit (nach alten Regularien) einer damals nur in der Bundesliga üblichen Punktzahl von 504 und 507 aufwartete. "Des hot die Jungen scho' g'fuchst." Wer die Chronik von Rot-Weiss einmal durchblättert, dem wird recht schnell klar, dass dieser Verein seit seinem Bestehen im heutigen Spielbetrieb nur schwer vereinbare Ziele verfolgte: Sport zur Pflege der Geselligkeit und Sport als Leistungsherausforderung.

Der illustre Grandseigneur Alfred Hahn war überall dabei. Letztmals stand er bei einem Gesellschaftskegeln im vergangenen Jahr aktiv auf der Bahn, vor zwei Jahren tanzte er auf dem Tisch wegen des Bayernliga-Aufstiegs, jetzt ist die 2. Bundesliga Nord/Mitte dran, fehlt nur noch sein Traumderby. Im Pokalturnier anlässlich des Vereinsjubiläums steht eine Art Vorgeschmack mit der Begegnung FAF Hirschau 2 - RW Hirschau am Samstag, 22. August, auf dem Programm. Am Tag zuvor wird um 12 Uhr im Sportpark ein 24-Stunden-Benefiz-Kegeln eröffnet.
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