Hirschauer Info-Marktplatz von Tennet
Roadshow für die Energiewende

Keine Scheu vor Fragen: Schon kurz nach der Eröffnung des Info-Marktplatzes von Tennet zu der Gleichstromtrasse Südostlink, war der Saal des Josefshauses in Hirschau gut gefüllt. Der künftige Netzbetreiber stellte seine bisherigen Pläne vor, die nun Zug um Zug weiter im Detail heruntergebrochen werden. Die Bevölkerung soll bei diesem Prozess nicht außen vor bleiben, setzt das Unternehmen auf eine frühzeitige Vorstellung des Projekts. Geplant wird derzeit mit der ausschließlichen Option der Verlegung von Er
Politik
Hirschau
20.10.2016
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Südostlink. Das war einmal ein hochbrisantes Reizwort, das mit "Monstertrassen" gleichgesetzt wurde. Die Aufregung hat sich gelegt. Südostlink steht nun für etwas ganz anderes.

Dafür, wie es auch geht. Aus heftig umstrittenen Freileitungen sind Erdkabel geworden, die Windkraft-Strom aus dem Norden in Deutschlands Süden bringen sollen. "Wir planen nur noch mit Erdkabeln, wenn es geht", sagte gestern Carolin Kürth. Zusammen mit elf weiteren Kollegen des Netzbetreibers Tennet reist sie derzeit dem Verlauf nach, den diese Gleichstromtrasse zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und Landshut einmal nehmen wird. Rund 400 Kilometer Luftlinie sind das, je nach detailliertem Trassenverlauf können daraus bis zu 550 Kilometer werden.

Mit sogenannten Info-Marktplätzen touren Kürth und ihre Kollegen derzeit durch die Oberpfalz. Am Mittwoch Wernberg-Köblitz, gestern das Josefshaus in Hirschau, heute Schwandorf. Tennet setzt darauf, "besonders frühzeitig und umfangreich" Bürger in das für ein Gelingen der Energiewende so wichtige Stromtrassen-Großprojekt einzubinden. Nach 14 Info-Marktplätzen zwischen Hof und Landshut wird diese Roadshow - ursprünglich Werbetour eines Unternehmens vor dessen Börsengang - zu Ende sein, und die Planungen gehen in die Phase ihres nächstes Stadiums.

"Wir haben mit diesem Veranstaltungsformat bisher nur gute Erfahrungen gemacht", erzählte Kürth und stellte den Hirschauern ein bombiges Zeugnis aus. "Ich bin begeistert." Der Saal des Josefshauses hatte sich schon kurz nach der Eröffnung schnell gefüllt, die Atmosphäre war entspannt, mehr Neugierde als Skepsis lag in der Luft. Tennet zeigte eine ganze Reihe von Plänen möglicher Trassenverläufe. Das sind derzeit im Detail noch recht viele. Im Landkreis bleibt es im Wesentlichen bei zwei Varianten. Eine westlich von Hirschau und eine östlich von Schnaittenbach. Oder gar nichts.

Im Südosten wird es im Grenzbereich zum Nachbarlandkreis Schwandorf deutlich enger. Dort konkurrieren noch etliche potenzielle Trassenverläufe. Bürgerbeteiligung heißt derzeit aus der Sicht von Tennet hauptsächlich Information. Die bisherige Planung werde immer weiter heruntergebrochen, und hie und da stelle sich heraus, dass von unzutreffenden Gegebenheiten ausgegangen worden sei, erzählt Kürth. "Da kann ein neues Baugebiet schon einmal übersehen worden sein." Für derartige Anregungen sei Tennet jederzeit dankbar. St. Florian sollen die Info-Marktplätze allerdings keinen Vorschub leisten. "Wir können nur fachlich zutreffende Argumente aufgreifen."

2025 soll durch den Südostlink Gleichstrom fließen. Bis dorthin ist noch viel Planungs- und Genehmigungsarbeit zu leisten. Für die Bauphase möchte Tennet der Bevölkerung gleichfalls schon jetzt eine Angst nehmen. "Monsterbaustellen" würden das nicht. Wenn die Arbeiten laufen, ist ein Streifen von 50 Metern nötig. 15 Meter davon bleiben dann als eigentlicher Trassenverlauf etwa in Waldgebieten übrig.
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