Flaschenwurf auf Wohnung von Asylsuchenden
Polizei geht nicht von Faschingsscherz aus

Maßarbeit von den Spurensicherern der Polizei und dem Flaschenwerfer auf eine Wohnung für Asylsuchende im ersten Stock. Bild: Steinbacher
Politik
Hirschau
08.02.2016
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Ohne Ortskenntnis oder genaue Adresse findet das Haus keiner. In der Nacht zum Sonntag flog eine Flasche mit einer wohl brennbaren Flüssigkeit durch das Fenster. Es wohnen Asylbewerber dort.

Ob es sich dabei um einen funktionstüchtigen Brandsatz handelte, bestätigte die Polizei bisher nicht, dementierte aber ebenso wenig. "Wir fassen diese Geschichte nicht als Faschingsscherz auf, wir nehmen das sehr ernst", stellte allerdings der Regensburger Präsidiumssprecher Stefan Hartl am Montag klar. Noch am Sonntag wurde bei der Amberger Kripo eine Ermittlungsgruppe gegründet, sie trägt den unverfänglichen Datums-Namen 07.02. Inzwischen hat sich ihr auch der polizeiliche Staatsschutz angeschlossen.

Es gibt Parallelen


Zusätzliche Brisanz verleiht dem Vorfall in Hirschau die Tatsache, dass in eben dieser Nacht auch im knapp 60 Kilometer entfernten Bruck im Nachbarlandkreis eine ähnliche Tat geschah. Dort wurden eindeutige Hinweise auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund gefunden. Im Unterschied zu Hirschau. Hier hat die Polizei allerdings die nicht zerborstene Flasche, die inzwischen beim Münchner Landeskriminalamt liegt, als Tatwerkzeug sicherstellen können. "Eine bloße Geruchsprobe reicht da nicht aus", wich Hartl Fragen aus, ob "das Wurfgeschoss" (Pressemitteilung) mit einem Brandbeschleuniger gefüllt war. Später war allerdings schon von Benzin oder Terpentin die Rede.

In dem zweigeschossigen Haus, durch dessen Fenster in der Nacht zum Sonntag gegen 1.40 Uhr die Flasche flog, leben zwölf Menschen. Im Erdgeschoss ist eine syrische Familie mit zwei kleinen Kindern untergebracht, zu ihr sind auch zwei Brüder der Ehefrau im Jugendlichenalter gestoßen. Im ersten Stock, in dem die Scheibe zerborsten ist, wohnen sechs junge Äthiopier.

Bisher keine Zeugen


Das zur Spurensicherung mit Maßmarkierungen versehene Loch im Fensterglas ist am Montag von der Straße aus gut sichtbar, alle Vorhänge des Hauses waren vorgezogen. Gleich gegenüber und in der unmittelbaren Umgebung stehen Mehrfamilienhäuser, von Zeugen der Tat ist bisher aber nichts bekannt. Einer der jungen Äthiopier hatte am Sonntag gegen 1.40 Uhr aufgeregt bei der Amberger Integrierten Leitstelle den Vorfall gemeldet, die Uhrzeit für den Vorfall in Bruck wurde mit 0.20 Uhr angegeben. Inzwischen hat auch Bürgermeister Hermann Falk bei der Polizei nachgefragt und kam zu dem Schluss: "Ich mache mir schon Sorgen, besonders, weil es bisher in Hirschau keine rechtsradikalen Umtriebe gegeben hat." In der Stadt sind aktuell 48 Asylsuchende gemeldet, sie verteilen sich auf vier Gebäude. Nennenswerte Probleme mit Flüchtlingen, so der Bürgermeister, habe es bisher nicht gegeben.

Seit Sonntagmorgen bleibt die Unsicherheit, ob es sich bei dieser Tat definitiv um einen gescheiterten Brandanschlag oder einen Faschingsscherz jenseits jeglichen Funkens von Verstand gehandelt hat. Die Polizei versucht es deshalb mit einem öffentlichen Zeugenaufruf.

Die Ermittlungsgruppe 07.02 fragt, wer in der Nacht zum Sonntag im näheren oder weiteren Umfeld der Grundstraße verdächtige Beobachtungen gemacht hat, die im Zusammenhang mit dem Flaschenwurf auf die Unterkunft für Asylsuchende gebracht werden könnten. Die Tat wurde gegen 1.40 Uhr verübt. Hinweise nimmt die Amberger Kripo unter der Rufnummer 09621/890-0 entgegen.
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