VdK-Ortsverband Hirschau unternimmt mit Bürgermeister Ortsbegehung
Im Rathaus fallen Barrieren

Die Barrierefreiheit stand im Mittelpunkt bei einem Rundgang durch die Stadt (von links): Bürgermeister Hermann Falk, VdK-Ortsvorsitzender Anton Eisert, der stellvertretende Bauamtsleiter Martin Müller und VdK-Schriftführer Georg Steger. Besonders begrüßt wurde, dass im Rathaus ein Aufzug installiert werden soll. Bild: u
Politik
Hirschau
25.05.2016
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"Weg mit den Barrieren! Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht!", verlangt der VdK Deutschland. Diese Forderung machte sich auch der Ortsverband zu eigen. Dass die Stadt Hirschau hier auf einem guten Weg ist, davon überzeugte sich Vorsitzender Anton Eisert bei einer Ortsbegehung.

Klare Regelungen nötig


Alle Aspekte des Lebens müssen laut Eisert so gestaltet sein, dass sie auch von Menschen mit dauerhaften körperlichen, seelischen, kognitiven oder Sinnesbeeinträchtigungen genutzt werden können. Durch klare gesetzliche Regelungen müssten Wohnungen, öffentliche Gebäude, Verkehrsanlagen und -mittel sowie private Güter und Dienstleistungen für jedermann zugänglich sein. Er verwies darauf, dass aktuell jeder vierte Erwachsene in Deutschland auf Barrierefreiheit angewiesen sei.

Portal und Aufzug


Bürgermeister Falk hatte bei der Begehung drei positive Nachrichten parat. Noch heuer werde der Rathauseingang auf der Marktplatzseite, der künftig als Hauptportal dient, behindertengerecht gestaltet. Im Stadthaushalt sind dafür 25 000 Euro eingestellt. Deutlich mehr kostet die zweite Maßnahme, die Einrichtung einer Behindertentoilette im Rathaus, die von außen zugänglich sein soll. Dafür sind 108 000 Euro vorgesehen. Außerdem ist geplant, im Rathaus einen Aufzug einzubauen. Dafür soll der bisherige Öllagerraum genutzt werden, der nach dem Anschluss des Rathauses an das Fernwärmenetz überflüssig geworden ist.

Beim Rundgang kritisch gesehen wurden die zwischen dem Straßen- und Gehflächenpflaster angelegten Wasserrinnen. Sie sind nur sehr schwer zu erkennen und bereiten sehbehinderten Personen Probleme. Grundsätzlich sei jedoch bei der Neugestaltung der Innenstadt sehr viel für die Barrierefreiheit getan worden, lautete das Fazit. Ein Beispiel dafür war die Bushaltestelle, die so gestaltet ist, dass Behinderte bequem in den Bus einsteigen können. Der Behindertenparkplatz westlich der Pfarrkirche sollte ein Stück weiter nach Norden in die Fußgängerzone zwischen Kirche und Pfarrhof verrückt werden. Dadurch wäre einerseits der Zugang zur Fußgängerzone und zum Kircheneingang besser geschützt, andererseits der dort stehende Hydrant problemlos erreichbar.

Verbesserungsbedarf sahen die Beteiligten bei den Zugängen zu den Geschäften. Eine beträchtliche Anzahl davon ist nicht barrierefrei. Der Bürgermeister verwies darauf, dass Veränderungen dort nicht städtische, sondern private Angelegenheiten seien. In diesem Zusammenhang wies Vorsitzender Eisert auf die VdK-Forderung hin, auch alle privaten Anbieter gesetzlich zur Barrierefreiheit zu verpflichten. Die UN-Behindertenkonvention mache keinen Unterschied zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern. Mit der Ratifizierung habe sich Deutschland verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine barrierefreie Gesellschaft zu treffen. Nach VdK-Meinung seien ein Investitionsprogramm des Bundes im Umfang von 800 Millionen Euro pro Jahr und ergänzende Programme der Länder für die Unterstützung der entsprechender Maßnahmen nötig.
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