25-Jähriger in Hirschau verhaftet
Staatsanwalt: Versuchter Mord

Durch dieses Fenster warf der 25-Jährige die Flasche. Bild: Polizei
Vermischtes
Hirschau
19.02.2016
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Ein 25-Jähriger wirft einen "Molotowcocktail" in ein Flüchtlingsheim in Hirschau. Zehn Tage später wird er festgenommen. Der junge Familienvater sitzt jetzt wegen versuchten Mordes in Haft. Sein Motiv: Ärger über Asylbewerber.

Dem Tatverdächtigen passte die Unterkunft offenbar schon länger nicht. Am 7. Februar schritt er betrunken zur Tat, warf eine Flasche mit einem selbst gemixten Cocktail aus brennbarer Flüssigkeit durch ein Fenster. Die neun anwesenden Asylbewerber kamen mit dem Schrecken davon. Am 17. Februar schlug die 15-köpfige Ermittlungsgruppe der Polizei in Hirschau (Kreis Amberg-Sulzbach) zu und nahm den 25-Jährigen fest. Nach anfänglichem Leugnen räumte er die Tat ein. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet nun versuchter Mord.

Kein Unbekannter


Am Freitag meldete das Polizeipräsidium Regensburg den Fahndungserfolg. Sprecher Stefan Hartl zeigte sich froh, den Brandanschlag aufgeklärt zu haben. Akribische Ermittlungen hätten schließlich zur Festnahme geführt. Der 25-Jährige ist bei der Polizei kein Unbekannter. Er ist wegen Gewalt- und Eigentumsdelikten bereits in Erscheinung getreten und hat eine Bewährungsstrafe offen. Bei dem Beschuldigten handelt es sich laut Polizei um einen Einzeltäter, der bisher nicht wegen politisch motivierter Delikte aufgefallen sei.

Das glaubt auch Hirschaus Bürgermeister Hermann Falk. Ihm seien noch nie Probleme im Umfeld der Unterkunft zu Ohren gekommen. Laut Polizeisprecher Hartl habe auch eine Befragung der Asylbewerber keine Anzeichen für Fremdenfeindlichkeit in der Umgebung ergeben.

In Widersprüche verstrickt


Der 25-Jährige wohnt mit seiner Familie in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Unterkunft. Am 7. Februar gegen 1.30 Uhr warf er eine mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllte Flasche durch ein Fenster im ersten Obergeschoss des Asylbewerberheimes. In dem Zimmer, in dem das Wurfgeschoss zum Liegen kam, befand sich ein Bewohner, der jedoch nicht verletzt wurde.

Zehn Tage später meldete die Ermittlungsgruppe: "07.02." der Kriminalpolizeiinspektion Amberg Vollzug. Der Hirschauer hatte sich bei den Recherchen laut Polizei "in erste kleinere Widersprüche" verstrickt. Bei der Staatsanwaltschaft Amberg wurde schließlich ein Antrag auf Durchsuchung bei dem Verdächtigen gestellt. Die Polizei wurde fündig. Insbesondere konnte weitgehend nachvollzogen werden, wie die Flasche, die mit einer brennbaren Flüssigkeit, wie ein "Molotowcocktail" gefüllt wurde, hergestellt worden war. Aus dem Labor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Erlangen/Nürnberg kamen schließlich weitere Beweise. Der Beschuldigte legte laut Polizei schließlich "nach anfänglichem, hartnäckigem Leugnen ein umfangreiches, weitgehendes Geständnis ab". Als Motiv nannte er, sich schon seit längerer Zeit über die Unterkunftsbewohner geärgert zu haben. Eine Brandlegungs- bzw. Tötungsabsicht bestritt er allerdings. Unmittelbar vor der Tat habe er außerdem reichlich dem Alkohol zugesprochen.

Am Donnerstag wurde ein Untersuchungs-Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen. Offen ist noch, ob die Flüssigkeit zur Entzündung geeignet gewesen wäre. Dies wird derzeit noch vom Landeskriminalamt geprüft. Außerdem wird untersucht, inwieweit der Täter versucht hat, den Inhalt der Flasche bei der Aktion anzuzünden.

Zeugensuche in Bruck


Noch keine neue Spur hat die Polizei im Fall eines zweiten Anschlags auf ein Asylbewerberheims, das sich am selben Tag wie in Hirschau ereignete. Hierfür kommt der 25-Jährige nicht Betracht, da er in Alibi besitzt. In Bruck (Kreis Schwandorf) wurde eine Flasche gegen das Rollo eines Erdgeschossfensters einer Asylbewerberunterkunft geworfen. Zudem fanden die Beamten mehrere Zettel mit ausländerfeindlichen Parolen. Die Polizei bittet um Zeugenhinweise unter 09621/890-0.

Angst als Abschreckung


Angemerkt von Frank Werner
Wir sehen die Bilder aus dem sächsischen Clausnitz, wo sich am Donnerstagabend ein pöbelnder, hundertköpfiger Mob einem Flüchtlingsbus in den Weg stellt. Ein Junge weint vor Furcht, als er aussteigt. Es ist verstörend und beschämend, wie hier mit Schutzsuchenden umgegangen wird.

Bei aller Diskussion über Obergrenzen, Asylpakt II, Ultimaten oder Kontingentlösungen: Wir sehen in die Gesichter von Menschen, die alles aufgegeben haben, um Bomben und Terror zu entfliehen. Dies wird im überhitzten politischen Klima zunehmend und gerne vergessen.

Den Flüchtlingen soll von den Rechtsaußen vor allem Angst vermittelt werden. Angst als Abschreckung. Das kennen wir aus der deutschen Geschichte leider nur zu gut. Angst – so war es offenbar auch in Hirschau gedacht. Eines ist völlig klar: Wer zu Gewalt greift, den muss die volle Härte des Gesetzes treffen.
2 Kommentare
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Hans Lauterbach aus Sulzbach-Rosenberg | 20.02.2016 | 15:04  
Redaktion Onetz aus Weiden in der Oberpfalz | 22.02.2016 | 10:04