Freudenberg, Hirschau und Schnaittenbach liefern den Christbaum für den Petersplatz
Ein Weihnachtsbaum für den Papst

Dieses Bild haben die Bürgermeister aus Freudenberg, Hirschau und Schnaittenbach vor Augen: Im November liefern die drei Kommunen eine 32-Meter-Fichte an den Vatikan. Im Dezember soll der Weihnachtsbaum dann feierlich illuminiert werden. Archivbild: dpa
Politik
Hirschau
16.06.2015
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Bei der Einordnung dieses Ereignisses schwanken die drei betroffenen Bürgermeister zwischen "Geschenk" und "schöner Bescherung". Die drei Nachbargemeinden Freudenberg, Hirschau und Schnaittenbach liefern im November den Christbaum für den Petersplatz.

Süßer das Telefon nie klingelte: Als der Anruf kam, dass eine geeignete Fichte gefunden worden sei, freute sich der Hirschauer Bürgermeister Hermann Falk wie ein Kind beim Geschenke-Auspacken. "Ich dachte schon, das wird nichts mehr", erzählt der Rathauschef. Am Pfingstsonntag habe er einen letzten Versuch unternommen, einen Bekannten gefragt, ob nicht er einen vorzeigbaren Nadelbaum in der Umgebung wüsste. "Der ist dann mit seinem Moped 27 Kilometer auf und ab durch den Wald gefahren." Solange, bis er endlich vor ihm stand: Der Prachtbaum, der zur Weihnachtszeit den Petersplatz im Vatikan schmücken soll.

Agenda-21-Initiative

Die Oberpfalz kann liefern. Genauer gesagt die drei Nachbargemeinden Hirschau, Freudenberg und Schnaittenbach können es. Schon vor zehn Jahren war die Idee, den Christbaum für das Zentrum der Christenheit zu stiften, in einem gemeindeübergreifenden Agenda 21-Arbeitskreis entstanden. Auf eine erste Anfrage bei der Apostolischen Nuntiatur in Berlin kam 2007 prompt die Zusage - zunächst für das Jahr 2012. "Das Ganze hat sich dann verzögert, weil es mehrere Anfragen aus Deutschland gab", berichtet Falk. "Schließlich hieß es, wir sind 2015 dran."

Der Freudenberger Bürgermeister Alwin Märkl und sein Schnaittenbacher Amtskollege Josef Reindl hatten zwischenzeitlich schon die Hoffnung gehegt, die ganze Aktion werde im Sande verlaufen. Auf eine höfliche Nachfrage ließ der päpstliche Beauftragte für den vatikanischen Weihnachtsschmuck aber mitteilen, Seine Heiligkeit sehe der versprochenen Lieferung mit Freuden entgegen. "Es ist halt ein Riesenaufwand", gibt Märkl zu bedenken, der sich aber genauso wie Reindl dazu durchgerungen hat, die Sache durchzuziehen.

Keine größeren Kosten

Die größten Sorgen haben sich bereits in Luft aufgelöst: Auf die beteiligten Kommunen kommen keine größeren Kosten zu. Der Baukonzern Markgraf aus Weiden übernimmt unentgeltlich den Transport; die ebenfalls in Weiden ansässige Unternehmensgruppe Einhäupl stellt kostenlos einen Kran zur Verfügung, damit der Baum fachgerecht und ohne große Schäden zu erleiden gefällt werden kann. "Wo der Baum steht, verraten wir natürlich nicht", sagt Falk. Die Fichte werde diskret bewacht. "Außerdem haben wir noch einen Ersatzbaum in der Hinterhand."

Mittlerweile sind die Planungen für den Transport und das Begleitprogramm angelaufen. Das Bürgermeister-Trio stellt gerade ein "Baum-Kompetenzteam" aus Ehrenamtlichen zusammen, das alle Aktivitäten bündelt. Ein erstes Treffen soll schon bald anberaumt werden. "Darüberhinaus freuen wir uns über jeden, der sich meldet, um sich mit seinen Ideen einzubringen", sagt Märkl.

Nicht zu dick auftragen

2012 hatte der Festspielverein aus Waldmünchen (Kreis Cham) den Weihnachtsbaum für den Vatikan gespendet. "Wir haben uns das angeschaut. Da sind uns erst mal die Kinnladen auf den Tisch gefallen", berichtet Falk. Die Waldmünchner hätten einen riesigen Aufwand betrieben - mit Merchandising-Artikeln, einem umfangreichen Kulturprogramm und eigener Homepage. Sogar die Fällaktion sei inszeniert worden. Damals sei in Absprache mit dem Bundesverteidigungsministerium ein Hubschrauber zum Einsatz gekommen. "Das alles ist uns definitiv zu dick aufgetragen", unterstreicht Märkl.

Eine der Herausforderungen wird sein, den Baum für den auf vier Tage veranschlagten Transport zu verpacken. Die Breite des Zugwagens darf die Marke von 2,90 Metern nicht überschreiten. Das heißt: Der Baum muss vor allem im unteren Bereich kräftig festgezurrt werden. "Laut Auskunft von Forst-Fachleuten müssen wir die Fichte schon Wochen vor dem Transport fällen", weiß Bürgermeister Reindl. "Dann muss der Baum in einer beheizten Halle lagern. Unsere Leute werden die Spanngurte jeden Tag ein Stückchen enger schnallen." Als Schwertransport macht sich das 32-Meter-Geschenk dann wohl gegen Ende November auf den Weg über den Brenner - begleitet mitunter von der Polizei und einer Vorhut Ehrenamtlicher.

Feier auf dem Petersplatz

Die feierliche Illumination plant der Vatikan für Mitte Dezember. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Zu dieser Feier reisen dann nicht nur die Bürgermeister und die Mitglieder des Agenda-21-Arbeitskreises an. "Alle sind eingeladen, uns zu begleiten", betont Falk. Möglicherweise stellen die Musikkapellen aus den drei Gemeinden eine gemischte Gruppe zusammen. Bürgermeister Märkl, der ja bekanntlich Inhaber einer Brauerei ist, will auch noch das eine oder andere Fässchen Bier unter den vatikanischen Christbaum legen.
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