1926 brannte Hirschau lichterloh
22 Gebäude vernichtet

Am 7. Februar 1926 brannte das Maderer-Anwesen auf der Walk nieder. Damals gab es eine eigene Hirschauer Zeitung. In ihrem Bericht führt sie auch auf, dass sogar die Ausstattungswäsche der Tochter in Flammen aufging. Bilder: u (2)
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Hirschau
31.10.2016
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Da das für die Löschmannschaften gedachte Freibier "vielfach und unmäßig durch Leute in Anspruch genommen wurde, die sich an den Löscharbeiten überhaupt nicht beteiligt haben", verfügte der Stadtrat, dass dieser Trunk nur noch gegen Marken ausgegeben werden durfte.
 

Das Jahr 1926 kann für die Stadt Hirschau getrost als Jahr der Brände und der Brandstiftungen bezeichnet werden: Achtmal musste die Feuerwehr ausrücken. Ein wahres Flammeninferno gab es am 10. Oktober 1926.

Hirscha. (u) Zehn Häuser und zwölf Scheunen wurden damals in der nördlichen Hauptstraße am unteren Markt vollständig vernichtet. 14 Familien wurden obdachlos. Im Archiv der Stadt fand Heimatpfleger Sepp Strobl einen Bericht aus der damaligen er Zeitung, der die Katastrophe schildert (Hintergrund).

Einem Dankesschreiben des Stadtrates ist zu entnehmen, dass neben der Hirschauer und Amberger Feuerwehr die Wehren aus Burgstall-Krondorf, Ehenfeld, Gebenbach, Mimbach, Schnaittenbach-Forst, Vilseck, Steiningloh und Weiher gegen das Flammenmeer ankämpften. Die Amberger Volkszeitung berichtet, dass dem Feuer nach dem Eintreffen der Amberger Motorspritze beim Kaufhaus Herrneder Einhalt geboten werden konnte, "wo eine starke Brandmauer dazwischen stand".

Weiter heißt es: "Nachdem das Feuer auf den oberen Brandherd beschränkt war, musste die Motorspritze in der Richtung der Schloßbrauerei sich aufstellen, da durch den äußerst starken Wind das Haus des Schreinermeisters Josef Epp auf einmal zum Brennen anfing und so die weiteren Angrenzer in Gefahr waren, ebenso die Schloßbrauerei. Nachdem aber die Feuerspritze in Tätigkeit kam, wurde auch hier das Feuer auf seinen Herd beschränkt, erst früh 5.30 Uhr, so dass volle fünf Stunden Hirschau taghell erleuchtet war."

"Nach mehr als siebenstündiger Arbeitsleistung verließ die Amberger Motorspritze früh 9 Uhr die Stadt, ebenso auch die anderen Feuerwehren. Außer den zehn Wohnhäusern nebst Nebengebäuden ist jedem Brandleider viel - ja man darf sagen, seine ganze Heu- und Getreideernte - verbrannt ebenso sehr viel Mobilar, Federvieh und bei Bäckermeister Ritter sogar das Pferd, welches nicht mehr in Sicherheit gebracht werden konnte." Die Zeitung nennt neben Sturm noch einen Grund, warum die Einsatzkräfte die Feuersbrunst nicht eher eindämmen konnten: "Doch litt ihre unermüdliche Hilfsbereitschaft sehr stark an dem Wassermangel, der sich bald schrecklich bemerkbar machte. Die Menge des verfügbaren Wassers reichte nicht mehr aus, um dem Riesenbrand, der eine Front von einigen 100 Metern einnahm, wirksam zu bekämpfen. Das furchtbare Brandunglück zeigt uns mit unerbittlicher Deutlichkeit, wie dringend notwendig der Bau einer Wasserleitung für unsere Stadt wäre."

Besonders tragisch: "Ausgerechnet vor kurzem sind die Stadtweiher abgelassen worden, welche sonst die Kanäle speisen. Überlegt man, dass Hirschau in diesem Jahr von nicht weniger als sieben Bränden heimgesucht wurde, so erscheint diese Forderung gewiss nicht als überflüssig, ganz abgesehen davon, dass auch wieder eine große Anzahl Arbeitsloser Arbeit finden würde." Auf ihre Wasserleitung mussten die Hirschauer trotzdem noch 25 Jahre lang warten: Sie wurde am 31. August 1951 feierlich eingeweiht.

