"Wie geht Kombiklasse in der Praxis?" Konkrete Antworten auf diese Frage erhofften sich die Rektorin der Grundschule Rechenberg-Bienenmühle in Sachsen, Rosemarie Israel, vier ihrer Lehrerkolleginnen sowie Elternratsvorsitzender Thomas Hetze und Pfarrer Michael Fischer von ihrem Besuch an der Hirschauer Grundschule.
Zweitklässler assistieren Lehrer

Über das System Kombi-Klasse informierten sich Vertreter der Grundschule Rechenberg-Bienenmühle in Sachsen bei einem Besuch in Hirschau. Bei Lehrerin Hildegard Feyrer (stehend) erlebten sie den Unterricht live. Bild: u
Lokales
Hirschau
10.10.2014
19
0
(u) Über der Friedrich-Schiller-Grundschule im Ortsteil Clausnitz in der 2000-Einwohner-Gemeinde im Erzgebirge schwebte das Damoklesschwert der Schließung. Grund ist der Geburtenrückgang. Aktuell besuchen 73 Mädchen und Buben die (noch) vierklassige Grundschule - Tendenz weiter sinkend. Anders als in Bayern sah das sächsische Bildungskonzept bislang keine jahrgangsübergreifenden Klassen vor. Genau dieses Instrument erscheint der Schulleitung und dem Elternrat ein Rettungsanker für den Erhalt der Schule zu sein.

Helfersystem funktioniert

Lehrerin Hildegard Feyrer, die zum dritten Mal eine Kombiklasse der Jahrgangsstufen 1/2 unterrichtet, und Rektor Hans Meindl speisten ihre Gäste aus Sachsen nicht mit theoretischen Erklärungen ab. Sie erlebten Kombiklassen-Unterricht live. 23 Kinder sitzen in ihrer Klasse. Davon sind elf Erst- und zwölf Zweitklässler. Beeindruckt waren die Gäste davon, wie schon wenige Tage nach Schuljahrsbeginn das Helfersystem in der neu gebildeten Kombi-Klasse funktionierte. Die Zweitklässler übernahmen gern und gekonnt ihre Rolle als Lehrerassistenten und wurden dabei von den Erstklässlern voll akzeptiert.

Nicht weniger imponierte den Besuchern, wie selbstständig schon nach wenigen Schultagen die Abc-Schützen ihre Arbeit angingen. Dass in einer Kombiklasse der Computereinsatz und der Umgang mit Lern-Software für Mathematik zum Schulalltag gehören, wurde während ebenso deutlich. Den Lehrkräften und Elternvertretern blieb aber auch nicht verborgen, dass das Führen einer Kombi-Klasse für die Lehrkraft eine Zusatzbelastung bedeutet. Das beginnt bereits bei der Unterrichtsplanung und Vorbereitung. Während des Unterrichts ist der Lehrer ständig von der einen oder anderen Gruppe gefordert.

Maximal 25 Kinder

Meindl und Feyrer berichteten, dass für bayerische Kombiklassen eine Höchstzahl von 25 Kindern gilt. In Hirschau bilde man für die Jahrgangsstufen 1 und 2 zwei reine Jahrgangs- und eine Kombi-Klasse. An der Nachbarschule in Freudenberg hätten sich Schulleitung, Lehrerkollegium und Eltern für drei Kombiklassen entschieden. Meindl verwies darauf, dass die Ehenfelder Grundschule, die kleinste derartige Einrichtung im Landkreis, seit Jahrzehnten nur dank jahrgangsübergreifender Klassen existieren könne.

Laut Rektorin Rosemarie Israel habe man bei dem Besuch gelernt, dass der Unterricht in Kombiklassen keinen Nachteil für die Kinder bedeuten müsse. Voraussetzung sei entsprechendes Engagement der Lehrkraft.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.