Sechs Millionen gegen Elend

Klaus Conrad (links) und Karl-Heinz Zubrod zeigen stolz ein Bild aus Sri Lanka, wo eines der größten Projekte ihres Hilfswerks läuft. Aber auch in der Region ist die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung vielfältig aktiv, wie ihr Gründer und der geschäftsführende Vorstand auf der Dachterrasse der Unternehmenszentrale in Hirschau erläuterten. Bild: T. Amann
Politik
Hirschau
16.08.2015
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"Es gibt so viel Elend. Man kann es eigentlich gar nicht beschreiben." Klaus Conrad ist erschüttert über die Not, die in tausenderlei Gestalt auf der Welt herrscht. Er und seine Ehefrau Gertrud haben sich davon schon lange berühren lassen. Sie gründeten 2001 die Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung. Bis heute flossen fast sechs Millionen Euro.

Diese gewaltige Summe an Ausschüttungen aus dem Stiftungskapital ließe sich in Hunderten von Projekten in den vergangenen 14 Jahren darstellen. Bei einem Pressegespräch in der Unternehmenszentrale in Hirschau führten Klaus Conrad und Geschäftsführender Vorstand Karl-Heinz Zubrod einige Beispiele auf. Doch es ging ihnen auch darum, die Hintergründe ihrer Arbeit zu beleuchten, die immer auf Hilfe zur Selbsthilfe setzt. "Wir haben so viele Projekte, das glaubt man gar nicht", stellte der Stiftungsgründer und -Vorsitzende beim Blick auf die lange Liste selbst ein wenig verwundert fest.

Dank ist das Schöne

An vorderster Front nannte er Bau und Unterhalt von Kindergärten, Vorschulen, Waisenhäusern und Behindertenzentren in Sri Lanka. Dort werden Buben und Mädchen, aber auch Erwachsene mit Handicap aufgenommen und betreut.

Laut Klaus Conrad mit zum Teil durchschlagendem Erfolg: Kinder mit Gehbehinderung zum Beispiel, die zuvor in ihren armen Familien vor sich hinvegetierten - ohne medizinische oder physiotherapeutische Betreuung, die sich die Eltern nicht leisten können - lernen mit Hilfe von Krücken zu laufen. Oder blinde Menschen entwickeln vorher nicht gekannte Fähigkeiten, indem sie Matten flechten - damit eine Beschäftigung und Sinn im Leben finden.

"Es macht Spaß, wenn man sieht, was aus so einem Projekt, was aus den Menschen wird", beschreibt Klaus Conrad seinen Antrieb, sich im fernen Sri Lanka zu engagieren (übrigens längst nicht das einzige exotische Land, in dem die Hirschauer Stiftung wirkt - siehe Kasten). "Die ganze Familie ist begeistert dabei, das ist eine kleine Familienorganisation geworden", freut sich der Vorsitzende über das Mitwirken seiner Kinder, die selbst immer wieder zu den Auslandsprojekten fliegen. Der Dank, der dann von den Hilfeempfängern zurückkommt, "ist das Schöne daran", sagt Klaus Conrad, der nicht verhehlt, dass selbst mancher Dankesbrief zu Tränen rührt.

Berührt hat die Stiftung und ihre Vertreter auch die weltweite Flüchtlingskrise und der Andrang dieser Menschen in Deutschland. Mit dem Arbeitskreis Asyl in Weiden wurde aktuell ein Haus für Neuankömmlinge in der Max-Reger-Stadt geschaffen; auch der Aktion "Amberg hilft Menschen" mit ähnlichen Zielen hat die Stiftung schon unter die Arme gegriffen. Gleiches gilt für die Regierung der Oberpfalz, die aus Hirschau einen Spielplatz für eine Erstaufnahmeeinrichtung finanziert bekam.

Außerdem hat sich Klaus Conrad nicht nur einmal persönlich dafür eingesetzt, dass beispielsweise ein junger Afghane bei einer Partnerfirma des Elektronikriesen eine Anstellung erhielt. "Wir brauchen ja Arbeitskräfte", sagt der Unternehmer mit Blick auf den demografischen Wandel in der Bundesrepublik und beweist damit seinen weiten Blick über den Tellerrand.

Auch vor Ort große Not

Doch die Stiftung muss nicht immer erst ins Ausland schauen - auch in Deutschland und vor Ort gibt es Not. Zum Beispiel bei offensichtlich immer mehr älteren Leuten, die trotz lebenslanger Arbeit mit ihrer Rente nicht über die Runden kommen. Wenn Klaus Conrad und Karl-Heinz Zubrod hören, dass solche Menschen in Mülltonnen nach Essbarem wühlen, dann wissen sie, wo ihr Geld ebenfalls gut aufgehoben ist: bei der Amberger Tafel, die solche Altersarmutsfälle, aber auch Familien mit Nahrung und Lebensnotwendigem versorgt. Ihre Arbeit bezeichnet Klaus Conrad wie die vieler Tafeln als "sehr vorbildlich".

Dieses Lob gilt umgekehrt aber auch für die Stiftung. Klaus Conrad sagt: "Als Unternehmer muss man auch mit seiner Region verbunden sein. Man kann nicht nur Gewinne machen, man muss auch nach außen für die Region und die Menschen etwas tun."
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