Marktplatz-Brunnen Thema im Hirschauer Stadtrat
Beton bricht, Granit nicht

Das Modell des Brunnens mit dem Titel Lalehaus, der vor dem Hirschauer Rathaus aufgestellt werden soll. Archivbild: Hartl
Politik
Hirschau
27.01.2016
175
0

Der neue Hirschauer Brunnen soll als Krönung der Altstadtsanierung mitten auf dem neugestalteten Marktplatz stehen - und steht als solcher seit langem auch im Zentrum der Aufmerksamkeit des Stadtrats.

Hirschau. (waj) Das Gremium hat sich schon in mehreren Sitzungen die Köpfe über das neue Schmuckstück zerbrochen und heißgeredet. Billig ist so ein Kunstwerk natürlich nicht, das ist klar. Aber wie viel darf es denn am Ende tatsächlich kosten? Schon einmal stand das Brunnen-Projekt wegen finanzieller Bedenken kurz davor zu kippen.

Dann entschieden sich die Räte nach langem Ringen trotzdem dafür, mit der Auflage an das Team aus Künstler und Architekten, die günstigste Lösung für die Errichtung des neuen Wahrzeichens zu finden. Die schien sich in einem Fundament aus Beton abzuzeichnen, das - besonders wenn man es statt in einem Stück in zwei Teilen anliefern könnte - deutlich günstiger wäre als die Alternative, ein Sockel aus massivem Granit.

Kann halten, muss nicht


Bei der jüngsten Sitzung stand das Fundament erneut auf der Tagesordnung. Landschaftsarchitekt Josef Garnhartner hatte den Wunsch geäußert, nochmals mit den Räten über den Brunnenbau zu sprechen. "Ich stehe zu meiner Aussage, dass es mit dem Betonsockel durchaus funktionieren kann", betonte er. Aber nach Rücksprache mit dem Ingenieurbüro, das für die Wasserleitungen verantwortlich zeichnet, und mit dem Künstler selbst wolle er nochmals die Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten aufzeigen, die deutlicher sind als vorab gedacht.

Um sicherzugehen, dass dem Brunnen ein langes Dasein beschieden ist, sprach er selbst sich klar für die Granitausführung aus. Diese Präferenz teilten durchaus nicht alle Stadträte. Zweiter Bürgermeister Josef Birner (SPD) beispielsweise zeigte sich überrascht von den Ausführungen des Architekten: "Bisher hieß es, Beton sei zeitlos, elegant, modern - und jetzt sollen wir plötzlich wieder umschwenken auf Granit. Aber wir haben bereits einen Beschluss für den Stahlbeton - und ich bin dafür, dabei bleiben wir auch. Irgendwo müssen wir auch die Kosten im Blick haben."

Außerdem, so seine Ansicht, baue man schließlich nicht für die Ewigkeit: "Wer weiß, was die Stadträte über den Brunnen in 30 oder 40 Jahren denken? Vielleicht reißen die ihn ab. Das weiß doch niemand!"

So günstig wie möglich


Auch Johanna Erras-Dorfner (FW) stellte sich hinter den alten Beschluss: "Wir waren ja schon fast so weit, den Brunnen komplett zu kippen, und haben uns dann geeinigt, ihn doch zu bauen, aber so günstig wie möglich. Daran sollten wir jetzt auch festhalten." Karin Waldhauser (SPD) sah dies ähnlich: "Diese Argumente haben wir beim letzten Mal schon gehört - und uns trotzdem für Beton entschieden! Wieso sollten wir das jetzt ändern?"

Einige Stadträte jedoch schlossen sich Garnhartners Sichtweise an. Josef Luber (CSU) beispielsweise war der Ansicht: "Wenn wir schon 200 000 Euro in die Hand nehmen, dann soll doch auch etwas Längerfristiges dabei rauskommen." Das sah auch Tobias Meindl (FW) so: "Was formal günstiger erscheint, kann auf Dauer teurer werden." Er verwies darauf, dass nur Granit die Möglichkeit biete, vorher den Zusammenbau zu proben: "Dann gibt es hinterher kein böses Erwachen mit unerwarteten Folgekosten."

Letzten Endes einigte man sich bei mehreren Gegenstimmen darauf, die Diskussion zu vertagen, um zunächst den bereits gefassten Beschluss gegebenenfalls formal korrekt aufzuheben, bevor man erneut in die Diskussion einsteigen und nochmals abstimmen will.

Brunnen könnte einstürzenLandschaftsarchitekt Josef Garnhartner erklärte, dass ein Betonsockel für den neuen Brunnen auf den ersten Blick zwar günstiger sei, dass aber - besonders bei einer zweiteiligen Ausführung - die Fugen der beiden Bauteile nicht wirklich dauerhaft dicht zu bekommen seien.

"Dehnfugen sind bei einem Projekt wie hier, das ständig von Wasser überspült wird und noch dazu horizontal auf dem Boden aufliegt, einfach ungünstig: Wenn Wasser durch Mikrorisse in den Stein eindringt, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass der Sockel porös wird und der Brunnen einstürzt", erklärte er. Bei einer einteiligen Ausführung sei dies zwar besser, allerdings gebe es auch hier Fugen, beispielsweise bei der angesetzten Wasserrinne. Zudem sei man dann preislich nicht mehr so weit vom Granit entfernt, insbesondere, da dann ein teurer Spezialtransport nötig sei.

Beständiger und weniger anfällig sei die Sockelausführung in Granit, da hier die Einzelteile viel dichter verbunden werden könnten. Außerdem sei Granit nahezu unverwüstlich und bei kleinen Beschädigungen leicht auszubessern. Darüber hinaus habe man bei Granit die Möglichkeit, den Brunnen in seiner Gesamtkonstruktion im Werk vorab zusammenzusetzen, um zu überprüfen, ob alle Teile passen.

Die Gesamtkosten für den Brunnen mit einem Betonfundament sind auf rund 210 000 Euro angesetzt - bei einem einteiligen Betonsockel würden rund 12 000 Euro für den Transport entfallen. Eine Granitausführung würde bei etwa 236 000 Euro liegen. (waj)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.