HintergrundDie Hirschauer Zeitung berichtete 1926: "In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde unsere Stadt, die ohnedies in den letzten Jahren ein Herd verderblicher Feuersbrünste war, von einem neuen Unheil heimgesucht, das in seinen ungeheuren Ausmaßen alle Unfälle der jüngst vergangenen Zeit in den Schatten stellte und namenloses Elend über unsere ganze Stadt brachte. Aus ungeklärter Ursache brach gegen 12 Uhr nachts bei Bäckermeister Ritter, dessen Haus mitten am Markt steht, Feuer aus, das sich bei dem sturmartigen Westwind mit einer Schnelligkeit und Gewalt ausbreitete, gegen die menschliche Hilfsmittel zu versagen drohten. Nach beiden Seiten griffen die Krallen des feurigen Dämons, der nimmer ruhte, bis zehn Häuser und zwölf zugehörige Städel und Scheunen samt dem Inhalt, dessen Wert in die Hunderttausende geht, seiner Zerstörungswut zum Opfer gefallen waren. Die Besitzer Epp, Sigler, Ritter, Weinberger, Gradl, Graßer, Bösl, Meindl, Schreiber und Tyroller stehen heute vor rauchenden Trümmerstätten. Die einheimischen und auswärtigen Feuerwehren, die, zehn an der Zahl, aus der weitesten Umgebung herbeigeeilt waren, und auch die Amberger Motorspritze, vollbrachten Höchstleistungen an Tapferkeit und Wagemut." (u)


Ein Blick zurückWie bei allen Bränden des Jahres 1926 wurde als Ursache für die Katastrophe von Hirschau vorsätzliche Brandstiftung angenommen. Gleich dreimal, nämlich im Januar, Juli und am 3. Oktober, war das Anwesen Biller am Kricklhof betroffen. Am 8. Februar standen bei dem Ökonom Wisneth am Dienhof zwei Stadel in Flammen. Zwei Tage vorher, am 6. Februar, hatte es beim Maderer auf der Walk gebrannt.

Die Hirschauer Zeitung schreibt dazu: "Der Brandleider ist, wie wir erfahren, zwar versichert, doch dürfte der Schaden bei weitem nicht gedeckt sein, zumal die Ausstattungswäsche seiner Tochter und das gesamte Rauchfleisch sowie erhebliche Futter- und Erntevorräte vollständig verbrannt sind." Am 27. Februar bemerkten Nachbarn noch rechtzeitig einen Brandstiftungsversuch im Anwesen Nr. 249 Josefsvorstadt, so dass es keinen größeren Schaden gab. Am 16. September brannte das außerhalb der Stadt in der Amberger Straße stehende Anwesen Lang total nieder.

Nach dem Großfeuer vom 10. Oktober war das Maß endgültig voll. In einer von Bürgermeister Ernst Riß unterzeichneten Bekanntmachung vom 12. Oktober heißt es: "Die Stadtgemeinde Hirschau gewährt 500 Reichsmark Belohnung demjenigen, der durch zuverlässige Angaben zur Ermittlung des oder der Täter führt, die in letzter Zeit die vielen Brände im Gemeindebezirk Hirschau gelegt haben. Die Belohnung wird fällig und ausbezahlt, sobald der oder die Täter in letzter Instanz wegen vorsätzlicher Brandstiftung verurteilt sind." Die 500 Reichsmark - gäbe es die Währung noch - wären noch heute in der Stadtkasse: Es wurde nie ein Täter ermittelt und verurteilt.

Den Stadtrat beschäftigte nach dem Großbrand noch ein Problem - das Freibier für die Löschmannschaften. Am 17. Oktober beschloss er, dass künftig die Abgabe "nur gegen Marken erfolgen darf". Er sah sich dazu gezwungen, da "Freibier vielfach und unmäßig durch Leute in Anspruch genommen wurde, die sich an den Löscharbeiten überhaupt nicht beteiligt haben." (u)
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